14.03.2026

Preußische Allgemeine Zeitung Zeitung für Deutschland · Das Ostpreußenblatt · Pommersche Zeitung

Suchen und finden

Feinde im Innern

Weit mehr als eine laute Parole

Auf radikal-islamischen Demos in Deutschland ertönt der Ruf nach der Errichtung eines „Kalifats“. Dabei geht es um die Zerstörung von allem, was unsere Zivilisation ausmacht

Wolfgang Kaufmann
26.01.2026

Wenn radikale Moslems auf den Straßen hierzulande demonstrieren, fordern sie regelmäßig auch die Errichtung eines Kalifats. Damit folgen sie nicht zuletzt dem Ruf der beiden vom Bundesinnenministerium verbotenen Organisationen Kalifatstaat und Hizb ut-Tahrir sowie der Terrormiliz Islamischer Staat. Es existiert aber keinerlei allgemein verbindliche muslimische Rechtsauffassung, wie ein Kalifat konkret auszusehen habe.

Nach dem Tode des Propheten Mohammed im Juni 632 benötigten dessen Anhänger einen neuen Führer der Umma, der Gemeinschaft der Gläubigen. Diese Rolle übernahm im Zuge etlicher hitziger Auseinandersetzungen Mohammeds Schwiegervater Abu Bakr, der nun als „Chalifat rasul Allah“ auftrat, zu Deutsch: „Nachfolger des Gesandten Gottes“, ohne sich hierbei allerdings auf eine entsprechende Passage im Koran berufen zu können.

Ungeachtet dessen ging der erste Kalif der Weltgeschichte mit harter Hand gegen alle Muslime vor, die seine Interpretation des Islam ablehnten. Darüber hinaus gab er den Startschuss zur Eroberung eines islamischen Großreiches. Insofern verkörperte Abu Bakr den Typus des aggressiven diktatorischen Kalifen. Ganz ähnlich wie er agierten seine „rechtgeleiteten“ Nachfolger Umar, Uthman und Ali, welche durch ein spezielles Gremium gewählt wurden. Dann aber kamen die Ummayaden an die Macht.

Von den Arabern zu den Osmanen
Dieser Familienclan des arabischen Stammes der Quraisch aus Mekka, dem auch Mohammed angehört hatte, führte die Praxis der Vererbung des Kalifentitels vom Vater auf den Sohn ein. In der Folgezeit nahm die Machtfülle der Kalifen immer mehr zu, bis der neunte Träger des Titels, Abd al-Malik, schließlich zum Stellvertreter Gottes auf Erden, spirituellen Führer aller Muslime, obersten Richter beziehungsweise Gesetzgeber sowie alleinigen Inhaber der Münzrechte und darüber hinaus seine Familienmitglieder als Statthalter in den Provinzen einsetzte.

Anders verhielt es sich während der Zeit der Abbasiden-Kalifen, die von 750 bis 1258 währte und durch eine vergleichsweise große religiöse und kulturelle Toleranz geprägt war. Zwar expandierte das Kalifen-Reich immer noch weiter, parallel dazu erodierte aber die reale Macht des Kalifen, weil er viele seiner Kompetenzen abgeben musste. Ebenso entstanden mehrere Gegenkalifate zum Kalifat von Bagdad, wie das der schiitischen Fatimiden in Ägypten und Syrien, der Ummayaden-Abkömmlinge in Córdoba auf der Iberischen Halbinsel sowie der Almohaden im Maghreb.

Am Ende töteten die mongolischen Invasoren am 20. Februar 1258 den 37. Abbasidenkalifen al-Musta'sim. Das führte zum Zusammenbruch des bisherigen Kalifatssystems, in dem der Nachfolger Mohammeds ein eigenes souveränes Reich regierte und mehr als nur spirituelle Macht besaß. Zwar kam es 1261 zur Restauration des Abbasiden-Kalifats mit nunmehrigem Sitz in Kairo, doch stand dieses komplett unter der Fuchtel der Mameluken in Ägypten, welche den mongolischen Vormarsch im Nahen Osten zu stoppen vermochten. Als Schattenkalifat diente es lediglich dem Zweck, die Herrschaft der weltlichen Machthaber am Nil religiös zu legitimieren.

