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In einem Stettiner Hinterhof verbirgt sich ein Stück Industriegeschichte der Firma Emil Kirst
Vor einem Monat veranstaltete das Stettiner Museum für Technik und Verkehr einen Multimedia-Vortrag zur Stettiner Backofen- und Maschinenfabrik Emil Kirst. Das Unternehmen verdient gleich aus zwei Gründen Beachtung: wegen seiner Firmengeschichte als europäischer Nischenmarktführer und wegen seines Betriebsgeländes in Stettin.
Die 1894 von Emil Kirst gegründete Firma galt im 20. Jahrhundert als Spezialist für den Bau von Backöfen und Teigknetmaschinen, die nicht nur in Europa bekannt war. Auch bis nach Afrika wurde geliefert. Das bezeugten zahlreiche Referenzen, beispielsweise von der Dampfbäckerei- und Konditorei Gustav Grützner in Swakopmund im ehemaligen Deutsch-Südwestafrika.
Zu Kirsts Spezialitäten zählte der Dampfbackofen, der zu jener Zeit als Ofen der Zukunft galt. Dieser wurde Kunden der Firma in gewünschter Ausführung und Größe, auf Wunsch auch mit der Sparfeuerung „Pionier“, und mit den dazugehörenden Rosten und Kuchenformen geliefert. Ergänzt wurde die Produktpalette durch die Teigknetmaschinen „Sedina“, benannt nach Stettins Stadtpatronin, und „Rotafix“.
Die Firma setzte allerdings nicht nur auf Backöfen oder Knetmaschinen, sondern als Maschinenbauer auch auf das Kraftfahrzeug als Transportmittel. Neben dem Vertrieb der Marken Presto, Dux, Magirus, Vomag und Neve-Ilo – alle vom Deutschen Automobil-Konzern (DAK) in Leipzig – wurden auch Reparaturen an Pkw-Fabrikaten vorgenommen.
Erwähnenswert: Unternehmer Kirst war auch an der Firma „Emil Kirst & Fischer“ in Weißenfels bei Leipzig beteiligt. Das wohl von Alexander Fischer geführte Unternehmen hielt Ende des 19. Jahrhunderts verschiedene Patente im Maschinen- und Werkzeugbau für Brauereien.
Doch zurück zu Kirsts Stettiner Unternehmung: Nach dem Kauf des Mietshauses Turnerstraße 34 soll das neue Werksgelände dahinter 1912 in zwei Jahren Bauzeit fertiggestellt worden sein. Von der ansteigenden Turnerstraße erreichte man über eine Durchfahrt zunächst das Mietshaus samt Innenhof und dann nach einer zweiten Durchfahrt die Fabrik mit dem Tor.
Was wurde aus der Firma Emil Kirst? Sie hat den Zweiten Weltkrieg zunächst überlebt. Wie ein Belegungsplan von Block 32 der Kasernenanlage Delmenhorst nach 1945 ausweist, siedelte sich hier – neben der Stettiner Herrenbekleidungsfirma Thies & Saatzen – in der Lange Straße 78 auch die Firma Emil Kirst neu an. Doch dann verliert sich die Spur.
o Unsere Bitte an Sie, liebe Leser: Wer kann Hinweise geben, wie es mit der Stettiner Firma Emil Kirst weiterging? Über Informationen würden wir uns in der Redaktion sehr freuen. Dann ließe sich diese interessante Firmengeschichte abschließen.