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Symbol für den Ursprung Russlands – Neben der orthodoxen Kathedrale wurde ein geschichtsträchtiges Monument aufgestellt
Vor der Christ-Erlöser-Kathe-drale auf dem Hansaplatz im Zentrum von Königsberg wurde ein neues Monument aufgestellt, das weit über die Grenzen des Königsberger Gebiets hinaus politische und historische Symbolkraft besitzt. Die über zehn Meter hohe Statue des Großfürsten Wladimir wurde Ende Mai aufgestellt und am 6. Juni von dem russisch-orthodoxen Patriarch Kirill eingeweiht.
Großfürst Wladimir von Kiew gilt als Schlüsselfigur der russischen Geschichte. Mit seiner Taufe im Jahr 988 und der Christianisierung der Kiewer Rus wird er von der russisch-orthodoxen Kirche als „Gleich den Aposteln“ verehrt. Für das heutige Russland ist Wladimir weit mehr als eine religiöse Gestalt. Er verkörpert den Ursprung einer gemeinsamen russischen, ukrainischen und weißrussischen Geschichte, deren Deutung seit dem Zerfall der Sowjetunion und insbesondere seit dem Krieg Russlands gegen die Ukraine 2015 politisch umkämpft ist.
Hansaplatz als religiöses Zentrum des „russischen Königsbergs“
Gerade deshalb ist der Standort des Denkmals von besonderer Bedeutung. Die monumentale Christ-Erlöser-Kathedrale auf dem „Siegesplatz“, dem ehemaligen Hansaplatz, bildet heute das religiöse Zentrum des russischen Königsbergs. Das Wladimir-Denkmal ergänzt dieses Ensemble und verankert die Stadt noch stärker in der historischen Diktion des russischen Staates.
Die Einweihungszeremonie fand im Anschluss an die Göttliche Liturgie statt, die vom Patriarchen von Moskau und der ganzen Rus, Kirill, geleitet wurde. Das 8,7 Meter hohe Monument (weitere 2,8 Meter entfallen auf den Granitsockel) wurde vom Oberhaupt der Russisch-Orthodoxen Kirche den Bewohnern der westlichsten Region Russlands geschenkt. Schöpfer der Skulptur ist Kirill Tschischow, der architektonische Teil wurde von Iwan Solowjow entworfen. Das Projekt wurde im April 2026 vom Kulturbeirat beim Gouverneur genehmigt.
Patriarch Kirill verband in seiner Ansprache an die Versammelten das Jubiläum der Region mit dem Sieg im Zweiten Weltkrieg. „Die Entstehung der Region Kaliningrad war das Ergebnis der Opferbereitschaft unseres Volkes, unserer Soldaten, die damals den gefährlichsten Feind besiegt haben, mit dem ganz Europa nicht fertig wurde“, sagte er. Der Patriarch rief die Gläubigen zudem dazu auf, nach der goldenen Regel der Moral des Königsberger Philosophen Immanuel Kant (ohne ihn zu nennen) zu leben: „Tu anderen nicht das, was du selbst nicht möchtest, dass man dir antut.“ Und er fügte hinzu: „Heute müssen wir uns im orthodoxen Glauben verwurzeln, damit sowohl die heutige als auch die kommende Generation diesen Glauben für immer bewahren, ihn stärken und ihre Kinder und Enkel erziehen.“
Gouverneur lobt den Patriarchen
Gouverneur Alexej Besproswannych dankte dem Patriarchen für seinen Besuch und seine besondere Verbundenheit mit der Region. Er erinnerte daran, dass vor 40 Jahren genau mit dem Besuch eines Bischofs aus dem Gebiet Smolensk hier die Wiederbelebung des orthodoxen Glaubens begonnen habe. „In der Region Kaliningrad gab es nichts, es war ein leeres kirchliches Blatt. Sie, Patriarch Kirill, haben damals den ersten Schritt gemacht und den ersten Grundstein des Christentums in unserer Region gelegt“, sagte der Gouverneur.
Besproswannych betonte, dass Veränderungen im kirchlichen Leben nicht nur im Bau neuer Kirchen bestehen, sondern auch in positiven Veränderungen in den Herzen der Menschen. „Wir alle sind darauf ausgerichtet, als eine große Familie zu leben, im Glauben, in Eintracht und vor allem in gegenseitiger Hilfe“, schloss er. Als Mäzen des Projekts trat der Abgeordnete des Regionalparlaments Jewgenij Wercholas auf.
Denkmal mit einer Botschaft weit über die Region hinaus
Die Idee für das Monument ist nicht neu. Bereits 2015 sollte die Statue anlässlich eines Besuchs des Patriarchen Kirill errichtet werden. Damals scheiterte das Projekt offiziell an Finanzierungsproblemen. Erst nachdem das Gelände 2017 der Gemeinde der Christ-Erlöser-Kathedrale zur kostenlosen Nutzung überlassen worden war, konnten die Planungen wieder aufgenommen werden.
Die Errichtung fällt in eine Zeit, in der die russische Führung verstärkt auf historische Symbole setzt. Präsident Wladimir Putin und die russisch-orthodoxe Kirche betonen seit Jahren die Einheit von Staat, Nation und orthodoxem Glauben. Wladimir der Große wird dabei als Identifikationsfigur genutzt, die die Kontinuität russischer Geschichte von der Kiewer Rus bis zum heutigen Russland verkörpern soll. Bereits 2016 war in Moskau nahe dem Kreml ein monumentales Wladimir-Denkmal errichtet worden. Das neue Denkmal in Königsberg folgt derselben historischen und politischen Logik.
Für viele Beobachter ist die Statue daher mehr als ein religiöses Denkmal. Sie steht für die fortschreitende „Russifizierung“ Königsbergs, dessen deutsche Vergangenheit zunehmend hinter einer betont russisch-orthodoxen Erinnerungskultur zurücktritt. Während die Ruinen des alten Königsbergs und die Geschichte Ostpreußens weiterhin sichtbar bleiben, prägen heute neue Symbole die Identität der Stadt. Das Wladimir-Denkmal vor der Christ-Erlöser-Kathedrale ist Ausdruck dieses Wandels – ein Monument, das Geschichte, Religion und Politik auf engstem Raum miteinander verbindet.