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Warum Pausenbrote diskriminierend sind, und wo Friedrich Merz zur Erleuchtung fand
Es kommt immer darauf an, was ins Scheinwerferlicht gerückt wird und was man lieber eher im Schatten lässt. Am 10. März hat uns die „Tagesschau“ aufgeschreckt: 13 Prozent der Menschen in Deutschland haben nach eigenen Angaben im vergangenen Jahr Diskriminierung erfahren. Das habe eine Studie im Antrag der Antidiskriminierungsstelle des Bundes ergeben. Die Einrichtung unter der Leitung von Ferda Ataman hatte 30.000 Leute befragen lassen.
Die „Tagesschau“ fand das einen ausführlichen Bericht wert. Besonders betroffen seien nach schwarzen Menschen vor allem Muslime, erfahren wir aus der Studie. Nur am Rande wird angemerkt, dass sich die Daten allein auf die Angaben der Befragten stützen. Es wurde also erhoben, wer sich diskriminiert gefühlt hat, nicht unbedingt, wer auch tatsächlich diskriminiert wurde. Das sind so die kleinen Details, die bei der öffentlichen Wahrnehmung meist unter den Tisch der großen Zahlen fallen, was dem einen oder anderen Studien-Beauftrager möglicherweise gar nicht so ungelegen kommt.
So betrachtet könnten wir eine andere Meldung, die am selben Tag die Runde machte, auch ganz anders einordnen. In Kleve, Sie haben vielleicht davon gehört, wurden Kinder von muslimischen Mitschülern massiv bedrängt, während des laufenden Ramadan gefälligst kein Pausenbrot auf dem Schulhof zu essen.
Wer weiß, möglicherweise haben die jungen radikalen Moslems den öffentlichen Frühstücksverzehr auf dem Pausenhof während ihres heiligen Fastenmonats ja nur als Diskriminierung empfunden, gegen die sie sich wehren mussten? Dann sollten wir die Klever Vorfälle schon mal notieren für die Studie über Fälle antimuslimischer Diskriminierung im Jahr 2026, die uns Ataman in zwölf Monaten vorlegen wird.
Die ARD-Sendung jedenfalls widmete viel Sendezeit einer muslimischen NGO-Funktionärin, die uns über ihre vielfältigen Diskriminierungserfahrungen als Kopftuchträgern berichten durfte.
Zum Glück kämpfen viele engagierte Menschen hart gegen Diskriminierung. Ein staatliches Berliner Jugendzentrum hat hierfür ein strahlendes Beispiel geliefert: Dort haben sowohl die Mitarbeiter der Einrichtung also auch das zuständige Jugendamt von Berlin-Neukölln den Fall einer mutmaßlichen Vergewaltigung in dem Jugendtreff nicht an die Polizei gemeldet, um die Vergewaltiger davor zu schützen, als Muslime „stigmatisiert“ und „marginalisiert“ zu werden. Wenn engagierte Zeitgenossen sich schon so tapfer vor Vergewaltiger stellen, sollten wir die jungen Religionswächter vom Klever Schulhof in ihrem Kampf gegen die Diskriminierung von Muslimen durch Pausenbrote ebenfalls unterstützen.
Hinter solchen Geschichten eine „Unterwerfung“ unter den Islam zu wittern, bleibt indes rassistischer Unfug, sagt man uns. Der französische Autor Michel Houellebecqe hatte 2015 einen Zukunftsroman so betitelt, in dem er ein Frankreich beschreibt, das unter der freundlichen Assistenz des linken Lages zum Gefangenen des radikalen Islam wird. Seitdem gilt er in Deutschland als „umstritten“. Bei gefühlszarten Linken reicht die Nennung seines Namens, um die Atmosphäre fühlbar abzukühlen. Denn von „Unterwerfung“ zu sprechen, ist Hetze. Wer eine „Islamisierung des Abendlandes“ anprangert, ist daher reif für den Index.