1517 wiederum eroberte der osmanische Herrscher Selim I. Yavuz Kairo, wonach er den allerletzten Abbasidenkalif Al-Mutawakkil III. deportieren ließ und selbst den Kalifentitel annahm. Damit erschienen jetzt die Sultane in Konstantinopel als Nachfolger des Propheten Mohammed und geistliche Oberhäupter der gesamten muslimischen Welt, womit das alte panislamische Kalifat Auferstehung feierte. Das bestand solange, bis die Führung der jungen Republik Türkei um Mustafa Kemal Atatürk am 24. März 1924 das Kalifat abschaffte, woraufhin der entthronte Sultan und einhundertste Kalif seit Abu Bakr, Abdülmecid II., ins Exil gehen musste.

Gegen den „Götzen der Demokratie“
Bereits einen Tag nach diesem sang- und klanglosen Ende des Kalifats riefen islamische Geistliche in Kairo zu dessen Wiederherstellung auf, doch eine nennenswerte neue Kalifatsbewegung entstand letztlich erst 1953 auf Initiative der Hizb ut-Tahrir, einer transnationalen Islamistenbewegung. Allerdings folgten die meisten Araber zunächst lieber den Ideen des Nationalismus und teilweise auch des Sozialismus. Käme nun ein erneuertes Kalifat, würde es – ganz gleich, auf welchem der verschiedenen historischen Vorbilder es basiert – durch folgende Merkmale gekennzeichnet sein: Degradierung der Nichtmuslime zu Menschen zweiter Klasse, uneingeschränkte Gültigkeit der mittelalterlich-brutalen Rechtsordnung der Scharia sowie Wegfall der üblichen Gewaltenteilung und der meisten bürgerlichen Freiheiten.

Dies alles wäre natürlich ganz klar verfassungswidrig. Wenn Muslime in Deutschland und anderswo heute nach der Restauration des Kalifats streben, dann tun sie dies oft im Einklang mit den Auffassungen des irakischen Terroristen Ibrahim Awad Ibrahim al-Badri, der bis zu seinem Tod im Oktober 2019 an der Spitze des Islamischen Staates stand und ab dem 29. Juni 2014 ausdrücklich als „Kalif Abu Bakr al-Baghdadi“ auftrat. Wie der selbst gewählte Name zeigt, sah sich al-Badri in der Tradition des allerersten Nachfolgers von Mohammed, der mit eiserner Faust über Muslime wie Nichtmuslime herrschte und nicht nur religiöser, sondern ebenso politisch-militärischer Anführer war. Dabei polemisierte der neue „Kalif“ von Bagdad, der im „Heiligen Krieg gegen die Ungläubigen“ starb, aber mittlerweile schon vier gleichgesinnte Nachfolger hatte, ganz explizit gegen „den Götzen der Demokratie und dessen abartigen Charakter“.

Und das ist durchaus logisch: Wo Gott oder dessen Stellvertreter herrschen, bleibt kein Platz für eine Volksherrschaft. Insofern sind Aussagen wie die des „Welt“-Journalisten Alan Posener „Das Kalifat zu fordern, ist nicht strafbar – und das ist auch gut so“ gefährlich naiv. Der Ruf nach einem Kalifat sollte genauso strafbar sein wie alle anderen Aktivitäten, welche sich aktiv-kämpferisch gegen den Bestand oder die verfassungsmäßige Ordnung der Bundesrepublik Deutschland richten.


Hat Ihnen dieser Artikel gefallen? Dann unterstützen Sie die PAZ gern mit einer

Anerkennungszahlung


Kommentare

Dr. Dr. Hans-Joachim Kucharski am 26.01.26, 11:52 Uhr

Wann realisieren wir endlich, daß Überfälle auf Weihnachtsmärkte nur Teil einer langfristigen Absicht sind – von Leuten, die die Entwicklung nicht abwarten können oder wollen? Es sind jeweils nur Einzelfälle – aber eben nur derzeit! Das Deutschtum und das Christentum sollen abgeschafft werden. Wenn die Migranten erst mal die Mehrheit haben, wird ein Kalifat vermutlich die Folge sein. Dann werden Kirchen in Moscheen umgewandelt, und wer dann nicht zum Islam konvertiert, wird liquidiert, vielleicht nicht nach der Methode der Weihnachtsmärkte.

Kommentar hinzufügen

Captcha Image

*Pflichtfelder

Da Kommentare manuell freigeschaltet werden müssen, erscheint Ihr Kommentar möglicherweise erst am folgenden Werktag. Sollte der Kommentar nach längerer Zeit nicht erscheinen, laden Sie bitte in Ihrem Browser diese Seite neu!

powered by webEdition CMS