27.05.2026

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Ein historischer Auftritt: Chor der Neidenburger Gesellschaft der Deutschen Minderheit während der 30-Jahr-Feier
Bild: U.H.Ein historischer Auftritt: Chor der Neidenburger Gesellschaft der Deutschen Minderheit während der 30-Jahr-Feier

Attraktion in Wolfsburg

„Geboren um zu leben“

Neidenburger Chor tritt beim Ostpreußentreffen auf – Nachwuchs führt den musikalischen Gedanken fort

Uwe Hahnkamp
27.05.2026

Die Neidenburger Gesellschaft der Deutschen Minderheit existiert seit dem Jahr 1994. Ebenso lange wird in der Gesellschaft gesungen, gibt es eine Gesangsgruppe und später einen Chor. Seit über drei Jahrzehnten erfreuen die Damen und Herren aus Neidenburg das Publikum in ihrer Stadt, in der Region, aber auch im Ausland mit ihrem Gesang und ihren Auftritten.

„Geboren um zu leben“ – so sang die deutsche Gruppe „Unheilig“ u. a. bei ihrer Abschiedstournee und geht inzwischen mit einer neuen Platte wieder auf Reisen. Unverwüstlich. Dazu gehört ein gewisses Durchhaltevermögen, dazu gehört eine gewisse Sturheit, dazu gehört ein gewisses Glück. Zwar sind die Damen und Herren des Chors der Deutschen Minderheit in Neidenburg, der immer noch keinen Namen hat, nicht so bekannt wie „Unheilig“, aber die erwähnten Eigenschaften haben sie selbst, und sie sind ihnen zugutegekommen.

Sturheit

Wenn es eine Eigenschaft gibt, die man Ostpreußen seit langer Zeit nachsagt, so ist es die Sturheit. Die Sturheit, die die Gründer der Gesellschaften der Deutschen Minderheit dazu gebracht hat, ihre Landsleute in der Region ausfindig zu machen und Vereine gegen Widerstände gerichtlich registrieren zu lassen. Die Sturheit, selbst etwas auf die Beine stellen zu wollen, wie es Albert Wylengowski in Neidenburg getan hat: die Gesellschaft der Deutschen Minderheit, Deutschunterricht an den Schulen und mit der Gesellschaft sofort ein Gesangsensemble. Ob der Gründer selbst seine Stimme dort erschallen ließ, ist nicht überliefert, aber auch heute noch ist mit Gertruda Wylengowska eine Sängerin der ersten Stunde mit im Chor aktiv – und nicht nur dort.

Durchhaltevermögen

Ähnlich wie sie verstärken einige Sängerinnen und Sänger des Chors der Gesellschaft der Deutschen Minderheit in Neidenburg den Chor der evangelischen Gemeinde der Stadt, der bei den Chortreffen der evangelischen Chöre der Diözese Masuren regelmäßig positiv auffällt. Es sollen sogar einzelne Personen bei einem weiteren Chor gesichtet worden sein.

Doch die gesangsbegeisterten Neidenburger hatten anfangs auch mit den üblichen Schwierigkeiten zu kämpfen – ein Repertoire, das mit der Zeit über die bekannten deutschen Volkslieder hinausgehen soll, Wechsel in der Leitung, leider auch ein Schwund an Mitgliedern, da ältere Mitglieder die Stimme oder ihre Energie oder gar ihr Leben verlieren. Die goldenen Händchen der Schatzmeisterin des Vereins, Gertruda Wylengowska, sorgten mit guten Anträgen dafür, dass der Chor weiter existiert, bevor 2013 der große Wurf gelang: das polnische Ministerium für Inneres und Verwaltung, das die kulturellen Aktivitäten der Minderheiten in der Republik Polen fördert, wie die Trachten, die seit dieser Zeit dem Chor sein einheitliches stattliches Aussehen und ihm damit Wirkung auf der Bühne verleiht.

Glück

Man sagt nicht von ungefähr, dass das Glück mit den Tüchtigen ist. Im Neidenburger Fall hat das Glück einen Namen: Marcin Bąkowski. Er ist mit der Musikschule in Neidenburg verbunden, leitet den Chor der evangelischen Gemeinde und seit inzwischen einigen Jahren auch den Chor der Neidenburger Gesellschaft der deutschen Minderheit.

Die Qualität der einzelnen Stimmen hat sich verbessert, die Qualität des gemeinsamen Singens hat sich verbessert und der Chor singt mittlerweile einen Teil seines Repertoires mehrstimmig. Gleichzeitig arrangiert Marcin Bąkowski auch die Lieder für den Chor, was dazu führte, dass die Aufnahme einer CD ins Gespräch kam. Inzwischen sind es vier CDs geworden, die der Chor aufgenommen hat. Und man kann den Chor auch auf YouTube finden.

Wem das alles nicht genügt, dem sei eine Fahrt nach Wolfsburg zum Ostpreußentreffen der Landsmannschaft Ostpreußen empfohlen. Dort ist der Chor aus Neidenburg nämlich am Nachmittag live auf der Bühne zu bestaunen. Für seinen Auftritt bereitet er Lieder mit ostpreußischem Bezug wie etwa das „Ännchen von Tharau“ oder „Auf der Neidenburger Heide“ vor. Darüber hinaus bringen die Repräsentanten der deutschen Minderheit in Neidenburg ihre Juniorabteilung mit. Die Instrumental- und Vokalgruppe hat für ihren Auftritt einfache deutsche Lieder gewählt und gibt einen Einblick, wie die musikalische Arbeit im Neidenburger Verein weitergehen kann.


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