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Der Wochenrückblick

Endlich Klarheit

Wie uns die Kommunisten ihr Herz ausschütten, und weshalb Daniel Günther jetzt unglücklich ist

Hans Heckel
27.06.2026

Zur Kriegslist gehört, dass man den Gegner nicht zu früh wissen lässt, was man wirklich vorhat. Erfährt er das erst kurz vor dem großen Schlag, ist es für ihn zu spät, um noch zu reagieren – und der Sieg ist sicher. Da hat sich der neue Co-Chef der Linkspartei einen groben Schnitzer erlaubt. Luigi Pantisano hatte auf dem Parteitag seiner Truppe für Klarheit gesorgt, wie er sie versteht: „Letztlich gibt es auch gerade gar keinen Unterschied zwischen der CDU, die faschistische Politik macht, der AfD oder den Faschisten selbst“, trug er seine Weltsicht in die Öffentlichkeit.

Daniel Günther ist außer sich vor Enttäuschung. Der CDU-Ministerpräsident von Schleswig-Holstein kuschelt sich schon seit Jahren an die Dunkelroten heran. Und jetzt das! Pantisano solle sich vom Acker machen, fordert Günther, sich „schnellstmöglich aus der Politik verabschieden“. Die Einordnung der CDU als Quelle faschistischer Politik sei nämlich „geschichtsvergessen“.
Mag sein, aber da sollten wir uns gerechterweise auch ansehen, was der CDU-Politiker alles „vergessen“ hat, sofern er es überhaupt jemals wusste. Unter „Antifaschismus“ verstanden die Bolschewisten schon vor hundert Jahren ein perfides Bündniskonzept, mit dem sie nach und nach sämtliche politischen Konkurrenten auslöschen wollten, bis nur noch sie allein übrig bleiben.

Das geht so: Erst verbündet man sich mit allen anderen, von den Sozialdemokraten bis zu den Rechtskonservativen, gegen jene, die sich sogar selbst „Faschisten“ oder „Nationalsozialisten“ bezeichnen und daher leicht auszumachen sind. Hat man die erledigt, mobilisiert man das verbliebene politische Spektrum gegen die Rechtskonservativen mit dem Vorwurf, das seien ja auch irgendwie Faschisten. In diesem Stadium befinden wir uns seit vielen Jahren.

Sind die Rechtskonservativen erfolgreich ausgetilgt, kommen die Christdemokraten an die Reihe. Vor hundert Jahren hieß das Etikett „Klerikalfaschisten“. Nach deren Zerstörung wenden sich die „Antifaschisten“ den Liberalen zu unter der Kampfparole „Hinter dem Faschismus steht das Kapital!“ Damit wären die auch abgehakt.

Wen haben wir noch? Ach ja, die Sozialdemokraten. Denen hängten die bolschewistischen Genossen schon Anfang des 20. Jahrhunderts die Totschlagvokabel „Sozialfaschisten“ um den Hals, um ihnen den selbigen umzudrehen.

Geschafft! Nun sind die Kommunisten unter sich, und die anderen haben ihnen bei ihrem Weg zur totalen Macht fleißig geholfen. Mit dem „Antifaschistischen Schutzwall“ hat die Linkspartei, als sie noch SED hieß, die klare Botschaft gesendet: Alle, die nicht für uns sind und deshalb unseren Machtbereich verlassen wollen, sind Faschisten.

Hat Daniel Günther das wirklich alles „vergessen“? Spätestens, als linke Demonstranten im Winter 2025 mit der Parole „Merz ist mitgemeint“ gegen den vermeintlichen „Faschismus“ der Union auf die Straße zogen und sogar CDU-Geschäftsstellen gewaltsam gestürmt haben, hätte sich der Mann in Kiel eigentlich daran erinnern müssen, was da gespielt wird am linken Rand. Wollte er aber nicht. Daher sind wir dem Genossen Pantisano nun umso dankbarer, dass er ihn und uns alle daran erinnert hat.

