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In Frankreich und England ist schon lange von einer „Islamo-Linken“ die Rede, doch auch hierzulande gibt es Berührungspunkte zwischen radikalen Muslimen und besonders der SPD
In der Berliner Imam-Riza-Moschee wurde der iranische Revolutionsführer Ali Khamenei am vorvorigen Sonntag als „Märtyrer“ betrauert. Etwa hundert Gläubige, vor allem türkische Schiiten, versammelten sich, um des im neuen Irankrieg getöteten Geistlichen Obersten Führers der Islamischen Republik zu gedenken. Die Moschee gilt als kleiner iranischer Außenposten und Anlaufstelle radikaler schiitischer Muslime in Berlin-Neukölln.
Auch in anderen Berliner Stadtteilen mit sehr hohem Migrantenanteil sieht man vollbärtige Muslime in Kaftanen und tief-schwarz verschleierte Frauen auf den Straßen. An Schulen berichten Lehrer vom vehementen Druck auf Schülerinnen, ein Kopftuch zu tragen. Auch nicht-muslimische Schüler sollen sogar genötigt werden, im Ramadan zu fasten. Juden wird geraten, nicht mit Kippa öffentlich aufzufallen, sonst wird es gefährlich. Bei den vielen propalästinensischen Demonstrationen wegen des Gazakriegs seit 2023 schritten oft Vertreter der Linkspartei und radikale Muslime Seite an Seite.
Die deutsche Hauptstadt hat ein Islamisten-Problem. Schiitische Muslime sind dabei eher eine Minderheit. Weitaus mächtiger und einflussreicher sind sunnitische Verbände. Darunter gibt es etliche, die der Muslimbruderschaft, dem wohl stärksten Arm des legalistischen politischen Islam in Europa, nahestehen. Etwa 1.500 Mitglieder hat sie in Deutschland. Diese versuchen, Institutionen und Parteien zu unterwandern. Doch wer das Problem anspricht, dem schallt oft ein „Islamophobie“-Vorwurf entgegen.
So ist es dem langjährigen Bezirksbürgermeister von Neukölln, dem SPD-Politiker Martin Hikel ergangen. Weil der Zwei-Meter-Mann entschieden gegen Islamismus kämpfe, feindeten ihn die Jusos als islamfeindlich an. Sie warfen ihm vor, er wolle Migranten stigmatisieren, weil er Integrationsprobleme kritisierte. Bei einer SPD-Versammlung bekam Hikel dann auch ein schlechtes Wahlergebnis serviert. Entnervt hat er nun seinen Rückzug als Bezirksbürgermeister angekündigt.
Der SPD-Kreisparteitag habe ihm „gezeigt, wie tief der legalistische Islamismus längst in die Diskurse der Berliner SPD hineinwirkt“, sagt Hikel heute. Zuvor hatte die Neuköllner Integrationsbeauftragte Güner Balci beklagt, „Islamisten und Aktivisten haben auch Teile der Politik und auch der SPD und der Verwaltung unterwandert“ – womit sie wütende Reaktionen auslöste.
Auf muslimischem Stimmenfang
Die Verbindungen zwischen linken und islamischen Aktivisten sind aber deutlich. Das Magazin „Cicero“ spricht in der aktuellen Titelgeschichte von einer „Gefährlichen Liebschaft“. Als eine prominente Figur nennt das Magazin Raed Saleh, den SPD-Fraktionsvorsitzenden im Abgeordnetenhaus. Der zeige wenig Berührungsängste gegenüber dem politischen Islam. Immer wieder ließ er sich mit Akteuren des politisch-islamischen Milieus fotografieren, etwa mit Ferid Heider, Vorstand der Spandauer Teiba-Moschee, die der Verfassungsschutz wegen Verbindungen zur Muslimbruderschaft im Visier hatte. Saleh weist Vorwürfe einer Islamistennähe als „abwegig“ zurück. Aber die SPD hilft Teiba e.V. aktiv dabei, ein großes Islamzentrum zu bauen. Der Verein hat schon ein Grundstück erworben und sammelt eifrig Spenden.
