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Einer, der sich schon frühzeitig ein eigenes Automobil leisten konnte: Auf dem Bild ist das Fahrzeug von Fleischermeister Nasner aus Aluwönen/Kirchspiel Aulenbach zu sehen, aufgenommen etwa im Jahr 1930
Bild: Unbekannt/Deutsches Automobil-Adressbuch 1909Einer, der sich schon frühzeitig ein eigenes Automobil leisten konnte: Auf dem Bild ist das Fahrzeug von Fleischermeister Nasner aus Aluwönen/Kirchspiel Aulenbach zu sehen, aufgenommen etwa im Jahr 1930

Beginn der Motorisierung

Als in Ostpreußen die ersten Autos fuhren

Nur Adelige und Reiche konnten sich ein Fahrzeug leisten – TU Braunschweig digitalisierte das „Deutsche Automobil-Adreßbuch 1909“

Bodo Bost
29.07.2026

In dem „Deutschen Automobil-Adreßbuch“ aus dem Jahr 1909 sind in Deutschland registrierte Kraftfahrzeughalter mit Namen, Wohnort und Beruf verzeichnet. Insgesamt waren damals rund 45.000 Kraftfahrzeuge – Autos, Lastwagen und Motorräder – registriert. 1.749 Fahrzeuge waren in Ostpreußen registriert, aber nur zehn davon in den beiden Kreisen des Memelgebiets.

Ein Blick in die Einträge zeigt: Ein eigenes Auto war 1909 ein Luxus, den sich nur wenige leisten konnten. Fahrzeughalter stammten überwiegend aus wohlhabenden gesellschaftlichen Gruppen wie Industriellen, Kaufleuten, Fabrikanten, Adligen und Großgrundbesitzern. Oft waren es Personen in leitenden Positionen großer Unternehmen. Tankstellen gab es noch keine, Kraftstoff gab es nur in Apotheken, deshalb befinden sich viele Apotheker unter den Fahrzeugbesitzern. 1909 gab es jedoch Verkaufsstellen für Benzin (ca. 2.500 in Deutschland), z. B. Geschäfte, die Kraftstoff in Kanister abfüllten.

Die frühe Motorisierung konzentrierte sich vor allem auf wirtschaftlich starke und urban-industrielle Regionen. Dazu gehörten die Großstädte Berlin, Hamburg und München, die Industriegebiete an der Ruhr, in Schlesien und Lothringen. Ein Auto war ein deutliches Statussymbol für wirtschaftlichen Erfolg und gesellschaftliche Stellung. Dagegen fehlten in den frühen Verzeichnissen Angaben zu Automarken oder Modellen. Sie dokumentieren primär die Halter, nicht die Fahrzeuge selbst. Mit dem Aufkommen des Automobils begann sich der öffentliche Raum grundlegend zu verändern. Straßen, die zuvor vor allem von Fußgängern, Fahrradfahrern und Pferdefuhrwerken genutzt wurden, mussten nun mit Motorfahrzeugen geteilt werden. Dies führte zu zahlreichen Konflikten und Unfällen.

Zeitgenössische Berichte aus der Presse schildern wiederholt gefährliche Situationen im Straßenverkehr, darunter Kollisionen mit Fußgängern oder Tieren, Beinahe-Unfälle mit Zügen oder Zusammenstöße mit Gebäuden. Besonders auffällig sind auch Berichte über Spannungen zwischen Autofahrern und der Bevölkerung. In einigen Fällen kam es zu Protesten oder tätlichen Auseinandersetzungen, wenn Fahrzeuge als zu schnell oder rücksichtslos wahrgenommen wurden.

In größeren Städten Europas zeigte sich, dass die Einführung des Automobils keineswegs reibungslos verlief. Lärm, Staub und steigende Unfallzahlen führten zu Kritik, während erste Verkehrsregeln, Kennzeichnungssysteme und Verwaltungsstrukturen entstanden. Trotz aller Probleme markierte das Automobil den Beginn einer tiefgreifenden gesellschaftlichen Veränderung. Das Auto entwickelte sich in kurzer Zeit zum Symbol der Moderne und veränderte dauerhaft Alltag, Stadtbild und Verkehrsordnung.

Der Beginn der Motorisierung in Ostpreußen setzte um die Wende zum 20. Jahrhundert ein, blieb jedoch zunächst ein auf kleine gesellschaftliche Gruppen beschränkter Prozess. Die ersten Automobile erschienen etwa zwischen 1900 und 1905 und waren nahezu ausschließlich im Besitz von Adligen, Großgrundbesitzern, höheren Verwaltungsbeamten sowie wohlhabenden Ärzten und Kaufleuten. Die geringe Zahl an Fahrzeugen war den unbefestigten Straßen außerhalb der Städte sowie dem Fehlen einer flächendeckenden technischen Infrastruktur – etwa Werkstätten oder Tankmöglichkeiten – geschuldet.

Erste Ansätze einer langsam wachsenden Motorisierung zeigten sich vor allem in den größeren Städten wie Königsberg. Dort kamen Autos häufiger zum Einsatz, insbesondere im Bereich der Verwaltung, bei Ärzten oder im militärischen Umfeld. Parallel dazu entstanden erste kleinere industrielle Entwicklungen im Bereich des Maschinenbaus und der Fahrzeugtechnik. Erst der Erste Weltkrieg führte zu einer stärkeren technischen Standardisierung und beschleunigte indirekt die weitere Motorisierung. Etwa die Hälfte aller im Jahr 1909 zugelassenen 1.750 Fahrzeuge in Ostpreußen fuhr damals in der Stadt Königsberg.

Im Memelgebiet waren 1909 nur zehn Fahrzeuge registriert, sechs im Kreis Memel und vier im Kreis Heydekrug. In Memel waren folgende namentlich genannten Personen im Besitz eines Fahrzeugs: Kurt Tomaschky, Kaufmann; Hugo Aepinus, Apotheker; Adam Joneleit, Mechaniker; Wilhelm Neuhaus, Kaufmann in der Moltkestrasse 14; der Kontrollbeamte Auksutat in der Hospitalstraße 4a und der Drogist Martin Pempe. In Heydekrug waren die Fahrzeugbesitzer: Dr. Rudolf Kuhnlein, praktischer Arzt; Martin Labuttis, Kaufmann; Franz Pickschneider, Hausbesitzer, und der Mechaniker Ernst Stantien.

Der Arbeit der Technischen Universität Braunschweig ist es zu verdanken, dass das mehr als 1.200 Seiten starke „Deutsche Automobil-Adreßbuch“ heute digital erfasst und durchsuchbar ist.


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