18.08.2026

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Er sollte seinen Hut nehmen: Hochgebildet, intelligent und doch ist Karl Lauterbach (SPD) nur ein Polit-Clown, der es aber versteht, dass einem das Lachen im Halse stecken bleibt.
Bild: picture alliance / Panama Pictures | Christoph HardtEr sollte seinen Hut nehmen: Hochgebildet, intelligent und doch ist Karl Lauterbach (SPD) nur ein Polit-Clown, der es aber versteht, dass einem das Lachen im Halse stecken bleibt.

Karl Lauterbach hat Recht:

„Auf solche Leute wie ihn können wir gern verzichten!“

Die Entgleisung des steuerfinanzierten Politikers ist unfassbar. Für alle, die er mit seinem Neid vergrault, gilt: Deutschland bildet aus und andere Länder ernten

Prof. Stefan Piasecki
29.07.2026

Hunderttausende Deutsche ziehen jedes Jahr fort, viele von ihnen jung und hochqualifiziert. Der frühere, gescheiterte Gesundheitsminister urteilt am 22. Juli auf X über Deutsche, die wegen hoher Abgaben oder schlechter Zukunftsaussichten ins Ausland gehen: „Auf diese Leute können wir verzichten, falls es sie überhaupt gibt.“ Der Satz ist bemerkenswert, weil die angeblich nicht existierenden Auswanderer amtlich zentral gezählt werden. Er verrät auch ein Staatsverständnis, das seine Bürger nicht mehr als Menschen mit berechtigten Erwartungen betrachtet, sondern als verfügbare Größe: Wer bleibt, soll zahlen; wer geht, war offenbar entbehrlich. Ist es die Aufgabe der Politik, Menschen zu verhöhnen statt zu fragen, warum ein alterndes Land seine Leistungsträger verliert?

2025 verließen 288.579 Deutsche das Land. Die wichtigsten Zielländer waren die Schweiz, Österreich und Spanien. Natürlich ist nicht jeder Fortzug endgültig. Manche studieren im Ausland, andere arbeiten einige Jahre für internationale Unternehmen oder kehren später mit Erfahrung und Kapital zurück. Dennoch zeigt sich ein klares Muster. Die Studie „The Global Lives of German Migrants“ beschreibt deutsche Auswanderer als überdurchschnittlich jung und hochqualifiziert. 63 Prozent waren zwischen 25 und 39 Jahre alt, mehr als drei Viertel verfügten über einen Hochschulabschluss. Selbst ein zeitweiliger Weggang bedeutet für Deutschland den Verlust von Arbeitskraft, Steueraufkommen und Innovationspotenzial.

Volkswirtschaftlich ist die Bilanz eindeutig. Deutschland finanziert Schulen, Ausbildungen und Hochschulen weitgehend aus Steuermitteln. Verlässt ein Arzt, Ingenieur, Informatiker oder Handwerker das Land dauerhaft, profitiert ein anderer Staat von einer Ausbildung, die deutsche Steuerzahler bezahlt haben. Für einen alternden Sozialstaat ist das ein schlechtes Geschäft, wenn gerade jene das Land verlassen, die künftig hohe Beiträge zahlen, Unternehmen gründen oder Fachkräfte ausbilden könnten. Jeder Arzt, jede Anästhesieschwester, jeder Facharbeiter und jeder Mechaniker, der dauerhaft geht, hinterlässt eine Lücke, die sich nicht durch eine abstrakte Zuwanderungszahl schließen lässt.

Warum die Schweiz gewinnt

Dass die Schweiz das wichtigste Zielland deutscher Auswanderer ist, überrascht kaum. Nach OECD-Berechnungen betrug die Belastung eines alleinstehenden Durchschnittsverdieners durch Einkommensteuer und Sozialabgaben 2025 in Deutschland 38,7 Prozent des Bruttolohns, in der Schweiz dagegen 18,1 Prozent. Hinzu kommen Standortfaktoren, die sich kaum statistisch erfassen lassen: eine leistungsfähigere Verwaltung, schnellere Genehmigungen, mehr Planungssicherheit und ein Staat, der Unternehmern häufiger als Partner begegnet statt als Antragstellern oder potenziellen Regelverletzern. Wer investieren oder ein Unternehmen gründen will, trifft dort oft auf Verwaltungen, die sich als Dienstleister verstehen. Das hebt die Lebenszufriedenheit. Denn wer sich ehrgeizig und ambitioniert hochgearbeitet hat, mag leistungsfeindliche Aussagen von ungelernten Politikern in Deutschland nicht wirklich ertragen. Reformunfähigkeit oder ideologische Politikideen kommen hinzu.

