Preußische Allgemeine Zeitung Zeitung für Deutschland · Das Ostpreußenblatt · Pommersche Zeitung
Warum fernab der Bundesrepublik, auf dem Plateau von Valensole, ein beschaulicher Ort namens „Allemagne-en-Provence“ existiert
Fährt man durch die Lavendelfelder der französischen Provence, vorbei an silbrig schimmernden Olivenhainen und den hellen Kalkrücken der Voralpen, kann es passieren, dass man plötzlich etwas verblüfft auf ein Ortsschild blickt: Allemagne-en-Provence. Der Name „Deutschland in der Provence“ wirkt wie ein geographischer Fremdkörper in der südfranzösischen Landschaft – als hätte sich ein Stück Germaniens zwischen Lavendel und Garrigue verirrt. Doch der Ort liegt ganz selbstverständlich im Département Alpes-de-Haute-Provence, eingebettet in die Region Provence-Alpes-Côte d'Azur, und wirkt auf den zweiten Blick nicht weniger provenzalisch als seine Nachbarn: steinerne Häuser, ein wuchtiges Schloss, eine kompakte Dorfstruktur mit kleinen Cafés und Bistros und eine Landschaft, die im Sommer flimmert. Umso mehr stellt sich die Frage, warum die Gemeinde so heißt.
Erstmals taucht der Name 429 in der Chronik des Zisterzienser-Klosters Lérins auf, wo von einem „Alamania“ auf dem Plateau von Valensole die Rede ist. Deutschland selbst existiert zu diesem frühchristlichen Zeitpunkt noch nicht, Karl der Große und die Ottonen liegen noch in ferner Zukunft und auch die noch späteren Deutschordensritter kommen nicht als Ursprung in Betracht.
Dass Alemannen hier einen westlichen Vorposten gehabt haben, gilt inzwischen weitgehend als Konsens. In der französischen Geschichtsforschung des 19. und 20. Jahrhunderts war das freilich nur schwer zu ertragen.
Westlicher Vorposten der Alemannen
Und so interpretierte man eine gotische Siedlung als Nukleus der Ortschaft in dem zerfallenden Römischen Reich. Es gab noch eine zweite These zum Ursprung des Ortsnamens. Demnach soll die römische Fruchtbarkeitsgöttin Alemona Namenspatronin sein. Die Behauptung wird noch heute verbreitet, etwa von den Eigentümern des dortigen Schlosses. Noch konstruierter war die These, der Ursprung sei ein „Armagnia“ gewesen, das aus dem lateinischen „area magna“ stammen soll, was auf eine „große Schotterebene“ verweise.
Konsens ist aber heute, dass „Allemagne“ und „Alemania“ in den einschlägigen Quellen die häufigste Erwähnung finden. Und das verweist auf die Alemannen.
Die Entwicklung des Ortes selbst folgt dagegen weitgehend dem klassischen Muster provenzalischer Landgemeinden. Aus frühmittelalterlichen Siedlungsstrukturen heraus formte sich eine dauerhafte bäuerliche Gemeinschaft, deren Alltag über lange Zeit von Landwirtschaft, Viehhaltung und der Nutzung der umliegenden Hochebenen bestimmt war. Im Mittelalter und in der Frühen Neuzeit blieb der Ort in lokale Herrschafts- und Kirchenstrukturen eingebunden, ohne je zu einem städtischen Zentrum aufzusteigen. Die Kirche im Dorfkern und einige erhaltene historische Bausubstanz verweisen bis heute auf diese Kontinuität eines vergleichsweise stabilen, ländlich geprägten Lebensraums.
Alternative Namenserklärungen antideutscher Historiker
Heute profitiert Allemagne-en-Provence gerade von dieser Unaufgeregtheit. Der Ort ist kein touristischer Magnet im klassischen Sinne, aber ein Ziel für Reisende, die die Provence jenseits der großen Postkartenmotive suchen. Wanderwege, die Nähe zu Naturparks und die typische Lichtstimmung der Region machen ihn zu einem stillen Zwischenhalt im südfranzösischen Binnenland. Sein Reiz liegt weniger im Spektakel als im Detail – und genau darin, dass ein Name, der so irritierend „deutsch“ klingt, in Wahrheit seit Jahrhunderten ganz selbstverständlich in der provenzalischen Landschaft verwurzelt ist.
Reizvoll ist daneben das Château der mächtigen Familie der Castellanen. Es wurde als eines der letzten Schlösser der Familie errichtet, von denen tatsächlich nur noch dieses auf dem Plateau existiert. Der mächtige Bergfried wurde im 12. Jahrhundert erbaut. Dazu gehörten noch fünf Wehrtürme, die von dem noch heute bestehenden Wassergraben umgeben waren. Das Château in Allemagne-en-Provence hat Religionskriege, Fehden und Belagerungen überstanden und befindet sich heute in Privatbesitz.
Christian Schwochert am 22.07.26, 07:54 Uhr
Gibt es ein Deutschland in Frankreich?
Also ehrlich gesagt, wenn ich durch meine Heimatstadt laufe, frage ich mich manchmal, ob es noch ein Deutschland in Deutschland gibt???