Preußische Allgemeine Zeitung Zeitung für Deutschland · Das Ostpreußenblatt · Pommersche Zeitung
Viel Freude gab es bei den Tanz- und Gesangsaufführungen, aber einige Ansprachen stimmten auch nachdenklich
Es war schwierig zu schätzen, wie viele Gäste zum diesjährigen Sommerfest der Deutschen Minderheit am 27. Juni ins südliche Ostpreußen nach Heilsberg gekommen waren. Obwohl das Amphitheater neben dem Kulturhaus der Stadt nahe der Alle liegt und das umgebende Grün und die Überdachung für ein angenehmes Klima sorgen, schreckte die Hitze am bisher heißesten Tag des Jahres in der Region bereits im Vorfeld einige, vor allem ältere Mitglieder der Deutschen Minderheit ab. Das war schade, denn es gab auf der Bühne eine große Vielfalt mit viel Schwung zu erleben.
Der einzige Moment, in dem sich die Teilnehmer und Künstler des Sommerfests hätten zählen lassen, war der Beginn der Veranstaltung mit dem ökumenischen Gottesdienst, den Domherr André Schmeier als katholischer Seelsorger der Deutschen Minderheit sowie der evangelische Pfarrer Witold Twardzik aus Passenheim zelebrierten. Der zum heißen Junitag gewählte Bibeltext sprach von der wohltuenden Kühle im Paradies kurz vor dem Sündenfall, als Gott selbst dort spazieren ging, und über 600 Zuhörer und Zuschauer lauschten.
Von Frieden, Swing und Folklore
Den musikalischen Anfang machte das Städtische Orchester beim Kulturzentrum in Osterode, zuerst mit der Europahymne, welche die trotz des freudigen Tages durchaus ernsteren Ansprachen der Ehrengäste einleitete. Die unterschwellige Drohung von Konflikten auf der Welt prägte die Grußworte des Sprechers der Landsmannschaft Ostpreußen (LO), Stephan Grigat, oder des Bürgermeisters von Heilsberg, Jacek Wiśniowski, als Gastgeber. Erfreulich war hingegen die Anwesenheit der Kommission für Fragen der Minderheiten der Woiwodschaft Podlachien, die ein erstes Treffen mit den Kollegen aus der Woiwodschaft Ermland-Masuren mit dem Besuch des Sommerfestes verband, um einen Eindruck von der Deutschen Minderheit zu gewinnen.
Sie genossen dann den Big-Band-Sound des Orchesters aus Osterode mit bekannten Swing- und Jazz-Klassikern, aber auch deutschen und polnischen Melodien. Als Solosängerin trat Anna Laskowska von der Osteroder Gesellschaft der Deutschen Minderheit „Tannen“ auf. Anschließend kamen aus dem anderen Osterode, der Partnerstadt am Harz, die Lerbachtaler und präsentierten Volksmusik aus der dortigen Region, die sie bereits seit Langem pflegen, ebenso wie Bräuche und altes Handwerk. Nach ihrem Auftritt hatten sie noch einen wichtigen Termin beim Jubiläum ihrer Partnergruppe „Kapela Ostródzianie“ in Osterode zu absolvieren.
Bewährte Kräfte und neue Stile
Die folgenden Auftritte bis zum Ende der Veranstaltung waren geprägt von bewährten Kräften, die sich seit Jahren zum Ostpreußischen Sommerfest auf der Bühne präsentieren. Die Volkstanzgruppe „Perła Warmii“ (Perle des Ermlands) aus Heilsberg etwa, die mit den Gruppen der Jugendlichen und der Erwachsenen vor Ort war und schwungvoll über die Bühne fegte. Nicht ganz so schwungvoll, dafür zwischendurch durchaus akrobatisch, vor allem aber souverän trat als zweite Tanzgruppe des Nachmittags die Regionaltanzgruppe „Saga“ von der Deutschen Minderheit in Bartenstein auf. Bei den herrschenden Temperaturen waren die traditionellen Trachten zu warm und für die jungen Tänzerinnen und Tänzer sicher noch schwerer als ohnehin schon.
Ebenfalls mit Erwachsenen und Jugendlichen trat die Neidenburger Gesellschaft der Deutschen Minderheit an. Während der Chor ein Repertoire aus Volksliedern darbot, hatte die Jugendgesangsgruppe anderes zu bieten. Vor allem mit den Liedern „Lieblingsmensch“ und „Zuhause ist, wo du Freunde hast“ riss sie das Publikum aus der beginnenden Lethargie nach dem Mittagessen. Traditionell mit ihrer deutschen Volksmusik trugen die Lokalmatadoren vom Chor „Warmia“ von der Gesellschaft der Deutschen Minderheit in Heilsberg diese Stimmung weiter in den Nachmittag und gaben dann den Staffelstab weiter an die Reisegruppe der LO in Mecklenburg-Vorpommern, die es auch in diesem Jahr wieder wie stets zum Sommerfest geschafft hatte.
Vorbilder und Routiniers
Suchen wir nach Vorbildern für unsere jungen Menschen, so waren auf dem Sommerfest einige angetreten: Paweł Urbański als inzwischen erfahrener Tänzer bei „Saga“, Dorota Cieklińska, die Trainerin von „Saga“ und Tänzerin bei „Perła Warmii“ und Sängerinnen wie Anna Laskowska, die Moderatorin Monika Szewczak und vor allem Magdalena Lobert, die als Vorletzte auf die Bühne kam. Inzwischen ist sie Doktorandin zu einem regionalen Thema und Übersetzerin, vor allem aber Sängerin mit eigenen Liedern. Diesmal aber sang sie auf Deutsch und begeisterte das Publikum wie stets in den vergangenen Jahren. Den Abschluss machte der Chor „Stimme der Heimat“ aus Lötzen mit Oliver Geis am Akkordeon, eine Gruppe mit viel Erfahrung und immer noch guten Stimmen, die nicht nur bei Sommerfesten, sondern häufig auch in der Bundesrepublik bei Treffen von Ostpreußen aufgetreten ist.
Sowohl die Routiniers als auch die jüngeren Künstler sowie die Organisatoren bedanken sich für die finanzielle Unterstützung beim polnischen Ministerium für Inneres und Verwaltung, beim Bundesministerium des Innern und für Heimat der Bundesrepublik Deutschland unter Vermittlung des Verbands der deutschen sozialkulturellen Gesellschaften in Polen sowie der Selbstverwaltung der Woiwodschaft Ermland-Masuren.