11.03.2026

Preußische Allgemeine Zeitung Zeitung für Deutschland · Das Ostpreußenblatt · Pommersche Zeitung

Suchen und finden
Läuft nicht: Innen- und wirtschaftspolitisch bläst Trump eisiger Wind entgegen. Immer öfter vergaloppiert er sich. Wie bei den Pharmapreisen, die er über 1.500 Prozent gesenkt haben will. Bedeutet: Man bekäme Geld beim Kauf von Präparaten zurück
picture alliance/AdMedia | CNP/AdmediaLäuft nicht: Innen- und wirtschaftspolitisch bläst Trump eisiger Wind entgegen. Immer öfter vergaloppiert er sich. Wie bei den Pharmapreisen, die er über 1.500 Prozent gesenkt haben will. Bedeutet: Man bekäme Geld beim Kauf von Präparaten zurück

Heiße Debatte in den USA

Ein „bombiges“ Ablenkungsmanöver

Der innenpolitische Druck wird für den US-Präsidenten immer größer, ebenso wie seine Erklärungsnot gegenüber den Amerikanern und der MAGA-Bewegung

Daniel C. Bosworth
11.03.2026

Während sich die internationale Aufmerksamkeit auf die Spannungen zwischen den Vereinigten Staaten und dem Iran richtet, wächst in Washington eine andere Debatte: die Frage, wie stark der innenpolitische Druck auf Präsident Donald Trump, dessen Beliebtheitswerte aktuell im Keller sind, derzeit tatsächlich ist. Kritiker und politische Beobachter verweisen auf eine Reihe konkreter Konfliktfelder im Inneren, die den Präsidenten wenige Monate vor den Midterm-Wahlen am 3. November zunehmend unter Druck setzen.

Besonders umstritten ist Trumps Wirtschaftspolitik. Ein zentrales Element seiner Strategie war die aggressive Zollpolitik gegenüber Handelspartnern – insbesondere gegenüber China, aber auch gegenüber europäischen Staaten. Auch die Bundesrepublik Deutschland ist als Exportnation bis heute stark negativ von den Zöllen betroffen. Trump hatte bis dato argumentiert, Zölle würden amerikanische Industrien schützen und Arbeitsplätze zurückholen. In der Praxis haben viele Ökonomen jedoch darauf hingewiesen, dass die Kosten dieser Zölle häufig an amerikanische Unternehmen und Verbraucher weitergegeben werden. Importierte Vorprodukte wurden daher immer teurer, Lieferketten gerieten zunehmend unter Druck, und zahlreiche Konsumgüter verteuerten sich spürbar.

Gerade die steigenden Lebenshaltungskosten entwickeln sich zu einem politischen Problem für das Weiße Haus. Die von Trump als sein Lieblingsmittel angepriesenen Zölle, auf die er alles gesetzt hat, kommen nun wie ein Bumerang ungebremst auf ihn und die USA zurückgeflogen. Und dies mit dramatischen Effekten. Viele Haushalte berichten von höheren Preisen bei Lebensmitteln, Energie und Mieten. Oppositionspolitiker nutzen diese wirtschaftliche Entwicklung mit schweren Folgen auf die Gesellschaft, um darauf hinzuweisen, dass die finanzielle Belastung vieler Familien heute teilweise höher sei als in den letzten Jahren der Regierung von Joe Biden. Für Trump, der seine politische Stärke stets mit wirtschaftlichem Erfolg begründet hat, ist diese Entwicklung besonders heikel und ebenso gefährlich, da sie ihm jeglicher Argumentation beraubt.
Hinzu kommt ein politischer Konflikt, der für den Präsidenten zunehmend unangenehm wird: die erneute öffentliche Diskussion um den Fall Jeffrey Epstein. Der milliardenschwere Finanzier und verurteilte Sexualstraftäter hatte über Jahre hinweg Kontakte in die höchsten politischen und gesellschaftlichen Kreise der USA gepflegt. Neue Veröffentlichungen und Zeugenaussagen sorgen immer wieder für Spekulationen über die Netzwerke, die Epstein umgaben. Auch Trump sieht sich dabei Fragen zu früheren Kontakten ausgesetzt – ein Thema, das seine politischen Gegner regelmäßig aufgreifen.

