23.06.2026

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Es wird eng für die britischen Konservativen

Die letzte Hoffnung der Tories

Schwarz, IT-Ingenieurin, eloquent: Kemi Badenoch soll die traditionsreiche Partei retten

Claudia Hansen
09.05.2026

Die beiden alten Hauptparteien in Großbritannien stehen beide vor dem Abgrund. Sowohl die linke Labour Party von Premierminister Keir Starmer als auch die Konservativen, die „Tories“ genannt werden. Ihnen drohen nächste Woche bei den Kommunalwahlen in England sowie bei Regionalwahlen in Schottland und Wales desaströse Verluste. In nationalen Umfragen liegt die rechtspopulistische Partei „Reform UK“ vorne. In Schottland und Wales könnten am 7. Mai die Unabhängigkeitsparteien sehr stark werden.

Premierminister Starmer, ein kühler Jurist mit strengem Scheitel, kämpft seit Wochen gegen den Absturz an. Ihm hängt aber der Mandelson-Skandal wie eine schwere Last um den Hals. Peter Mandelson ist jener umstrittene Labour-Veteran, einst „Fürst der Finsternis“ genannt, den Starmer vor gut einem Jahr als Botschafter nach Washington entsandte. Diese Ernennung bereut er nun zutiefst. Er hatte damals nicht nur ignoriert, dass Mandelson eng mit dem verurteilten Sexualstraftäter Jeffrey Epstein befreundet war; offenbar unterhielt Mandelson über seine Beratungsfirma zudem anrüchige Verbindungen nach Russland. Der Mandelson-Skandal zieht den Premierminister nun immer weiter nach unten. Er beklagt seinen „großen Fehler“, schiebt die Schuld jedoch stets auf andere – auf Berater und Spitzenbeamte.

Die Opposition fordert lautstark den Rücktritt des Premiers, der sich verzweifelt an sein Amt klammert. Die Frage ist: Wie lange noch? Starmers Regierung versinkt im Chaos, und immer mehr Labour-Abgeordnete zeigen sich verzweifelt – zumal seine Bilanz auch in vielen anderen Bereichen wie Wirtschaft, Soziales, Asylpolitik und Wohnungsnot keineswegs berauschend ist.

Die Krise könnte zur großen Stunde einer Oppositionspolitikerin werden: Kemi Badenoch. Seit Wochen treibt die Vorsitzende der Konservativen den angeschlagenen Premier mit harten Angriffen im Parlament vor sich her.

Wie lange kann sich Starmer halten?

Badenoch hat dabei an politischer Statur gewonnen. Sie übernahm die Führung der Tories nach der katastrophalen Wahlniederlage 2024, bei der diese das schlechteste Ergebnis seit ihrer Gründung 1834 erzielten. Viele Beobachter sahen die einst stolze Partei bereits als politisch tot an, zumal sie von rechts vom Brexit-Politiker Nigel Farage und dessen Partei „Reform UK“ überholt wurde. Eine größere Zahl teils prominenter Ex-Tories ist zu Reform übergelaufen.

Doch Badenoch ist es gelungen, die Tories zumindest moralisch zu stabilisieren und wieder etwas aufzurichten. Die 46-Jährige, die IT-Ingenieurwesen studiert hat, gilt als hochintelligent. Badenoch, deren Eltern aus Nigeria stammen, ist mit einem Banker der Deutschen Bank verheiratet und hat drei Kinder. In den Jahren der Tory-Regierungen bekleidete sie verschiedene Ministerposten. Nach der Niederlage 2024 räumte sie Fehler der Partei unumwunden ein und hat sich in der schwierigen Lage Respekt erworben. Sie spricht klar, schnell und meist sehr direkt, gilt als angriffslustig und kämpferisch. Auch mit Kritik an den verkorksten vierzehn Tory-Regierungsjahren von 2010 bis 2024 spart sie nicht.

„Fight for the Right“

Dass ausgerechnet eine relativ junge, schwarze Frau der noch immer eher männlich, älter und weiß geprägten Conservative Party neues Leben einhauchen soll, hat viele überrascht. Badenoch ist jedoch für Klartext bekannt. Ein deutsches Publikum konnte das vor Kurzem erleben, als Mathias Döpfner, Vorstandsvorsitzender des Springer-Verlags, die Tory-Vorsitzende für seinen Podcast interviewte. Badenoch scheut keine heiklen Themen: Sie will die illegale Migration, die mit Kleinbooten über den Ärmelkanal kommt, stoppen und spricht auch offen über den Anteil, den die damalige deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel und deren Einwanderungspolitik am Ausgang des britischen Brexit-Votums im Juni 2016 hatten.

Die Politik im Vereinigten Königreich ist in den vergangenen zehn Jahren chaotischer und instabiler geworden. Bei den anstehenden Kommunalwahlen drohen die etablierten Parteien von Verlusten überrollt zu werden. Neben der rechten Reform-Partei von Farage sind auf der linken Seite derzeit vor allem die Grünen erfolgreich auf Stimmenfang.

