11.06.2026

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Der Wochenrückblick

Die große Toleranz-Lüge

Wie linke Kulturkämpfer das Volk hinters Licht führen wollen, und womit sie sich verraten haben

Hans Heckel
16.05.2026

Oh nein! Nicht schon wieder „Zeitenwende“. Kann keiner mehr hören. Denn wenn sie mal wieder angekündigt wird, ist das meist sowieso nur heiße Luft, und die großspurig versprochene „Wende“ findet gar nicht statt. Politiker reden eben gern pompös. Selbst dann, wenn sie selber ahnen, dass sie außer hohlem Getöse sowieso nichts auf die Kette kriegen.

Es kann aber auch passieren, dass tatsächlich mal so eine Wende geschieht, und wichtige Politiker bekommen das gar nicht mit. Etwa, weil sich der Wechsel der Zeiten eher still und schrittweise vollzogen hat, ohne einen hörbaren Knall auszusenden. Genau das ist in der Migrationsdebatte geschehen, doch Bärbel Bas hat's nicht gemerkt.

Also hat sie sich einen Klopfer erlaubt, über den die Leute sogar in der SPD den Kopf schütteln. Also zumindest an der Basis, bei den roten Bürgermeistern und so. „Niemand wandert in unsere Sozialsysteme ein“, hat die SPD-Co-Chefin eine AfD-Frage gekontert, als ein frecher Blauer von ihr wissen wollte: „Warum sparen Sie nicht bei der Einwanderung in die Sozialsysteme?“

Früher wäre Bas damit als strahlender moralischer Sieger aus dem Zank hervorgegangen: Ha, ha! Da hat sie's dem Rassisten aber gezeigt! Heerscharen von „Experten“ wären der Genossin Bas sofort beigesprungen mit allerhand herbeigeschraubten Argumenten, während der AfDler wegen seiner Frage als „Schande für Deutschland“ in der Ecke gestanden hätte. Aber so einfach läuft das plötzlich nicht mehr, da hat sich was gedreht, und zwar gründlich. Die Überlastung des Sozialsystems durch Einwanderer ist heute etwas, das jeder benennen darf.

Völlig baff von der Art und dem Ausmaß, wie plötzlich überall die Wahrheit gesagt wird, fuchtelte Bas verbal herum – und machte damit alles noch schlimmer. Sie habe ja nur von „Fachkräften“ gesprochen, stammelte sie. Ach du meine Güte! Allein das Wort „Fachkräfte“ löst bestenfalls noch Gelächter aus, nachdem es seit 2015 zur Lieblings-Nebelkerze der Asyllobby verkommen war. Bei weniger humorigen Zeitgenossen führt es zu ähnlichen Reaktion wie „Unsere-Demokratie“, die stets herhalten muss, wenn es darum geht, mehr Meldestellen gegen Bürger oder mehr Schikanen gegen die größte Oppositionspartei und unvorsichtige Internet-Poster zu rechtfertigen. Kurz: Sie steht für undemokratische Übergriffigkeit. Und selbst, wenn man Bas' Ausflucht ernst nimmt: Niemand, auch der AfDler nicht, hat behauptet, dass syrische Chefärzte oder Software-Entwickler die Flure unserer Sozialämter fluten.

An dem Rabatz über die Antwort der SPD-Arbeitsministerin können wir erkennen, dass sich doch mal etwas getan hat in Richtung Realitätssinn. Die Zeiten ändern sich, seit die Deutschen nicht nur ahnen, sondern sehen und spüren, wie die Großzügigkeit der Regierenden die Taschen der Bürger leert und das „Stadtbild“ verändert.

Einiges, was eben noch als Lüge vom Tisch gewischt wurde, erweist sich mit einem Mal als beklemmend wahr. Das gilt nicht nur für die Zuwanderungspolitik. Eine weitere späte Erleuchtung dieser Art haben uns die Berliner Jusos beschert. Die „Ehe für alle“ haben liberale Geister seinerzeit als glücklichen Schlusspunkt der Emanzipationsgeschichte gefeiert. Einst galten alle Lebensgemeinschaften jenseits der klassischen Ehe als anrüchig. Wer ohne Trauschein verpartnert war, führte eine „wilde Ehe“, lebte in Sünde – von gleichgeschlechtlichen Partnerschaften ganz zu schweigen. Das war nun ausgestanden. Mit der „Ehe für alle“ sollten alle gleichermaßen glücklich und anerkannt leben können.

Bis zum offenen Rassismus

Nur ganz furchtbar Konservative äußerten damals schon einen dunklen Verdacht, nämlich: Den „Progressiven“ gehe es gar nicht um Gleichberechtigung, sondern darum, die klassische Ehe abzuschaffen. Die „Ehe für alle“ sei da nur eine Etappe auf dem Weg zu diesem Endziel.

