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Vor 200 Jahren starb der Komponist Carl Maria von Weber – In Berlin startete die Erfolgsgeschichte seiner Oper „Der Freischütz“
Am Abend des 4. Juni 1826 zog sich Carl Maria von Weber im Hause seines Londoner Gastgebers Sir George Smart auf sein Zimmer zurück. Er litt seit langer Zeit an Tuberkulose und hatte in der britischen Hauptstadt anstrengende Wochen mit der Vollendung, Einstudierung und Uraufführung seiner Auftragsoper „Oberon“ gehabt. Nun wollte er zurück nach Dresden zu seiner Familie. Am Morgen des 5. Juni fand das Dienstmädchen Webers Zimmer verschlossen. Sie klopfte vergeblich, alarmierte dann Smart, der die Tür aufbrechen ließ. Weber lag im Bett. Offenbar friedlich entschlafen, wie seine Witwe später aufgrund der entspannten Gesichtszüge der Totenmaske schloss. Es dauerte 18 Jahre, bis seine sterblichen Überreste in Dresden anlangten.
Weber wurde 1786 in Eutin geboren. Lange Zeit kam er viel herum. Das verdankte er zunächst dem Vater, der mit seinen Theatergesellschaften durch Thüringen, Franken, die Oberpfalz und das Salzburger Land zog. Seine ersten Bühnenauftritte hatte der kleine Weber mit vier Jahren. Erst der Vater, dann renommierte Komponisten wie Michael Haydn gaben ihm Musikunterricht. Weber entwickelte sich zum erfolgreichen Pianisten, Dirigenten und produktiven Komponisten, der mit Opern, Bühnen- und Orchesterwerken, Messen und Liedern hervortrat. Bereits mit 17 Jahren war er Kapellmeister am Theater in Breslau. Ab 1811 ging Weber auf Konzertreise. Er trat in Mannheim, Heidelberg und Darmstadt, in Süd- und Mitteldeutschland sowie in Berlin auf. Von 1813 bis 1816 amtierte er als Kapellmeister am Ständetheater in Prag.
Seit 1817 war Weber in Dresden auf Lebenszeit als königlicher Kapellmeister angestellt. Ihm oblag die Leitung der neu gegründeten deutschen Oper. Vertretungsweise war er auch für die Musik in der katholischen Hofkirche und die italienische Oper zuständig. Bemerkenswert ist, dass er seine drei großen Opern zwar weitgehend in Dresden komponierte, diese aber andernorts uraufführte. Unter Generalintendant Carl Graf von Brühl leitete Weber am 18. Juni 1821 im Berliner Schauspielhaus am Gendarmenmarkt die Erstaufführung seines „Freischütz“, der romantischen deutschen Oper schlechthin.
Dresden ist die wichtigste Anlaufstelle für alle Verehrer Webers. Zwar ist das Carl-Maria-von-Weber-Museum derzeit wegen denkmalgerechter Sanierung geschlossen, aber dessen Leitung richtet trotzdem eine bis 6. September laufende Sonderschau aus. Sie findet im Museum der Dresdener Romantik statt: dem Kügelgenhaus, heißt „Wo Schatten wohnen“ und ehrt neben Weber den vor 250 Jahren in Königsberg geborenen Schriftsteller und Komponisten E.T.A. Hoffmann. Beide Herren komponierten die ersten romantischen, rein deutsch gesungenen Opern. Hoffmanns Zauberoper „Undine“ erlebte 1816 in Berlin ihre Uraufführung, fünf Jahre vor Webers „Freischütz“.
Wagner komponierte Trauermusik
Die beiden Komponisten sind Vertreter der „Schwarzen Romantik“, bei der es um Traum, Märchenhaftes und Gespenstisches, Wahnsinn, Liebeswirren und Tod geht. Zu den Glanzlichtern gehört Webers Bildnis in Halbfigur, das Ferdinand Schimon 1825 gemalt hat. Weber schrieb ihm: „Alle, die es sehen, erfreuen sich deßen, und halten es für das beste, das noch eines Künstlers Hand von mir schuf.“
Kurz vor Webers Tod stellte ihn George Hayter auf einer Lithografie als hageren Dirigenten in drei Posen dar. Bei seiner Obduktion stellten die Ärzte ein Geschwür am Kehlkopf und Eiterherde in der Lunge fest. Seine Beisetzung erfolgte am 21. Juni 1826. Musiker spielten vier Sätze aus Mozarts „Requiem“. Anschließend erklang der Trauermarsch aus Händels Oratorium „Saul“, während der Bleisarg in die Gruft der katholischen Kirche St. Mary Moorfields getragen wurde.
Erst 1844 bahnte sich die Überführung des Leichnams nach Dresden an. Webers Sohn Max, der später zum Eisenbahnpionier avancierte, schrieb in einem Brief über das zwecks Heimholung gegründete Komitee: „Unter der genialen Leitung Richard Wagners hat die ganze Sache schnell ein anderes Gesicht bekommen, und ich zweifle kaum mehr an der Vollendung des Ganzen.“ Wagner war wie zuvor Weber Hofkapellmeister.
In Dresden war eine Beisetzung Webers ohne öffentliches Tamtam geplant. Daraus wurde nichts. Webers Sarg langte an Bord des Dampfschiffes „John Bull“ im Hamburger Hafen an. Am 29. Oktober gegen drei Uhr nachmittags stellten sich Hamburger Musiker und der Singverein auf dem Schiffsdeck auf und ließen den Choral „Jesus meine Zuversicht“ in Anwesenheit zahlreicher Schaulustiger erklingen. Da durfte Dresden nicht zurückbleiben. Das Komitee organisierte eine großartige Trauerfeier, während der Sarg per Schiff und Bahn unterwegs war. Er traf am 14. Dezember ein.
Zum abendlichen Empfang des Toten stellten sich die von Wagner und weiteren Dirigenten angeführten Mitglieder der königlichen Kapelle mit brennenden Kerzen und Lorbeerkränzen in den Händen sowie eine große Schar weiterer Sänger und Musiker im Schein von 120 Fackeln auf. Nach dem musikalischen Empfangsgruß setzte sich der Trauerzug zum langen Marsch auf den Alten Katholischen Friedhof in Bewegung. Ein „90 Mann starkes Musikchor ging dem Leichenwagen voraus und spielte eine vom Capellmeister Wagner componierte Trauersymphonie, die aus Melodien der Euryanthe sinnig gewebt war“, wie die „Illustrierte Zeitung“ berichtete. Eine vielköpfige Menschenmenge umwogte den Trauerzug.
Am nächsten Tag um zwei Uhr nachmittags begann die Beisetzung. Die recht schlichte steinerne Grabstätte hatte der berühmte Architekt Gottfried Semper entworfen. In der Gruft lag schon Webers kurz zuvor gestorbener Sohn Alexander. Einer der Trauerredner war Wagner. Zum Schluss erklang der von ihm gedichtete und komponierte Grabgesang: „Hebt an den Sarg, ihr Zeugen dieser Stunde.“