Die große Frage ist, ob sich Starmer noch lange halten kann oder ob die Labour Party die Revolte wagt. Und ebenso: Wer hat rechts der Mitte die Nase vorn? Der Kampf ist in vollem Gange. Britische Medien sprechen von einem „Fight for the Right“. Badenoch oder Farage – das ist die Frage. Die Tory-Vorsitzende will sich als kritische, aber seriöse Alternative präsentieren. Eine „Brandmauer“ zwischen Konservativen und Rechten – wie in Deutschland – gibt es nicht. Man redet, diskutiert und streitet miteinander. Wer am Ende siegen wird, ist offen.


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Kommentare

Jan Kerzel am 18.05.26, 16:05 Uhr

Frau Badenoch ist ja nun ein sehr positives Beispiel für Integration und Migration. Das Bekenntnis zur britischen Nation ist ja wirklich da und auch gelebt. Was will man denn mehr? Man stelle sich vor, BK Merz wäre aus Togo , hätte seinen Weg als Jurist und Politiker gemacht und würde uns mit einer erfolgreichen Politik beglücken. Da würden doch alle auf den Tischen tanzen! Die Migration hat natürlich ihre Schattenseiten, aber das Potential darf man nicht übersehen. Unsere Regierung bekommt die Probleme nicht in den Griff und schafft dadurch eine ungute Gemengelage. Das ist sehr bedauerlich.

Peter Wendt am 13.05.26, 07:23 Uhr

Wer Unbehagen über eine Mitbürgerin mit afrikanischen Wurzeln äussert ist bereit ein Rassist? So kann man natürlich jede, auch dringend notwendige, Diskussion unterbinden. Ist jedoch erst der Diskurs tot, ist es die Demokratie auch. Die Menschen in Europa haben niemals der millionenfachen Migration nach Europa zugestimmt, noch wurden sie jemals gefragt. Andererseits: zu gross sind oft die kulturellen Unterschiede, die bedingungslose Einwanderung, auch die leistungslose Aufnahme in die Sozialsysteme haben zu vielen Ungerechtigkeiten gegenüber den „Indigenen“ Bevölkerungen geführt.
Die hohen Kriminalitätsraten sprechen gegen eine funktionierende Integration. Diese wird von vielen „Neubürgern“ zwischenzeitlich sogar massiv abgelehnt. Unsere durch den WEF geschulten linken Politiker haben dafür als Legitimation den Kolonialismus und die Sklavenhaltung des Westens erfunden. Leider ist auch dies nur eine Legende, da Kolonialismus und Sklaverei beileibe keine Erfindung des Westens sind. In Berlin wurde jüngst sogar eine Strasse nach einem Farbigen benannt, dessen Familie in Afrika von der Jagd auf Sklaven, also der Jagd auf die eigenen Landsleuten profitierte. Die Engländer werden die Konservativen wahrscheinlich für ihre fehlende Sensibilität mit dem Stimmzettel abstrafen.

Antonius Bernadus am 12.05.26, 18:32 Uhr

Immer mehr indigene Briten erkennen, dass außereuropäische Zuwanderer die Mutter der Probleme sind.

sitra achra am 12.05.26, 15:42 Uhr

@mimi scholl

Schon wieder so ein linker Troll, der sich hier mit einem Fakenamen produziert. Bleibt uns bloß von der Pelle und versauert in eurer armseligen Blase!
Von euch will keiner etwas wissen.
Übrigens ist der Ausdruck "afrikanische Dame" nicht rassistisch, drückt allerdings eine gewisse Distanz aus. Ich bezeichne solche Personen ungefiltert in bester deutscher Tradition als Neger. Aber deswegen fühle ich mich noch lange nicht als Rassist und ein solcher war ich nie und werde auch nie einer sein. Außerdem habe ich im Gegensatz zu ihnen tatsächlich ostpreußische Gr0ßeltern gehabt. Die hätten über Leute wie sie nur den Kopf geschüttelt.

Mimi Schill am 12.05.26, 10:53 Uhr

Die „afrikanische Dame“, wie ein Kommentar oder eine Kommentatorin schreibt, ist eine britische Staatsbürgerin. Die Vorurteile, die ich gegenüber dieser „Zeitung“ hatte, sind voll bestätigt worden. Rassismus darf hier ungestraft verbreitet werden. Meine ostpreußischen Großeltern würden sich im Grabe umdrehen. Schlimm, wenn man solche Leser hat.

Kersti Wolnow am 12.05.26, 07:00 Uhr

Ob sich ein Ur-Engländer mit der afrikanischen Dame identifizieren könnte? Wohl kaum.

sitra achra am 10.05.26, 16:13 Uhr

Als Eisverkäuferin könnte ich mir die Dame gut vorstellen, besonders wenn sie mit ihrer Mission scheitert. Das Eis ist jedenfalls lecker und vielleicht sogar bezahlbar.

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