Deutschland diskutiert seit Jahren über Fachkräftemangel und behandelt dennoch unterschiedliche Formen der Migration, als wären sie wirtschaftlich nahezu austauschbar. Sind qualifizierte technische oder medizinische Stellen unbesetzt, folgt daraus nicht, dass jede Zuwanderung diesen Mangel behebt. Entscheidend sind Qualifikation, Sprachkenntnisse, Berufserfahrung, Anerkennung der Abschlüsse und die tatsächliche Nachfrage des Arbeitsmarktes. Diese Differenzierung nach Leistungsfähigkeit gilt schnell als menschenfeindlich. Eine Einwanderungspolitik, die aber nicht präzise zwischen Schutzgewährung, allgemeiner Migration und gezielter Fachkräftegewinnung unterscheidet, produziert falsche Erwartungen. Sie bringt gleichzeitig hohe Zuwanderung, wachsende Sozialausgaben, steigende Arbeitslosigkeit und unbesetzte Spezialistenstellen hervor. Das ist die Folge mangelnder Passgenauigkeit. Und es ist deutsche Realität.

Die Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt unterstreicht dieses Problem. Im Juni 2026 waren 2,936 Millionen Menschen arbeitslos, 22.000 mehr als ein Jahr zuvor. Gleichzeitig ging die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung zurück; im ersten Quartal lag die Zahl der Erwerbstätigen um 157.000 unter dem Vorjahreswert. Ein alterndes Land braucht qualifizierte Einwanderung, doch „mehr Zuwanderung“ ersetzt keine Arbeitsmarktpolitik. Wer Fachkräfte sucht, muss unideologisch auswählen, Abschlüsse prüfen, berufliche Integration organisieren und zugleich dafür sorgen, dass die bereits im Land ausgebildeten Bürger bleiben wollen. Es ist unverständlich, dass etwa Tausende gut qualifizierte Iraner teilweise trotz vorliegender Arbeitsplatzzusage fast ein Jahr auf die Bearbeitung ihrer Visa warten, während aus dem Iran stammende Afghanen, die sich als Asylsuchende auf den Weg machen, gleichzeitig Deutschland erreichen.

Seit 2015 wurden gelungene Ausbildungsbiografien von Asylsuchern in der Automobilindustrie häufig als Beispiel erfolgreicher Integration präsentiert. Viele dieser Geschichten verdienen Anerkennung. Doch ihre wirtschaftliche Grundlage bricht inzwischen weg. Ende 2025 beschäftigte die deutsche Automobilindustrie 48.700 Menschen weniger als ein Jahr zuvor. Bei den Zulieferern sank die Beschäftigung sogar um mehr als elf Prozent. Auch im übrigen produzierenden Gewerbe gingen Arbeitsplätze verloren.

Mit der Autoindustrie verschwinden nicht nur Stellen für Ingenieure, sondern vor allem Arbeitsplätze in der Produktion, Montage und Logistik – genau jene Berufe, die über Jahrzehnte Menschen mit fortberuflicher Ausbildung und ohne akademischen Abschluss lange einen sozialen Aufstieg ermöglichten. Wo sollen die Beschäftigten hin? Welche Perspektive haben Lehrlinge, die für praktische Berufe ausgebildet wurden, deren industrielle Basis erodiert?

