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Paris lässt die letzten 129 Tonnen aus den USA heimholen – Derweil laviert die Bundesbank herum und befeuert Spekulationen
Diese Nachricht treibt Bundesbankpräsident Joachim Nagel in Erklärungsnot: Frankreich hat beschlossen, auch die letzten 129 Tonnen seines noch in den USA gelagerten Goldes nach Hause zu holen. Forderungen, auch die weitaus größeren deutsche Bestände, die noch in New York aufbewahrt werden, nach Deutschland zu transportieren, hat Nagel hingegen eine Absage erteilt.
Die Goldlagerung in New York ist seit Jahren ein hochsensibles Thema. Nach zähem Ringen hatte die Initiative „Holt unser Gold heim“ im Jahr 2012 erreicht, dass zumindest 300 Tonnen des deutschen Goldes, das offiziell in den Tresoren der Federal Reserve (Fed) von New York lagert, nach Frankfurt a.M. verbracht wurden. Damit sind nunmehr 1710 der 3352 Tonnen, die der deutsche Goldschatz umfasst, in Frankfurt gelagert, also immerhin mehr als die Hälfte. Dennoch verbleiben bislang 1236 Tonnen am Hudson River und weitere 405 Tonnen in London.
Derweil mehren sich gewichtige Stimmen, auch diese 1236 Tonnen heimzuholen. Im Zentrum steht die Befürchtung, dass Deutschland im Ernstfall nicht über sein Gold verfügen könnte, weil die USA sich dann möglicherweise sperren. Der CSU-Europaabgeordnete Markus Ferber jedenfalls hegt Zweifel am problemlosen Zugriff im Krisenfall, ebenso der Präsident des Europäischen Steuerzahlerbundes, Michael Jäger.
Im Umfeld der Initiative „Holt unser Gold heim“ wurden sogar Zweifel ventiliert, ob das deutsche Gold in New York überhaupt in der angegebenen Menge physisch vorhanden ist. Ein Verdacht, für den es dieser Tage neue Nahrung gab. Zwar beteuert Bundesbankchef Nagel, das Gold werde geprüft und sei so vollständig vorhanden, wie es in den Bestandslisten stehe. Dann indes heißt es geheimnisvollerweise, Einzelheiten zu dem Prüfverfahren würden nicht veröffentlicht, unter anderem, um „keine Unruhe im internationalen System auszulösen“, wie der „Focus“ dieser Tage berichtet.
Zutritt für Politiker verweigert
Woran sollte sich die „Unruhe“ entzünden? Da der Goldbestand als wesentlicher Anker für die Stabilität und Zahlungsfähigkeit eines Staates gilt, liegt die Vermutung nahe, dass mit dem Umfang des angeblich in New York verwahrten Goldes doch etwas nicht stimmt. Wenn dies bei einer Prüfung aufflöge, könnte es in der Tat empfindliche Folgen für das globale Zutrauen in die finanzielle Solidität Deutschlands haben.
Um solche Zweifel auszuräumen, reiste der CDU-Bundestagsabgeordnete Philipp Mißfelder 2012 nach New York, um die deutschen Barren in Augenschein zu nehmen. Obschon als gewählter deutscher Volksvertreter zweifellos dazu befugt, verweigerten ihm die Vertreter der New York Fed jedoch den Zugang. Warum?
Die Bundesbank sträubte sich 2011 selbst gegen die Teilrückholung. Einmal hieß es, in Frankfurt mangele es an geeigneten Räumen für das Gold. Dieser Einwand zerschellte an der Entgegnung, dass es möglich sein müsste, solche Räume zu bauen. Danach wurde argumentiert, der Transport sei zu riskant. Auch das machte wenig Eindruck – Paris hatte solche Transporte schon seit den 1960ern gemeistert. Schließlich fand sich die Bundesbank bereit, zumindest die besagten 300 Tonnen nach Frankfurt zu bringen, dies aber nur über mehrere Jahre verteilt. Die lange Frist ließ abermals Spekulationen sprießen: War der Zeitraum vielleicht nötig, um das Gold unauffällig am Weltmarkt zusammenzukaufen, weil die Tresore in New York es gar nicht hergaben?
Ein Argument gegen die Heimholung war stets, dass sie einen Riss im Vertrauensverhältnis zwischen den USA und Deutschland provozieren könnte. Fakt ist aber, dass die nicht abreißenden Spekulationen darüber, ob das Gold in Übersee womöglich veruntreut wurde, auf Dauer einen viel tieferen Riss erzeugen dürften. Nur eine rasche Rückführung des Goldes könnte diese Gefahr bannen.