08.05.2026

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Bild: BVEG

Heimatliche Rohstoffe hat die Bundesrepublik reichlich

Unsere Bodenschätze bleiben ungenutzt

Es ist geradezu unverantwortlich, wie Deutschland seine heimischen Rohstoffe vernachlässigt

Wolfgang Kaufmann
30.04.2026

Es gibt Sätze, die werden auch nicht wahrer, wenn man sie ständig wiederholt. Das gilt auch für: „Die Bundesrepublik ist arm an Rohstoffen.“ Falsch! Denn tatsächlich verfügt unser Land sogar über beachtliche Bodenschätze der verschiedensten Art. Die noch verfügbaren Braunkohlevorkommen werden von der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe in Hannover auf bis zu 35 Milliarden Tonnen geschätzt. Diese wären ausreichend, um den Strombedarf der Bundesrepublik für 150 Jahre zu decken. Und die Verstromung der restlichen 83 Milliarden Tonnen deutscher Steinkohle könnte sogar um die 1.000 Jahre lang andere Energieträger überflüssig machen.

Weniger groß sind die derzeit bekannten Erdölreserven: Diese liegen bei gut 21 Millionen Tonnen. Dazu kommen dann allerdings 36 Milliarden Kubikmeter Erdgas, die sich auf konventionellem Wege, also ohne das von grüner Seite verpönte Fracking-Verfahren (siehe unten) fördern ließen. Darüber hinaus beziffern Experten die schwieriger zu erschließenden Schiefergasvorkommen und Erdgaslagerstätten in Kohleflözen auf bis zu 2,75 Billionen Kubikmeter. Diese Menge entspricht dem Gasbedarf der Bundesrepublik im Laufe von 35 Jahren, wenn man den Verbrauch von 2025 als Maßstab nimmt.

Des Weiteren liegen im Boden große Mengen an Kali- und Steinsalzen sowie Phosphaten, die nicht zuletzt für die Düngemittelproduktion benötigt werden. Außerdem finden sich Vorkommen von Blei, Eisen, Graphit, Kobalt, Kupfer, Lithium, Molybdän, Nickel, Silber, Uran, Wismut, Wolfram, Zink, Zinn und allerlei seltenen Erden wie auch Gold.

Dennoch ist Deutschland heute bei vielen strategischen Rohstoffen, also solchen, die im Zuge der Aufrüstung, Digitalisierung und Energiewende beziehungsweise „Dekarbonisierung“ eine entscheidende Rolle spielen, auf Importe angewiesen: Laut einer Studie der renommierten Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young muss die Bundesrepublik derzeit 39 von 46 dringend benötigten Rohstoffen aus dem Ausland einführen, wobei sich unter den Lieferanten etliche „schwierige“ Partner befinden.

Gleichzeitig nimmt der Ressourcennationalismus zu: Rohstofffördernde Länder drosseln oder stoppen ihre Ausfuhren zur Sicherstellung der eigenen Versorgung oder zur wirtschaftlichen Erpressung des Westens. Das gefährdet auch und gerade die deutschen Zukunftsprojekte, ohne dass die Bundesregierung dagegen wirksam vorgehen kann. Frank Hennig, Diplom-Ingenieur für Kraftwerksanlagen und Energieumwandlung und unabhängiger Experte für die Energiepolitik, sprach angesichts dieser Situation zu Recht davon, dass es mittlerweile nicht mehr „fünf vor zwölf, sondern zehn nach zwei“ sei.

Umweltverbände als Verhinderer

Das erkannte sogar die Bundesregierung, weshalb sie in ihrem Koalitionsvertrag vereinbarte, stärker auf die Nutzung einheimischer Rohstoffe zu setzen und die Abhängigkeit vom Ausland zu reduzieren. Allerdings könnte dieses Vorhaben – mal wieder – im Sande verlaufen, weil es vier mächtige Beharrungsfaktoren gibt.

l Da ist die über Jahrzehnte gewachsene Abneigung gegen die eigene Kohle und konventionelle Kraftwerke, die als Umweltverschmutzer oder „Klimakiller“ gelten. Deshalb blieb die Entwicklung moderner emissionsarmer Kohletechnologien im Ansatz stecken, wohingegen alle Kraft in den Ausbau der „erneuerbaren“ Energien (die, wie wir alle wissen, gar nicht erneuerbar sind) gesteckt und damit die Büchse der Pandora geöffnet wurde, weil so ganz neue Rohstoffabhängigkeiten entstanden und gleichzeitig die Versorgungssicherheit schwand.