Vernichtungsphantasien gleich dazu

Was bei den klügeren Köpfen der Linkspartei indes für einigen Ärger sorgen dürfte. Denn, wie gesagt: Die wahren Absichten des linksextremen „Antifaschismus“ jetzt schon für jedermann sichtbar auf den Tisch zu knallen, zeugt nicht von besonderem Geschick. Das Gleiche gilt für die Parole „Deutschland verrecke!“, die auf dem Parteitag hinausgepöbelt wurde. Eigentlich hieß es doch, die Linkspartei wolle endlich wieder „Arbeiterpartei“ werden. Dummerweise ist die Verachtung für das eigene Land, die bei manchen Genossen offenbar bis zur Vernichtungsphantasie gereift ist, insbesondere in der Arbeiterschicht ziemlich unpopulär. 

Warum sonst sahnt die AfD in diesem Teil des Volkes mehr Stimmen ab als in jedem anderen?

Das Gewürge um die Frage, ob und wie die Delegierten das WM-Spiel der deutschen Nationalmannschaft während des Parteitags verfolgen dürfen, machte den Eindruck rund: Wer ausgerechnet beim Zelebrieren der Arbeitersportart schlechthin solch ein antinationales Gezirkel aufführt, der hat nicht nur weltanschaulich, sondern auch kulturell jeden Draht zum „Proletariat“ gekappt.

Muss uns das traurig stimmen? Kommt auf den Standpunkt an. Antikommunisten werden recht zufrieden damit sein, dass sich die kommunistische Bewegung so komplett von der Masse ihrer einstigen Hauptklientel verabschiedet haben. Derart isoliert können sie weniger Schaden anrichten, und der Schaden durch staatswirtschaftliche Experimente ist ja auch schon groß genug – denken wir an die „Energiewende“ oder den außer Kontrolle geratenen Sozialstaat.

Da interessiert einen brennend die Frage, wer diese Trennung der Dunkelroten von der Arbeiterschicht vollbracht hat. Die Antwort liegt in den vielen jungen Neumitgliedern, über welche sich die Linkspartei so freut. Seit Anfang 2025 ist Zahl der Genossen von 50.000 auf 125.000 explodiert, hören wir. Die neuen Kämpfer stammen indes hauptsächlich aus den akademisch-aktivistischen Milieus vom Prenzlauer Berg über das Hamburger Schanzenviertel bis nach Leipzig-Connewitz. Dort sind sie in geschlossenen Blasen herangewachsen, in denen schon die geringste Abweichung von der „Linie“ mit maximaler Verachtung, Ausgrenzung und Aggression geahndet wird.

In diesen abgestandenen Tümpeln linksextremer Selbstgerechtigkeit wächst alles Mögliche heran, nur nicht die Spur der Bereitschaft, sich auf Leute oder Kreise einzulassen, die anders ticken oder auch nur den Anschein dazu erwecken. Was dort dagegen glänzend gedeiht, ist die modisch-linke Version des Antisemitismus. Dass es dem dort so gut geht, kommt auch von der enormen moralischen Überlegenheit, zu der man sich in diesen Gewässern von morgens bis abends gegenseitig gratuliert.

Wer sich für so unzweifelhaft „gut“ hält, meint auch, in die tiefsten Grotten deutscher Geschichte hinabsteigen zu dürfen, ohne irgendeinen giftigen Geruch anzunehmen. Dabei ist der Trick uralt: Es gehe ja gar nicht um Antisemitismus, sondern um „Israel-Kritik“. So haben es die Antisemiten immer gemacht: Der Jude war stets nur eine Chiffre, ein Symbol für etwas. Früher war's irgendeine Weltverschwörung, heute steht eben Israel als besonders abscheuliches Beispiel für „Kolonialismus“ am Pranger. So zogen sich haarsträubende Genozid-Vorwürfe gegen den Staat der Juden durch den Linke-Parteitag.

Für Günther ist das alles vor allem deshalb so peinlich, weil nichts, aber auch gar nichts davon neu oder überraschend aufgetaucht ist. Die Positionen am linken Rand sind lange bekannt, denn sie wurden kaum geheim gehalten. Nur so offen hat man sie von der Parteispitze noch nicht gehört. Daher noch mal danke für die Klarheit, Luigi Pantisano!


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Kommentare

sitra achra am 05.07.26, 20:08 Uhr

Da bleibt dem armen Wicht von der Waterkant nur noch die Option, das Parteibuch abzugeben und zu Luigi überzuwechseln. Die wären dann ein Herz und eine Seele.
Besser kann's nicht kommen! Der echte Norden ist nämlich linksrevolutionär!

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