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Die Veste Coburg gilt als „Fränkische Krone“ – 800 Jahre ist sie alt und feiert das Jubiläum mit einer Reihe von Ausstellungen
Im Laufe ihrer 800-jährigen Geschichte hatte die Veste Coburg berühmte Gäste wie Queen Victoria und unrühmliche Besucher wie Adolf Hitler. Besonderes Gewicht hat Martin Luthers Aufenthalt. Er betrat am 15. April 1530 im Gefolge des sächsischen Kurfürsten Johann der Beständige Coburg. Reiseziel der Gruppe war Augsburg, wo die evangelischen Fürsten und Reichsstädte Kaiser Karl V. auf dem Reichstag ihr Glaubensbekenntnis übergaben.
Da Luther unter dem Kirchenbann und der Reichsacht stand, blieb er zu seiner Sicherheit in der südlichsten Residenz des Kurfürstentums Sachsen zurück. Er begab sich zur Veste hinauf, wo er bis Anfang Oktober zwei Zimmer bewohnte. Der Reformator war hier äußerst produktiv: Er schrieb zahlreiche Briefe, beschäftigte sich mit der Übersetzung des Alten Testaments und arbeitete Bekenntnis- und Streitschriften wie den „Sendbrief vom Dolmetschen“ aus, in dem er seine Technik der Übersetzung der Bibel verteidigte: „Man muss dem Volk aufs Maul schauen.“
Wer sich heute auf den Weg hinauf zur Veste macht, findet natürlich nicht mehr alles wie zu Luthers Zeiten vor. Der früher kahle Festungsberg ist zum Englischen Landschaftsgarten umgestaltet. Und das Bergschloss der sächsischen Kurfürsten rüsteten ihre herzoglichen Nachfolger zur mit Bastionen bewehrten Landesfestung um. Mangels Finanzkraft und Interesse verfiel die Veste seit dem 18. Jahrhundert.
Für ihre Rettung sorgten ab 1838 die der Burgenromantik huldigenden, vom Architekten und Denkmalpfleger Carl Alexander Heideloff beratenen Herzöge Ernst I. und Ernst II. von Sachsen-Coburg und Gotha. Sie machten aus der vom Schriftsteller Gustav von Heeringen zur „Fränkischen Krone“ verklärten Veste ein neugotisch überformtes Monument ihrer ernestinischen Dynastie und nach dem Vorbild der Wartburg zu einer Luthergedenkstätte erster Ordnung.
Als der an der preußischen Hauptkadettenanstalt in Lichterfelde ausgebildete Carl Eduard 1905 die Regierungsgeschäfte übernahm, gab ein Geldgeschenk der Bevölkerung den Anstoß zur erneuten Sanierung und Umgestaltung der Veste. Die leitete der Burgenforscher und Architekt Bodo Ebhardt. Er beseitigte einen Großteil von Heideloffs neugotischer Bauzier und hatte keine Bedenken, mittelalterliche sowie frühneuzeitliche Bausubstanz zu vernichten und durch Wiederaufbauten in historischen Formen zu ersetzen. So gehen die an der Stelle der Burgkapelle errichtete Lutherkapelle und der mit Fachwerk ausgestattete Fürstenbau auf seine alt aussehenden Erneuerungsmaßnahmen zurück.
Im Fürstenbau beginnt der Rundgang durch die Dauerausstellungen und Jubiläumsschauen. Die erste Erwähnung der Veste findet sich in einer Streitschlichtungsurkunde von 1225. Damals standen auf dem Berg eine Burg und eine Propstei des Klosters Saalfeld. Bis heute ist der Burghof durch eine Mauer mit Rundbogentor zweigeteilt. Sonderausstellungen bieten Dokumente, Modelle, Pläne, Objekte und Kunstwerke auf, welche die Baugeschichte bis hin zur Beseitigung der im Zweiten Weltkrieg durch Artilleriebeschuss erlittenen Schäden veranschaulichen. Zudem erinnert sie an die Burgherren und ihre Gäste.