l Das zweite Hindernis ist die Bürokratie. In Deutschland dauern Genehmigungsverfahren für Bergwerke ein Jahrzehnt oder länger. Das beschert den Investoren erhebliche Planungsrisiken.

l Dazu kommt drittens die Frage der Kosten. Im internationalen Vergleich ist der deutsche Bergbau ein teures Unterfangen, was primär aus hohen Löhnen und massiven teilweise irrwitzigen Umweltauflagen resultiert. Zudem sind die geologischen Bedingungen in anderen Ländern oftmals besser. Daher scheuen Bergbauunternehmen Investitionen hierzulande nicht nur wegen der politischen Rahmenbedingungen, sondern auch, weil Rohstoffimporte trotz aller Lieferkettenprobleme und Turbulenzen auf den Märkten meistens noch günstiger sind.

l Das vierte Hindernis ist die Bevölkerung selbst. Fast alle Deutschen wollen Wohlstand, Fortschritt und eine warme Stube, aber die Voraussetzungen dafür sollen bitte weit weg vom eigenen Wohnsitz geschaffen werden. Grüne Demagogie hat sich in den Köpfen festgesetzt.

Deshalb stößt fast jedes Bergbau- oder Bohrprojekt sofort auf erbitterten Widerstand von Bürgerinitiativen, hinter denen interessierte politische Kreise und mächtige wie klagefreudige Umweltverbände stehen. So wird die verstärkte Nutzung heimischer Rohstoffe auch weiter unterbleiben und billige heimische Energie bleibt ein Wunschtraum.

Milliardenwert
Altenberger Zinn wartet auf Abbau

Ab etwa 1440 schürfte man rund um die Kleinstadt Altenberg im Osterzgebirge nach Zinn, denn hier befand sich eine der größten Zinnlagerstätten Europas überhaupt. Deutlichstes Zeichen der früheren Bergbauaktivitäten vor Ort ist die sogenannte Pinge, ein 130 Meter tiefes Loch in der Landschaft mit imposanten 400 Metern Durchmesser. Der nahebei liegende moderne Förderschacht des Volkseigenen Betriebes Zinnerz Altenberg wurde im März 1991 stillgelegt, weil die Gewinnungskosten und die Weltmarktpreise in dramatischer Weise auseinanderklafften. Eine Tonne Zinn erbrachte damals um die 4.000 US-Dollar, während deren Förderung in Altenberg umgerechnet 8.000 Dollar verschlang. Inzwischen aber stellt sich die Lage vollkommen anders dar: Das Metall, das nicht zuletzt in der Elektronikindustrie und zum Beschichten von Konservendosen benötigt wird, kostet jetzt auf dem Weltmarkt bis zu 57.000 Dollar pro Tonne.

Daher schlägt der frühere Betriebsleiter des VEB Zinnerz Altenberg Wolfgang Schilka vor, die Förderung wieder aufzunehmen, weil in der Grube noch mindestens 74.000 Tonnen des strategischen Rohstoffs im aktuellen Wert von nun mehr als vier Milliarden Dollar schlummern. Nach Erkenntnissen des Geologieprofessors Schilka lagern in Altenberg zudem auch 35.000 Tonnen Lithium sowie ein ganzes Sortiment seltener Erden von Erbium über Lutetium und Terbium bis hin zu Gadolinium und Samarium. Insgesamt könnten diese Bodenschätze weitere fünf Milliarden einbringen. Und das 40 Kilometer lange Stollensystem der Grube ist auch in perfektem Zustand, womit einer baldigen Neueröffnung technisch nichts im Wege stünde.
Allerdings plant die Eigentümerin der Liegenschaft in Altenberg, die Lausitzer und Mitteldeutsche Bergbau-Verwertungsgesellschaft (LMBV), welche wiederum dem Bundesfinanzministerium untersteht, derzeit keinerlei Schritte zur Wiederbelebung des Bergbaus in Altenberg.

