09.05.2026

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Mag es eiskalt: Als Vorsitzende der Konservativen Partei gab sich Kemi Badenoch bei den Kommunalwahlen am 7. Mai sehr volksnah
Bild: picture alliance/empics|Stefan RousseauMag es eiskalt: Als Vorsitzende der Konservativen Partei gab sich Kemi Badenoch bei den Kommunalwahlen am 7. Mai sehr volksnah

Es wird eng für die britischen Konservativen

Die letzte Hoffnung der Tories

Schwarz, IT-Ingenieurin, eloquent: Kemi Badenoch soll die traditionsreiche Partei retten

Claudia Hansen
09.05.2026

Die beiden alten Hauptparteien in Großbritannien stehen beide vor dem Abgrund. Sowohl die linke Labour Party von Premierminister Keir Starmer als auch die Konservativen, die „Tories“ genannt werden. Ihnen drohen nächste Woche bei den Kommunalwahlen in England sowie bei Regionalwahlen in Schottland und Wales desaströse Verluste. In nationalen Umfragen liegt die rechtspopulistische Partei „Reform UK“ vorne. In Schottland und Wales könnten am 7. Mai die Unabhängigkeitsparteien sehr stark werden.

Premierminister Starmer, ein kühler Jurist mit strengem Scheitel, kämpft seit Wochen gegen den Absturz an. Ihm hängt aber der Mandelson-Skandal wie eine schwere Last um den Hals. Peter Mandelson ist jener umstrittene Labour-Veteran, einst „Fürst der Finsternis“ genannt, den Starmer vor gut einem Jahr als Botschafter nach Washington entsandte. Diese Ernennung bereut er nun zutiefst. Er hatte damals nicht nur ignoriert, dass Mandelson eng mit dem verurteilten Sexualstraftäter Jeffrey Epstein befreundet war; offenbar unterhielt Mandelson über seine Beratungsfirma zudem anrüchige Verbindungen nach Russland. Der Mandelson-Skandal zieht den Premierminister nun immer weiter nach unten. Er beklagt seinen „großen Fehler“, schiebt die Schuld jedoch stets auf andere – auf Berater und Spitzenbeamte.

Die Opposition fordert lautstark den Rücktritt des Premiers, der sich verzweifelt an sein Amt klammert. Die Frage ist: Wie lange noch? Starmers Regierung versinkt im Chaos, und immer mehr Labour-Abgeordnete zeigen sich verzweifelt – zumal seine Bilanz auch in vielen anderen Bereichen wie Wirtschaft, Soziales, Asylpolitik und Wohnungsnot keineswegs berauschend ist.

Die Krise könnte zur großen Stunde einer Oppositionspolitikerin werden: Kemi Badenoch. Seit Wochen treibt die Vorsitzende der Konservativen den angeschlagenen Premier mit harten Angriffen im Parlament vor sich her.

Wie lange kann sich Starmer halten?

Badenoch hat dabei an politischer Statur gewonnen. Sie übernahm die Führung der Tories nach der katastrophalen Wahlniederlage 2024, bei der diese das schlechteste Ergebnis seit ihrer Gründung 1834 erzielten. Viele Beobachter sahen die einst stolze Partei bereits als politisch tot an, zumal sie von rechts vom Brexit-Politiker Nigel Farage und dessen Partei „Reform UK“ überholt wurde. Eine größere Zahl teils prominenter Ex-Tories ist zu Reform übergelaufen.

Doch Badenoch ist es gelungen, die Tories zumindest moralisch zu stabilisieren und wieder etwas aufzurichten. Die 46-Jährige, die IT-Ingenieurwesen studiert hat, gilt als hochintelligent. Badenoch, deren Eltern aus Nigeria stammen, ist mit einem Banker der Deutschen Bank verheiratet und hat drei Kinder. In den Jahren der Tory-Regierungen bekleidete sie verschiedene Ministerposten. Nach der Niederlage 2024 räumte sie Fehler der Partei unumwunden ein und hat sich in der schwierigen Lage Respekt erworben. Sie spricht klar, schnell und meist sehr direkt, gilt als angriffslustig und kämpferisch. Auch mit Kritik an den verkorksten vierzehn Tory-Regierungsjahren von 2010 bis 2024 spart sie nicht.

„Fight for the Right“

Dass ausgerechnet eine relativ junge, schwarze Frau der noch immer eher männlich, älter und weiß geprägten Conservative Party neues Leben einhauchen soll, hat viele überrascht. Badenoch ist jedoch für Klartext bekannt. Ein deutsches Publikum konnte das vor Kurzem erleben, als Mathias Döpfner, Vorstandsvorsitzender des Springer-Verlags, die Tory-Vorsitzende für seinen Podcast interviewte. Badenoch scheut keine heiklen Themen: Sie will die illegale Migration, die mit Kleinbooten über den Ärmelkanal kommt, stoppen und spricht auch offen über den Anteil, den die damalige deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel und deren Einwanderungspolitik am Ausgang des britischen Brexit-Votums im Juni 2016 hatten.

Die Politik im Vereinigten Königreich ist in den vergangenen zehn Jahren chaotischer und instabiler geworden. Bei den anstehenden Kommunalwahlen drohen die etablierten Parteien von Verlusten überrollt zu werden. Neben der rechten Reform-Partei von Farage sind auf der linken Seite derzeit vor allem die Grünen erfolgreich auf Stimmenfang.

Die große Frage ist, ob sich Starmer noch lange halten kann oder ob die Labour Party die Revolte wagt. Und ebenso: Wer hat rechts der Mitte die Nase vorn? Der Kampf ist in vollem Gange. Britische Medien sprechen von einem „Fight for the Right“. Badenoch oder Farage – das ist die Frage. Die Tory-Vorsitzende will sich als kritische, aber seriöse Alternative präsentieren. Eine „Brandmauer“ zwischen Konservativen und Rechten – wie in Deutschland – gibt es nicht. Man redet, diskutiert und streitet miteinander. Wer am Ende siegen wird, ist offen.


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