Was für ein paranoider Quatsch, spotteten wir damals, bis uns der Berliner Landesverband der SPD-Jugend nun den Kopf gewaschen hat. Sie wollen die Ehe tatsächlich abschaffen. Allen Ernstes. Was kommt als nächstes? Vielleicht die Abschaffung von Familie und fürsorglicher Elternschaft? Vielen Linken ist es ein Dorn im Auge, dass manche Kinder von ihren Eltern besser gefördert werden als andere. Das zementiere Ungleichheit. Daher trachten sie schon seit Längerem danach, die Erziehung möglichst weitgehend in staatliche Hände zu übertragen, wo dann für Gleichheit gesorgt werden könne.

Wäre es da nicht der logische Endpunkt des „Fortschritts“, wenn die Kleinen gleich nach der Geburt von den Eltern getrennt und dem Staat übergeben werden? Ein Gedanke, der schaudern lässt. Aber nach der Attacke auf die Ehe sollten wir auf alles gefasst sein. Auch das, was uns heute noch als völlig übertrieben, ja aberwitzig erscheint, kann morgen schon im Forderungskatalog sozialistischer Parteigliederungen aufscheinen.

Zumal sich hier ein Muster abzeichnet, wie linke Bewegungen vorgehen: Zuerst reden sie immer nur von Toleranz gegenüber „Anderem“ und „Neuem“, am Ende aber geht es stramm gegen das Eigene und Tradierte. Das könne die Ehe oder Traditionen wie christliche Feiertage sein.

Der Kampf gegen das Eigene kann sogar in blanken Rassismus kippen. Auf dem Höhepunkt des „Black Lives Matter“-Furors tauchten 2020 an verschiedenen Stellen in ganz Europa Banner mit der Parole „All Lives Matter“ oder auch „White Lives Matter“ auf, sollte heißen: Nicht nur schwarze Leben zählen, sondern alle, auch weiße.

Ist das nicht selbstverständlich? Von wegen: Die Banner wurden als Ausbund von weißem Rassismus verurteilt. Aber ging es der Anti-Rassismus-Bewegung nicht immer genau darum, dass menschliches Leben unabhängig von der Hautfarbe gleich viel zählt? Ob weiß oder schwarz oder wie auch immer?

Ja, so hatten wir das verstanden, aber so war das von gewissen Protagonisten offenbar nicht gemeint. Sie wollen nur, dass die üble Geringschätzung von Schwarzen, die jahrhundertelang grassierte, durch die Geringschätzung von Weißen abgelöst wird. So wie offenbar die Toleranz der Anhänger der klassischen Ehe gegenüber anderen Lebensgemeinschaften nur das Terrain bereiten sollte, um der traditionellen Zweier-Partnerschaft den Boden wegzuziehen.

Jenen Linken geht es nicht um Toleranz, sie führen einen Kulturkampf unter falscher Flagge. Da ist es erfreulich, dass die Berliner Jusos nun ihr wahres Gesicht gezeigt haben. Höchstwahrscheinlich haben sie ihrer schrägen Sache damit einen Bärendienst erwiesen. An Bärbel Bas können sie studieren, was einem widerfahren kann, wenn der Wind sich dreht. Auf das falsche Toleranzgerede der „Progressiven“ fallen jedenfalls nicht mehr so viele herein, wenn sie wissen, was die Genossen wirklich im Schilde führen. Durch die offene Attacke auf die Ehe wird es linken Gesellschaftsingenieuren schwerer fallen, ihre wahren Absichten zu verbergen.


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Kommentare

Kersti Wolnow am 27.05.26, 07:12 Uhr

Die Oktoberrevolution wurde von bestimmten Kreisen finanziert, organisiert und durchgeführt. Jakob Schiff finanzierte sie seit 1882, andere folgten. 1917 war es geschafft, der Zar umgebracht, eine 3. Monarchie erledigt. Was dann kam, war der Kampf gegen die Familie (Frauenarbeit, Scheidungs- und Abtreibungsrecht), gegen die Kirche und gegen die Völker (Vermischung durch Russifizierung). allen wurde eine neue Kultur aufgepfropft, die sowjetische. Hat sich an dieser Agenda irgendetwas geändert?

Jan Kerzel am 24.05.26, 12:28 Uhr

Klare Sache. Die CDU regiert seit 20 Jahren und die Linken sind schuld. Das muss man erstmal zusammenkriegen. Die Jusos zeigen nun sogar ihr wahres Gesicht, bis jetzt haben sie sich erfolgreich versteckt. Soweit ist es gekommen, keine Tarnung mehr nötig, der Untergang kann beginnen. Das ist echte Satire. War sehr amüsiert.

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