29.03.2026

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Clan-Kriminalität

Berlin droht offener Mafiakrieg

Nach dem Tod des „Paten“ Mehmet K. entbrennt der bewaffnete Kampf um dessen Nachfolge

Hermann Müller
12.02.2026

Schüsse aus fahrenden Autos und Anschläge auf Geschäfte gehören in Berlin mittlerweile zum kriminellen Alltag. Ermittler befürchten, dass die Sicherheitslage durch Clan-Kämpfe weiter eskalieren wird. Hintergrund ist der Tod des Geschäftsmanns Mehmet K. Der kurdische Clan-Boss ist nach schwerer Krankheit am 20. Januar gestorben.

Medien in der Hauptstadt zeichneten von ihm das Bild einer schillernden Schlüsselfigur zwischen legalem Geschäft mit zahlreichen Wettbüros, Gaststätten sowie Immobilien und dem kriminellen Milieu. Mitunter war auch ganz unverblümt von einem Clan-Paten die Rede: „Wenn ein Späti neben einem Wettbüro aufmachen wollte, dann ging nichts ohne ihn“, skizziert eine Reporterin von n-tv die Bedeutung des Verstorbenen.

Sicherheitskreise sahen „Kurden-Mehmet“, so einer der gebräuchlichen Spitznamen für den vor Jahrzehnten aus dem Südosten der Türkei eingewanderten Geschäftsmann, obendrein in der Rolle eines „Friedensrichters“ – also eines einflussreichen Vermittlers zwischen verschiedenen Clan-Gruppierungen.

„Schaulaufen“ der Verbrecherszene
Das Begräbnis von Mehmet K. glich nach Einschätzung des Sprechers der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Benjamin Jendro, einem „Schaulaufen der Organisierten Kriminalität“. Andere Beobachter fühlten sich angesichts der opulenten Trauerfeier an ein Staatsbegräbnis erinnert. Angereist waren rund tausend Trauergäste, darunter bekannte Mitglieder großer Clans wie der Familien Remmo, Al-Zein und Chahrour, sowie Vertreter aus dem Rockermilieu.

Berlins Polizei war mit hunderten Beamten im Einsatz. Aufgabe der Polizisten war es einerseits, den Verkehr zu regeln, da zahlreiche Luxuskarossen die Straßen um die Neuköllner Şehitlik-Moschee und vor dem muslimischen Friedhof blockierten. Zivilfahnder waren zudem im Einsatz, um gegebenenfalls direkt offene Haftbefehle vollstrecken zu können. Da die Beerdigung von Mehmet K. bei einem Teil der Berliner Halbwelt quasi als Pflichtveranstaltung galt, nutzte die Polizei die Gelegenheit zur Observation, um Netzwerke und aktuelle Allianzen aufzuklären: Welche Unterwelt- und Clangrößen sprechen miteinander, wer geht sich auf der Trauerfeier aus dem Weg?

Von der Polizei war die Beerdigung als Hochrisiko-Ereignis eingeordnet worden. Dies lag nicht nur an der Präsenz diverser Milieu-Größen. Bereits im Dezember schossen Unbekannte wohl als Drohung auf die Villa von K. in Berlin-Lichterfelde. Unbekannte feuerten dabei 20 Schüsse mit einer Neun-Millimeter-Waffe auf das Haus. Mehmet K. hatte daraufhin über die sozialen Medien eine Belohnung von einer halben Million Euro für Hinweise auf die Täter ausgesetzt. Schon diese Schüsse auf die Villa des kurdischen Paten wurden als Zeichen gewertet, wie brutal in Berlin mittlerweile die Machtkämpfe im Clan-Milieu geführt werden.

Polizeigewerkschafter Jendro warnt inzwischen, dass der Tod der Berliner Kiez-Größe zur weiteren Eskalation führt: „Durch den Tod ist ein neues Vakuum entstanden“, so der GdP-Gewerkschafter. Jendro weiter: „Wir sehen schon jetzt, dass rivalisierende Banden und Clans versuchen, Sachen auszuloten. Es gibt noch nicht den einen Protagonisten, von dem man sagt, der folgt auf jeden Fall. Das ist aber das, was gerade auf Berlins Straßen geklärt wird.“

Neue, besonders brutale Gangs
Nicht nur die etwa 15 bis 20 großen Clan-Gruppierungen, die laut aktuellen Lagebildern der Polizei in Berlin der Organisierten Kriminalität zugeordnet werden, stehen bereit, das Machtvakuum für sich zu nutzen, das der Tod von Mehmet K. hinterlassen hat. Schon seit 2024 beobachten Sicherheitsbehörden, wie junge und besonders brutale Mafiaguppen aus der Türkei die Berliner Unterwelt aufmischen. Eine dieser Banden nennt sich die „Daltons“. Die kurdisch-türkische Mafiagruppe hat sich mit extremer Brutalität über Griechenland und den Balkan bis nach Frankreich, Belgien und Holland ausgebreitet und anderen kriminellen Gruppen bereits erhebliche Anteile am Drogen- und Waffenhandel sowie an der Schutzgelderpressung abgenommen. In der Türkei gelten die „Daltons“, entstanden aus einer Istanbuler Straßengang, als „Mafia der neuen Generation“.

Inzwischen drängt diese hochgradig kriminelle Mafiagruppe auch verstärkt nach Deutschland. Eine Abspaltung der „Daltons“, auch bekannt als „Ezgins“, sehen Ermittler als treibende Kraft hinter der Welle von Schutzgelderpressungen, Anschlägen auf Geschäfte und den mittlerweile fast täglichen Schüssen auf Menschen in Berlin. Die „Ezgins“ gelten zudem als Urheber der Flut an scharfen Schusswaffen, die Ermittler seit Monaten in Berlins Halbwelt beobachten.


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