Queen Victorias Familienbesuch
Kurfürst Friedrich der Weise und sein Bruder Johann der Beständige sind mit erlesenen Porträts (um 1513) von der Hand Lucas Cranachs des Älteren vertreten. Auch ein Exemplar von Luthers „Sendbrief vom Dolmetschen“ ist zu sehen. Der protestantische Kurfürst Johann Friedrich der Großmütige erlitt 1547 in der Schlacht bei Mühlberg gegen die Truppen des katholischen Kaisers Karls V. eine Niederlage, woraufhin er seine Freiheit, die Kurwürde und die Hälfte seines Landes verlor. Ein Holzschnitt (nach 1552) zeigt seine Rückkehr aus der Gefangenschaft. Im Hintergrund erhebt sich die Veste Coburg.
Willkommener Gast der Fränkischen Krone war Prinzregent Albert, der Bruder Herzog Ernsts II. Er brachte seine Ehefrau Victoria mit, damals Königin von Großbritannien und Irland. Ihr gemeinsamer Sohn Alfred war der vorletzte Herzog von Sachsen-Coburg und Gotha. Auf ihn geht die erlesene Glassammlung der Veste zurück. Victorias Enkel Carl Eduard war der letzte Regent der Herzogtümer Coburg und Gotha. Er dankte 1918 ab, wohnte aber weiterhin im Fürstenbau der Veste. Dort empfing er 1922 Hitler, der mit seinen SA-Schlägern einen seinerzeit deutschlandweit in der Presse viel beachteten Marsch auf die Veste veranstaltete.
Der Kernbestand der prachtvollen Sammlungen geht auf die ernestinischen Kurfürsten und Herzöge zurück. In der Großen Hofstube, der Gedeckten Batterie und auf zwei Etagen des Herzoginbaus gibt es eine der europaweit bedeutendsten Kollektionen von Militär- und Jagdwaffen zu sehen. Im Untergeschoss des Herzoginbaus werden die beiden ältesten vollständig erhaltenen goldenen Hochzeitskutschen (1561 und 1586) Deutschlands präsentiert.
In der Steinernen Kemenate brilliert die altdeutsche Kunst. Mit zahlreichen Gemälden sind Lucas Cranach der Ältere und der Jüngere vertreten. Auf Grünewalds Gemälde des „Abendmahls“ (um 1500), bei dem Jesus seinem Verräter einen Bissen Lammbraten reicht, folgt Hans Baldung Griens Gemälde der „Gefangennahme Christi“ (um 1518), das den Moment des Judaskusses zeigt.
Auch die beiden 1530 von Luther bewohnten Zimmer befinden sich in der Steinernen Kemenate. Von der damaligen Ausstattung sind die Holzdecken und eine mit Schnitzwerk versehene Tür erhalten. Im zweiten Raum befinden sich Gemälde Georg Konrad Rothbarts, die Luther, seine Frau Katharina und weitere Persönlichkeiten der Reformation darstellen. Sie stammen aus Heideloffs 1844 eingerichtetem, aber von Ebhardt wieder aufgelösten „Reformatorenzimmer“.
Bestes Stück aber ist der „Hedwigsbecher“ (11. Jh.). Sein Name bezieht sich auf die heilige Hedwig von Schlesien, eine Tante der heiligen Elisabeth von Thüringen, aus deren Besitz er in die Wittenberger Heiltumssammlung Friedrichs des Weisen gelangte. Nach deren Auflösung hielt Luther den Hedwigsbecher in Ehren.
Bis zum 28. Juni läuft die Jubiläumsausstellung „Der Coburger Elektrowagen 1888 von Andreas Flocken“ und vom 22. Mai bis 20. September „Coburg | Gotha | 1826. Ein Herzog. Zwei Residenzen“. Internet:
veste.kunstsammlungen-coburg.de