Der Investigativjournalist Sascha Adamek, Autor des Buchs „Unterwanderung. Der politische Islam weiter auf dem Vormarsch“, das dieser Tage erscheint, hat recherchiert, wie es Islamisten gelang, in der Berliner SPD Einfluss zu gewinnen. Dabei spielten zwei SPD-Politikerinnen eine zentrale Rolle: Sawsan Chebli, eine ehemalige Staatssekretärin mit palästinensischen Wurzeln, und Lydia Nofal, eine deutsch-islamische Konvertitin. „Der massive Einflussgewinn des ideologischen Umfelds der Muslimbrüder in Berlin“, sagt Adamek, „ist ohne das Wirken dieser beiden Personen kaum erklärbar.“
Chebli konnte als erste Chefin der Stelle für interkulturelle Angelegenheiten der Senatsverwaltung für Inneres reichlich Fördergelder austeilen. Nofal leitete den Verein Inssan, der sich an der Muslimbruderschaft-Ideologie orientierte. Inssan erhielt in den Jahren 2010 und 2020 allein für sein Projekt „Netzwerk gegen Diskriminierung und Islamfeindlichkeit“ 589.922 Euro Förderung aus dem umstrittenen Berliner Landesprogramm „Demokratie. Vielfalt. Respekt“.
Dass Politiker der SPD, der Grünen aber auch der CDU bei muslimischen Verbänden auftauchen, die einen radikalen Ruf besitzen, ist keine Seltenheit. Oft geht es einfach nur darum, Wählerstimmen zu gewinnen. Vor einem Jahr etwa erschien fast die halbe Bremer SPD-Fraktion beim Ramadan-Fastenbrechen, das die türkisch-islamische Organisation Milli Görüs organisiert hatte. In Hamburg nahm der Bürgerschafts-Abgeordneten Ali Kazanci am Silvesterabend 2025 an einer Feier der Vahdet-Moschee teil, bei der die „Eroberung von Mekka“ gefeiert wurde. Die Moschee gilt als Anlaufpunkt radikaler Prediger. Kazanci entschuldigte sich anschließend für seinen „Fehler“.
Kein rein deutsches Phänomen
In Frankreich ist die Nähe der politischen Linken zu extremistischen islamischen Gruppen seit Langem ein Thema. Schon vor zwei Jahrzehnten prägte der Philosoph Pierre-André Taguieff dafür den Begriff „Islamo-Gauchisme“ (Islam-Linke). Besonders an den Universitäten gibt es linke „anti-kolonialistische“ Strömungen, die sich mit radikalen Muslimen in ihrer Ablehnung der westlichen „kolonialistischen“ Politik der USA und Israels treffen. Der gemeinsame Feind verbindet diese zweifelhaften Strömungen.
Die Linkspartei LFI von Jean-Luc Mélenchon wirbt sehr intensiv um die Stimmen der Millionen Muslime in den Banlieue-Vorstädten. Auch nach dem 7. Oktober 2023 gab es Stimmen in der LFI, die den „Widerstand“ der Hamas im Gazastreifen feierten. „Islamo-Linke“ ist inzwischen ein stehender Begriff in der politischen Debatte in Frankreich, das seit Jahren immer wieder von islamistischen Attentaten erschüttert wird. Nach der Ermordung des Lehrers Samuel Pati im Oktober 2020 ordnete Unterrichtsministerin Frédérique Vidal eine Untersuchung des „Islamo-Gauchisme“ an.
Auch in England ist eine Zusammenarbeit zwischen dem radikalen linken Rand und islamischen Gruppen sichtbar. Dort versuchte lange Jahre die Socialist Workers Party (SWP), mit „Antikriegsprotesten“ Stimmen von Muslimen zu gewinnen. Das Buch „The Prophet and the Proletariat“ (Der Prophet und das Proletariat“) des SWP-Zentralkomiteemitglieds Chris Harman beschrieb bewundernd den muslimischen „Klassenkampf“ gegen den „Imperialismus“. Sein Buch beeinflusste den linksradikalen George Galloway und den späteren Labour-Vorsitzenden Jeremy Corbyn.
In jüngerer Zeit ist zu beobachten, wie islamische Kräfte verstärkt bei den englischen Grünen andocken. Bei der Nachwahl Ende Februar in einem Wahlkreis im Großraum Manchester, in dem etwa dreißig Prozent muslimischer Bevölkerung lebt, gewannen die Grünen den Sitz damit, dass sie Flugblätter und Videos auf Urdu an pakistanischstämmige Wähler verbreiteten. Der Grünen-Vizevorsitzende Ali Mothin feierte vor zwei Jahren seine Wahl in den Stadtrat von Leeds mit „Allahu Akhbar“-Rufen. Mothins Frau trägt eine Burka. Am vorvergangenen Wochenende tauchte der Grünen-Politiker bei einer Demonstration von Anhängern des iranischen Regimes in London auf, die dabei „Tod dem Zionismus“ skandierten. Später rechtfertigte sich Mothin lapidar, er habe doch nur an einer Antikriegskundgebung teilgenommen.