Das Dogma ersetzt die Begründung
Verwundern mag allerdings die Gleichgültigkeit, mit der die großen christlichen Kirchen den Vormarsch des radikalen Islam in Deutschland begleiten. Während die Hälfte der jungen Muslime im Land eine Nähe zum Islamismus aufweist, haben die Kirchen im vergangenen Jahr 1,2 Millionen Mitglieder verloren. Vielleicht liegt die erstaunliche Gelassenheit ihrer Anführer darin: Sie gehen davon aus, sowieso verschwunden zu sein, wenn die feurigen Jünger des Propheten ihren Machtanspruch auf dieses Land vollends durchgesetzt haben.
Für viele andere ist eine echte Religion gar nicht mehr nötig, um etwas zu haben, woran sie fest glauben können. Da haben wir längst ganz andere Sachen gefunden, darunter viele, die wir früher eher dem Feld der Wissenschaft oder der Politik überlassen hatten.
Etwa den Atomausstieg: Nachdem alle rationalen Gründe für den Ausstieg aus der friedlichen Nutzung der Kernenergie weggefallen sind, haben manche Naivlinge gedacht, dass die Zeit nun reif wäre für den Wiedereinstieg. Aber von wegen: Ohne dass wir es bemerkt hatten, haben gewisse Leute aus der Feindschaft zum Atom längst eine neue Religion gebastelt. Der Vorteil: Damit müssen sie ihre Entscheidung nicht mehr sachlich begründen und können alle vernünftigen Argumente einfach abprallen lassen.
Nach einigem Hin und Her in den vergangenen Jahren ist endlich auch unser Bundeskanzler zur neuen Anti-Atom-Religion übergetreten. Wie streng er seinen neuen Glauben nimmt, bewies uns Merz vor wenigen Tagen. Die EU will 200 Millionen Euro für die Entwicklung neuer Wege zur Nutzung der Kernenergie bereitstellen, schallte es aus Brüssel. Der CDU-Chef reagierte umgehend und kategorisch: Der deutsche Ausstieg aus dieser Technologie sei „irreversibel“, also nie mehr rückgängig zu machen. Basta.
Warum das so sein soll, erwähnte der Kanzler gar nicht erst. Warum auch? Glaubensdogmen muss man nicht begründen, sie stehen in ihrer Heiligkeit weit über den Niederungen von kalter Naturwissenschaft und schnöder Ökonomie. Dafür wärmen sie den Erleuchteten umso wohliger.
Die Ironie der Wirklichkeit will es, dass wir Deutsche dennoch den Löwenanteil an dem neuen EU-Atomprogramm finanzieren müssen, auch wenn wir nicht daran teilhaben. Als größte europäische Nation und Volkswirtschaft zahlen wir schließlich immer den größten Batzen – ganz von selbst.
Aber diesen kleinen Schnitzer nehmen wir gern in Kauf, weil uns der Weg ins „Irreversible“ eine erfrischend neue Perspektive schenkt: Wenn nämlich einmal gefasste politische Beschlüsse nach und nach alle für endgültig und unhinterfragbar erklärt werden, können wir uns das umständliche Gezappel mit der Demokratie irgendwann ganz sparen. Kern jeder Demokratie ist es ja gerade, dass (außer den Grundartikeln der Verfassung) alles und jedes wieder geändert werden kann, wenn die Mehrheit es wünscht. Nur in Diktaturen heißt es dagegen „Vorwärts immer, rückwärts nimmer“.
Als nächster Anwärter auf einen Platz im Kanon der polit-religiösen Dogmen für die Ewigkeit drängt sich die Brandmauer auf. Für dieses Bauwerk gehen den Verteidigern ja auch immer offensichtlicher die Erklärungen aus, weshalb eine Sakralisierung, die jede Kritik obsolet macht, der billigste Ausweg wäre. Die Grünen wären sicherlich begeistert, ist deren Partei auf dem Weg zur Polit-Sekte doch ohnehin schon am weitesten vorgedrungen. Wenn die Union ihnen hier nun folgt – umso besser für sie. Amen!