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Glück im Unglück

Weihnachtswunder in der Luftfahrt

Mehrfach in der Geschichte gingen Flugzeugunfälle gerade am Fest der Liebe verblüffend glimpflich aus. Dies schürt den Eindruck, dass hier der Zauber der Heiligen Nacht im Spiel war

Wolfgang Kaufmann
23.12.2025

Seit dem Beginn der regelmäßigen zivilen Luftfahrt im Jahre 1919 sind rund um den Globus schätzungsweise 6000 Verkehrsflugzeuge abgestürzt oder verunglückt, wobei es um die 70.000 Tote gab. Bei manchen der Flugzeugkatastrophen kamen mit einem Schlag mehrere hundert Menschen ums Leben, während andere erstaunlich glimpflich verliefen. In einigen Fällen war daher von „Weihnachtswundern“ die Rede, weil der glückliche Ausgang auf den 24. Dezember oder die Tage davor beziehungsweise danach fiel.

Der erste Vorfall dieser Art ereignete sich am 2. Dezember 1938, als eine Junkers Ju-52 der Lufthansa beim Anflug auf den Flughafen von Wien-Aspern gegen den benachbarten Leopoldsberg prallte. Danach brannte die Maschine, welche im August 1937 einen spektakulären Flug von Berlin nach Shanghai über das bis zu 7500 Meter hohe Pamirgebirge hinweg absolviert hatte, vollkommen aus. Dennoch überlebten alle acht Personen an Bord.

Wien war auch der Schauplatz des nächsten „Weihnachtswunders“ zwanzig Jahre später. Am 24. Dezember 1958 setzte eine Lockheed Constellation der Air France zum Landeanflug auf Wien-Schwechat an. Bei sehr schlechtem Wetter sackte die Maschine kurz vor Mitternacht während einer Linkskurve in geringer Höhe durch einen Pilotenfehler in Kombination mit plötzlichen Fallwinden nach unten. Hierdurch streifte sie nahe Kleinneusiedl einen Schuppen samt daneben befindlicher Telefonleitung und schlitterte dann noch mehrere hundert Meter über aufgeweichte Äcker, bis sie drei Kilometer vom Flughafen entfernt zum Stillstand kam.

Jet zerbrochen, alle haben überlebt
Zehn Minuten später waren wegen des schlammigen Bodens immer noch keine Lösch- und Rettungsfahrzeuge vor Ort. Dafür ging die Lockheed plötzlich in einem riesigen Feuerball auf. Glücklicherweise befanden sich zu diesem Zeitpunkt schon alle 28 Passagiere und sechs Besatzungsmitglieder im Freien, weil sie die Bruchlandung heil oder mit leichteren Blessuren überstanden hatten. Letztlich mussten nur der aus dem Cockpit herausgeschleuderte Flugkapitän Pierre Candau und der Bordingenieur George Chasseigne aufgrund ihrer Verletzungen einige Tage im Krankenhaus verbringen.

Ein weiteres „Weihnachtswunder“ erlebte die zivile Luftfahrt am 27. Dezember 1991, als der SAS-Flug 751 sehr abrupt endete. Auf dem Flughafen Stockholm-Arlanda startete um 8.47 Uhr morgens eine schwedische MD-81 mit dem Ziel Kopenhagen. Die Passagiermaschine war am Vorabend aus Zürich eingetroffen und während des Fluges in elf Kilometern Höhe eisigen Temperaturen von bis zu minus 60 Grad ausgesetzt gewesen. Im Zuge der routinemäßigen Startvorbereitungen wurde lediglich der Schnee von den Tragflächen entfernt. Doch auf den Flächen hatte sich auch Klareis gebildet, das unbeachtet blieb und dann die Havarie auslösen sollte. Denn Teile des Eises wirbelten beim Abheben in die Strahlturbinen. Hierdurch fielen beide Triebwerke aus, sodass der Flugkapitän Stefan Rasmussen und Co-Pilot Ulf Cedermark die MD-81 nach nur vier Minuten Flugzeit auf einem Feld bei Gottröra notlanden mussten, wobei der Jet in drei Teile zerbrach. Trotz der schweren Schäden an der Maschine überlebten alle 123 Passagiere und sechs Besatzungsmitglieder den Unfall.

Eis war auch beim vorerst letzten großen „Weihnachtswunder“ im Luftverkehr am 5. Januar 2004 im Spiel. Diesmal traf es eine Fokker 70 der Austrian Airlines, die mit 32 Menschen an Bord von Wien nach München flog. Kurz vor der Ankunft auf dem Flughafen im Erdinger Moos sprang die Eiswarnanlage an, woraufhin das Enteisungssystem aktiviert wurde. Das führte sofort zu starken Vibrationen und Leistungsabfällen in den beiden Triebwerken – ausgelöst durch Eisschutzpaneele, welche sich aufgrund fehlerhafter Klebeverbindungen gelöst hatten und die Turbinen blockierten.

3000 Meter freier Fall
Daher schafften es der Flugkapitän Jan Kurka und sein Erster Offizier Markus Türk nicht mehr, die Maschine bis nach München zu bringen. Sie setzte auf einem schneebedeckten Acker zwischen Reisen und Schwaig auf und rutschte danach noch 220 Meter, wobei das Bugfahrwerk abriss. Obwohl der Aufprall etwa fünf Mal so hart ausfiel wie eine normale Landung, konnten die 28 Passagiere und vier Besatzungsmitglieder die Fokker mit leichten Blessuren durch die linke Vordertür verlassen. Zwei weitere kleinere „Weihnachtswunder“ gab es am 7. Dezember 1995 unweit von Telfs in Tirol und am 23. Dezember 2021 bei Watenbüttel in Niedersachsen.

Im ersten Fall versagte der Motor einer Cessna mit vier Insassen, sodass der Pilot die Maschine auf einem Feld voller gefrorener Querfurchen landen musste. Dabei erlitt erstaunlicherweise niemand Verletzungen. Im zweiten Fall stürzte ein Geschäftsreiseflugzeug mit sechs Passagieren wegen Turbulenzen in die Oker, ohne dass es dabei Todesopfer zu beklagen gab.

Ansonsten gilt auch das unfassbare Überleben von Juliane Koepcke beim Absturz einer Lockheed L-188 Electra der peruanischen Fluggesellschaft LANSA am 24. Dezember 1971 als „Weihnachtswunder“ – allerdings starben hier alle anderen 91 Insassen der Maschine bei dem Unglück, darunter Koepckes Mutter. Die Lockheed war auf dem Weg von Lima nach Pucallpa in eine Gewitterfront geraten und daraufhin wegen strukturellen Versagens in der Luft auseinandergebrochen. Juliane Koepcke trudelte an ihren Sitz geschnallt aus 3000 Metern Höhe in den Regenwald. Die 17-Jährige erlitt dabei zahlreiche Verletzungen, wurde aber nach zehn Tagen von Waldarbeitern gerettet.

Da es sich bereits um den dritten folgenschweren Absturz einer LANSA-Maschine binnen weniger Jahre handelte, verlor die Airline nunmehr wegen der ständigen Sicherheitsprobleme und der Fälschung von Wartungsaufzeichnungen ihre Betriebserlaubnis. Koepcke studierte später in Deutschland Biologie und verschrieb sich anschließend der Rettung des südamerikanischen Regenwaldes, wofür sie sowohl das Bundesverdienstkreuz am Bande als auch das Großoffizierskreuz des Verdienstordens der Republik Peru erhielt.


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