Zu unrecht verpöntes Fracking
Grüne Umweltlügen verhindern heimische Gasförderung
Wieder ist es Katherina Reiche, die dieser Schwindel-Kampagne den Kampf ansagt, um endlich die Energiepreise zu senken

Erdgas findet sich häufig nicht in konventionellen Lagerstätten, sondern in mikroskopisch kleinen Poren innerhalb von weit unter der Erde liegenden Schiefergesteinsschichten. Die Förderung erfolgt in diesem Falle durch das Aufbrechen des Muttergesteins zum Zwecke der Schaffung gasdurchlässiger Strukturen. Hierbei wird eine Mischung aus Wasser, Sand und Chemikalien unter hohem Druck in die Tiefe gepumpt. Dieses Verfahren nennt sich Hydraulic Fracturing oder kurz Fracking. Es ist in Deutschland seit dem 4. August 2016 durch das „Gesetz zur Änderung wasser- und naturschutzrechtlicher Vorschriften zur Untersagung und zur Risikominimierung bei den Verfahren der Fracking-Technologie“ verboten. Der Beschluss des Bundestages resultierte aus den angeblichen Gefahren des Frackings.

So soll der Einsatz von Chemikalien zur Verschmutzung des Grundwassers führen. Außerdem meinen Kritiker, beim Fracking käme zu viel Methan frei, was dem Klima schade. Desgleichen sei der Wasserverbrauch zu hoch. Und nicht selten heißt es auch, das Aufbrechen der Gesteinsschichten könne Erdbeben auslösen. Alles ideologische grüne Unwahrheiten. Daher fielen zwei Gutachten des Umweltbundesamtes über Fracking in 2012 und 2014 negativ aus, was wesentlich zur Verabschiedung des Gesetzes von 2016 beitrug. Mittlerweile stellt sich die Sachlage allerdings anders dar, nachdem in Staaten wie den USA, wo das Fracking eine regelrechte Energierevolution ausgelöst hat, umfangreiche Erfahrungen mit dem Förderverfahren gesammelt wurden.

Die Erdbebengefahr ist offenbar sehr viel geringer als angenommen, und das Grundwasser lässt sich mittels entsprechender technischer Maßnahmen beziehungsweise Auflagen zu 100 Prozent schützen. Ebenso kann der Methan-Ausstoß durch eine intelligente Steuerung und Überwachung der Förderanlagen minimiert werden. Das besagt auch ein Gutachten der deutschen Expertenkommission Fracking aus dem Jahr 2021. Daher meinte der frühere Präsident der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe, Hans-Joachim Kümpel: „Die Schreckensszenarien sind ausgedacht und wurden politisch ausgeschlachtet.“ Das Fracking-Verbot von 2016 basiere weniger auf wissenschaftlichen Erkenntnissen als auf emotionalen Kampagnen – initiiert durch Kräfte, die eine heimische Gasförderung in Deutschland zu verhindern suchten. Insofern ist durchaus nachvollziehbar, dass sich die Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) jetzt angesichts der aktuellen Energiekrise für ein Umdenken in Sachen Fracking ausspricht. Die Grünen bezeichneten diesen Vorstoß allerdings sogleich als „völligen Wahnsinn“.

„Eine Möglichkeit wäre es, die Gas-Extraktion etwa durch Fracking
zu erlauben ..., um
die Abhängigkeit von ausländischen Lieferanten
zu reduzieren“
Katherina Reiche
Bundeswirtschaftsministerin





 

 


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Kommentare

Rolf Lindner am 30.04.26, 17:04 Uhr

Schon die Machthaber der DDR beklagten die angebliche Rohstoffarmut des Landes. So kehrt der Sozialismus auf diesem Gebiet der Wirtschaft zurück. Ein Schulfreund, der Geologie studiert hatte, bekam Wutanfälle, wenn er das Gejammer hörte. Die DDR hätte seiner Meinung nach eine führende Position in der Glasindustrie einnehmen können, weil alle Rohstoffe dafür leicht abbaubar in hoher Qualität vorhanden waren und immer noch sind. Zur im Artikel aufgeführten Liste kommen Kalk, Kaolin, Gips (ganze Berge), Quarzsand, Bausand, Tone ...

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