Selbst MAGA kritisiert Trump

Doch der Druck kommt nicht nur von außen. Selbst innerhalb seiner eigenen politischen Bewegung wächst die Unruhe. Teile der von Trump selbst initiierten MAGA-Basis („Make America Great Again“) zeigen sich zunehmend unzufrieden mit Trumps Verhalten im Epstein-Fall und fordern endlich Aufklärung. Besonders auf die geschwärzten Seiten in den Akten und Dokumenten, wobei immer deutlicher wird, dass wohl gerade dort Textpassagen geschwärzt wurden, wo der Name Trump genannt wird.
Aber die MAGA-Anhänger sind auch mit bestimmten politischen Entscheidungen des Präsidenten unzufrieden. Besonders bei der Außenpolitik und den Staatsausgaben äußern immer mehr konservative Kommentatoren und Aktivisten Kritik. Viele fordern im Iran einen Regimewechsel, den aber Trump gar nicht ins Visier gefasst hat. Ihm geht es aller Wahrscheinlichkeit nach mehr darum, China von den iranischen Ölquellen abzuschneiden, nachdem er dies auch schon in Venezuela primär erreichen wollte und erreicht hat.

Aber auch so unpopuläre Entscheidungen wie der Bau seines protzigen Ballsaals, für den er historische Teile des Weißen Hauses abreißen ließ, und der Millionen an US-Dollar verschlingt, die anderswo dringend benötigt werden, sorgen für innenpolitische Empörung. Für einen Präsidenten, dessen politischer Aufstieg stark auf einer mobilisierten Basisbewegung beruhte, ist ein solcher Loyalitätsverlust nicht zu unterschätzen.

Weitere Konflikte verschärfen die Lage. In mehreren Bundesstaaten laufen juristische Verfahren um Wahlgesetze und administrative Entscheidungen der Bundesregierung. Zuletzt entschied sogar der Supreme Court, das oberste US-Gericht, das mit von Trump ausgewählten Richtern besetzt ist, gegen den Präsidenten und seine Zollpolitik. Gleichzeitig verschärft sich der Ton im Kongress, wo Demokraten die wirtschaftspolitische Schwäche der Regierung immer klarer thematisieren.
All diese Entwicklungen fallen in eine besonders empfindliche Phase des politischen Kalenders. Die Midterm-Wahlen im November entscheiden nämlich darüber, ob der Präsident weiterhin mit stabilen Mehrheiten im Kongress regieren kann. Historisch verlieren amtierende Präsidenten bei diesen Wahlen oftmals Sitze – manchmal sogar die Kontrolle über eine oder gar beide Kammern.

So vermittelt die aktuelle Situation – wirtschaftlich und außenpolitisch – den Eindruck, dass Trump viele Herausforderungen nicht mehr unter Kontrolle hat. Die nächsten Monate werden daher auch darüber entscheiden, ob der Präsident innenpolitisch wieder die Initiative zurückgewinnen kann. Denn in einem Wahljahr wird jede politische Entscheidung letztlich auch zu einer Frage der politischen Überlebensfähigkeit.

  • Daniel C. Bosworth ist US-Journalist und seit 35 Jahren für den „Miami Herald“, „USA Today“ sowie die „Tampa Bay Times“ tätig. Er war 16 Jahre lang Freelance White House Correspondent.

Hat Ihnen dieser Artikel gefallen? Dann unterstützen Sie die PAZ gern mit einer

Anerkennungszahlung


Kommentar hinzufügen

Captcha Image

*Pflichtfelder

Da Kommentare manuell freigeschaltet werden müssen, erscheint Ihr Kommentar möglicherweise erst am folgenden Werktag. Sollte der Kommentar nach längerer Zeit nicht erscheinen, laden Sie bitte in Ihrem Browser diese Seite neu!

powered by webEdition CMS