Bislang fehlt darauf eine überzeugende Antwort. Deutschland behandelt Deindustrialisierung, Arbeitsmarkt, Entwicklungspolitik und Migration getrennt, obwohl sie längst zusammengehören. Sinnvoll wären Programme, die Strukturwandel, berufliche Neuqualifizierung, Existenzgründungen und – wo gewünscht – auch freiwillige Rückkehr mit Wiederaufbauperspektiven verbinden. Noch erzeugt jeder Anschein von Remigrationsprogrammatik Schockstarre und Gehirnfrost in Berlin. Dabei gibt es keine bessere Entwicklungs- und Aufbauhilfe als durch Menschen, die ihre Heimat kennen, neue Verfahren in Deutschland kennengelernt haben und nun mehrsprachig sind. Deutschland verwaltet Zuwanderung, Arbeitslosigkeit, Entwicklungshilfe und Deindustrialisierung in getrennten Ressorts, obwohl sie längst Teile derselben Herausforderung sind.

Die Hoffnung auf eine baldige Rückkehr großer Zahlen industrieller Arbeitsplätze ist wenig realistisch, solange Investitionen durch hohe Kosten, unsichere Energieversorgung, langsame Genehmigungen, hohe Steuern und regulatorische Risiken erschwert werden. Energie ist dabei nur ein Faktor. 2025 sank die Beschäftigung im produzierenden Gewerbe um 143.000 Personen; die Wertschöpfung des verarbeitenden Gewerbes ging im dritten Jahr in Folge zurück.

Warnsignale werden übersehen

Die politische Antwort auf diese Entwicklung besteht weniger in Reformen als moralischen Appellen. Wer das Land wegen hoher Belastungen, Bürokratie oder mangelnder Perspektiven verlässt, gilt schnell als jemand, der Deutschland schlechtredet oder seiner Verantwortung ausweicht. Damit werden Ursache und Wirkung verwechselt. Menschen gehen nicht, weil sie kritisieren. Sie kritisieren, weil sie über Jahre erleben, dass offensichtliche Probleme ungelöst bleiben.

Lauterbachs Satz erinnert deshalb an eine bemerkenswerte historische Parallele. Als im Herbst 1989 Tausende DDR-Bürger das Land verließen, erklärte am 2. Oktober das SED-Zentralorgan Neues Deutschland: „Wir weinen ihnen keine Träne nach.“ Die Bundesrepublik ist keine DDR. Vergleichbar ist trotzdem die Haltung: Statt nach den Gründen des Fortgehens zu fragen, erklärt man die Fortgehenden für verzichtbar. Ein Staat, der so auf den Verlust seiner Leistungsträger reagiert, übersieht das eigentliche Warnsignal. Aber es wird deutlich, warum es keine Rückkehrerprogramme, Willkommensmessen der IHKs oder Steueranreize gibt.

Deutschland kann auf schlechte Politik verzichten, auf unfähige Minister, deren Fehler und ständige Diskussionen über Brandmauern, hinter denen die realen Probleme des Landes verschwinden. Nicht aber auf Ärzte, Pflegekräfte, Handwerker, Ingenieure, Lehrer, Unternehmer und Techniker. Wer Fachkräfte aus aller Welt gewinnen will, sollte zuerst dafür sorgen, dass die eigenen bleiben. Dazu braucht es weniger Bürokratie, wettbewerbsfähige Steuern und Abgaben, eine funktionierende digitale Verwaltung, verlässliche Energie- und Standortpolitik und vor allem eine politische Kultur, die Leistung wieder als Stärke eines Gemeinwesens begreift – nicht als Selbstverständlichkeit.


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Kommentare

Peter Wendt am 04.08.26, 08:52 Uhr

Lauterbachs ursprüngliche Bestimmung war es auf den Hinterbänken des Bundestages zu versauern. Zu sehr graute es den Fraktionsoberen vor seiner Persönlichkeit und Kompetenz. Dann wurde er aus unbekanntem Grund nach oben gespült und richtete erheblichen Schaden an. Damit nicht genug, geht er der Mehrheit der Bevölkerung täglich auf die Nerven. Unausgegorenes, verrücktes manches an schizophrene Verhaltensmuster erinnernd. In der Tat hat man manchmal das Gefühl der Mann hört Stimmen und folgt nicht realen „Eingebungen“. Auch die Personalie Lauterbach zeigt wie stark das Leistungsprinzip in der deutschen Gesellschaft bereits untergraben wurde.

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