Linke Intellektuelle unterstützten offen die islamische Revolution
Sartre und Foucault waren Fans vom Ajatollah Khomeini –
Sie sahen ideologische Parallelen zwischen Sozialismus und Islamismus
In den wenigen Monaten seines Pariser Exils 1978/1979 gelang es Ajatollah Ruhollah Khomeini, die Sympathien der internationalen progressiven Presse zu gewinnen. Der Mann, der dann zum Gesicht der Islamischen Revolution wurde, verstand es geschickt, sich als weiser Führer eines künftig angeblich freien Iran zu präsentieren, sobald der Schah gestürzt werde. Ihm flogen die Sympathien vieler linker Intellektueller zu.
Jean-Paul Sartre, der französische Großphilosoph, bewunderte Khomeini und unterstützte ihn. Sartre glaubte, eine Synthese aus modernem Sozialismus und Islam sei denkbar. Eine solche Synthese vertrat Ali Schariati, ein wichtiger Vordenker von Khomeinis Revolution. Angeblich stünde der schiitische Islam für soziale Gerechtigkeit, Anti-Kolonialismus und eine klassenlose Gesellschaft, so führte er aus.
Ein solcher Islam könne eine Befreiungsideologie werden, glaubten nicht wenige linke europäische Intellektuellen. Der atheistische Sartre hielt große Stücke auf Schariati: „Ich habe keine Religion, aber wenn ich mich für eine entscheiden müsste, wäre es Schariatis.“ Die iranischen Mullahs als „anti-koloniale“, „anti-imperialistische“ Bewegung, die sich für die vom Westen und von den USA Unterdrückten einsetze, imponierten vielen linken Intellektuellen. Auch Sartres Partnerin Simone de Beauvoir, die Vordenkerin des Feminismus, drückte der Revolution die Daumen. Dass im Iran der Islamischen Republik die Frauen brutal unterdrückt würden, wollte sie hingegen nicht sehen.
Auch Michel Foucault, der Pionier der Diskursanalyse, der bis heute die linken Universitätsmilieus prägt, war ein Fan von Khomeini. 1978 bereiste er als Sonderkorrespondent der italienischen Zeitung „Corriere della Sera“ und des französischen „Nouvel Observateur“ den Iran und schrieb eine Serie, in der er seiner Bewunderung für den Traum einer islamischen Regierung als neuer Utopie freien Lauf ließ. Es war eine bizarre ideologische Verbindung: Der homosexuelle Philosoph, der für Frauenrechte nicht viel übrig hatte, meinte, der Islam toleriere homosexuelle pädophile Kontakte. Auch als das iranische Regime nach der Revolution Homosexuelle hinrichten ließ, blieb Foucault bei seiner Khomeini-Bewunderung. Er distanzierte sich nie von der Islamischen Revolution.
Ideologischen Schnittmengen zwischen marxistischen Linken und dem Islam haben auch andere betont. Für sie bildeten islamische Gruppen in der „Dritten Welt“ das revolutionäre Ersatz-Proletariat. In England veröffentlichte 1994 der trotzkistische Autor Chris Harman das Buch „The Prophet and the Proletariat“. Darin betont er, der Prophet Mohammed habe eine frühe anti-kapitalistische, kollektivistische Bewegung angeführt. Mohammed verbot Zinsnehmen, für Marxisten der Kern des Kapitalismus. Harmans linke Devise: Sie könne Islamisten unterstützen, wo sie sich gegen den Imperialismus und Kapitalismus richteten, sollte allerdings Frauen- und Minderheitenrechte verteidigen. Schnittmengen zwischen islamistischen und linken Diskursen gibt es bis heute. So ist die islamistische Klage über eine liberal-westliche Wertehegemonie anschlussfähig an linke „anti-koloniale“ Theorien. Muslime in westlichen Ländern können sich als Unterdrückte und Diskriminierte gerieren, dies ist anschlussfähig an den „Antidiskriminierungsdiskurs“ progressiver Kreise.