Preußische Allgemeine Zeitung Zeitung für Deutschland · Das Ostpreußenblatt · Pommersche Zeitung
Doch es geht nicht nur um Raketen, Panzer und Kriegsschiffe, auch im Cyberbereich rüstet Peking in bedrohlichem Maße auf
Während Europas politische und mediale Aufmerksamkeit weiterhin vom russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine geprägt wird, entwickelt sich im Indopazifik eine sicherheitspolitische Veränderung von enormer Tragweite. Denn die Volksrepublik China treibt den Ausbau ihrer ohnehin schon mächtigen Streitkräfte mit extrem hohem Tempo permanent weiter voran und verändert damit zunehmend die strategischen Machtverhältnisse in Asien – sowie darüber hinaus.
Eine aktuelle Studie des australischen Lowy Institute warnt davor, die Dynamik dieser Entwicklung immer noch zu unterschätzen. Demnach verfolgt Peking das Ziel, Streitkräfte aufzubauen, die technologisch auf Augenhöhe mit den westlichen Militärmächten agieren, oder diese in einzelnen Bereichen sogar übertreffen können. Besonders deutlich wird dies in der Luftfahrt.
China gilt derzeit als das einzige Land, das neue schwere Langstreckenbomber entwickelt. Gleichzeitig laufen Vorbereitungen für die Serienproduktion moderner Kampfjets der fünften Generation, während bereits an Flugzeugen der sechsten Generation getestet wird. Parallel dazu verfügt die Volksrepublik über gewaltige industrielle Kapazitäten im Schiffbau, die jene der Vereinigten Staaten um ein Vielfaches übertreffen.
Massiver Ausbau bei der Anzahl von Mittelstreckenraketen
Die Grundlage dieser Modernisierung bildet eine kontinuierlich steigende Militärfinanzierung. Nachdem der Golfkrieg Anfang der 1990er-Jahre die technologischen Defizite der chinesischen Streitkräfte offengelegt hatte, begann Peking mit einem langfristigen Aufrüstungsprogramm. Offiziell belaufen sich die jährlichen Verteidigungsausgaben inzwischen auf mehr als 230 Milliarden US-Dollar. Rechnet man jedoch weitere militärrelevante Bereiche wie Forschung, Veteranenversorgung und militärnahe Organisationen hinzu, gehen westliche Experten von deutlich höheren Summen aus. Bis Mitte der 2030er-Jahre könnten die tatsächlichen Ausgaben nahezu die Marke von einer Billion US-Dollar jährlich erreichen.
Besonders dynamisch entwickelt sich Chinas Raketenarsenal. Innerhalb weniger Jahre hat das Land seine Fähigkeiten bei Mittelstreckenwaffen massiv ausgebaut. Militäranalysten erwarten, dass bis 2035 mehr als tausend Raketen mit Reichweiten von mehreren tausend Kilometern einsatzbereit sein könnten. Hinzu kommen moderne Systeme wie die DF-27, die weit über die unmittelbare Region hinausreichen.
Militärisches Wettrüsten und politische Einflussnahme
Auch auf See verfolgt Peking ehrgeizige Ziele. Mit der Indienststellung des Flugzeugträgers „Fujian“ Ende 2025 verfügt China mittlerweile über drei Trägerverbände. Ein weiterer, atomgetriebener Flugzeugträger befindet sich bereits im Bau. Nach Einschätzung des Pentagons könnte die chinesische Marine bis 2035 über bis zu neun Flugzeugträger verfügen und damit zur zweitgrößten Trägerflotte der Welt aufsteigen. Ergänzt werden soll diese Flotte durch zahlreiche neue Zerstörer, Korvetten und andere Überwasserschiffe. Gleichzeitig wächst die Bedeutung der chinesischen U-Boot-Flotte. Neue Produktionskapazitäten ermöglichen den Bau mehrerer atomgetriebener Angriffs-U-Boote pro Jahr. Diese könnten künftig mit modernen Marschflugkörpern oder Hyperschallwaffen ausgestattet werden und Chinas militärische Reichweite erheblich erweitern.
Doch Pekings Strategie beschränkt sich nicht auf neue Waffen. Seit Jahren bemüht sich die Führung um stärkeren politischen und militärischen Einfluss im Pazifik. Von besonderer Bedeutung ist dabei das Südchinesische Meer. Dort baut China seine Position durch künstlich aufgeschüttete Inseln und militärische Infrastruktur konsequent aus. Auf mehreren Riffen entstanden bereits Flugplätze und Stützpunkte. Neue Satellitenaufnahmen deuten darauf hin, dass dieser spektakuläre Ausbau weiter voranschreitet. Solche Vorposten verschieben die militärische Reichweite chinesischer Luft- und Seestreitkräfte erheblich.
Experten sehen die größte Herausforderung jedoch nicht ausschließlich in klassischen Militärsystemen. China investiert massiv in Cyberfähigkeiten, elektronische Kriegsführung und die Kontrolle kritischer Infrastruktur. Dazu gehören auch mögliche Angriffe auf Unterseekabel, über die ein Großteil des weltweiten Datenverkehrs abgewickelt wird. Diese Verwundbarkeit betrifft nicht nur den Pazifikraum, sondern ebenso Europa, wo Sabotageakte gegen Energie- und Kommunikationsinfrastruktur in den vergangenen Jahren die Aufmerksamkeit auf entsprechende Risiken gelenkt haben.
Strategische Balance droht aus dem Gleichgewicht zu geraten
Darüber hinaus entwickelt sich die Rivalität zwischen China und den USA zunehmend zu einem Wettlauf um Schlüsseltechnologien. Künstliche Intelligenz, Halbleiter und digitale Infrastruktur gelten als entscheidende Faktoren künftiger wirtschaftlicher und militärischer Macht. Nach Einschätzung des Lowy Institute hat Chinas Aufrüstung bereits heute die strategische Balance im Indopazifik verändert. Die zentrale Botschaft der Studie lautet daher: Militärische Fähigkeiten entstehen über Jahrzehnte. Gerade weil der Blick Europas derzeit vor allem auf die Ukraine gerichtet ist, vollzieht sich Chinas historischer militärischer Aufstieg weitgehend außerhalb der öffentlichen Wahrnehmung – mit möglichen Folgen für die globale Sicherheitsordnung.