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Die Restaurierung des Amtssitzes des Bundespräsidenten samt Bundespräsidialamt droht zum Milliarden-Projekt zu werden
Als der frühklassizistische Bau des Schlosses Bellevue im Jahr 1786 als Sommerresidenz von Prinz August Ferdinand von Preußen bezugsfertig war, wurde dies von damaligen Zeitgenossen eher als ästhetische Bereicherung des Berliner Tiergartens wahrgenommen denn als Zeichen von Prunk- und Verschwendungssucht. Bellevue war als relativ schlichtes Wohnschloss konzipiert worden; riesige Flügel für hunderte Hofbeamte und vergoldete Rokokofassaden fehlten. Stattdessen war das Schloss einer der ersten Bauten in Preußen, der einen nüchternen, geradlinigen Klassizismus verkörperte – ein Zeichen „preußischer Sparsamkeit“.
Die anstehende Sanierung von Schloss Bellevue als Amtssitz des Bundespräsidenten wird in Glossen und Satiresendungen dagegen bereits als ein weiterer „Berliner Kosten-Klassiker“ verspottet – in einer Reihe mit dem Großprojekt Flughafen Berlin Brandenburg, bei dem der Eröffnungstermin sechs Mal verschoben wurde und sich die Baukosten fast vervierfacht haben.
Im Fall der ab dem Sommer beginnenden Sanierung des Amtssitzes des Bundespräsidenten werden die Kosten derzeit mit mindestens 601 Millionen Euro angegeben. Enthalten sind darin 146 Millionen Euro für Arbeiten am Schloss Bellevue, das schon zwischen 2004 und 2005 umfassend modernisiert worden war, sowie 120 Millionen Euro für die Sanierung eines Verwaltungsbaus, in dem die rund 220 Mitarbeiter des Bundespräsidenten arbeiten. Hinzu kommen umfangreiche Risiko- und Preisreserven, die bei Großprojekten des Bundes mittlerweile üblich sind. Von den Haushältern für Baupreissteigerungen, Sicherheitszuschläge und mögliche Bauzeitverlängerungen eingeplant ist eine Reserve von 259 Millionen Euro. Weitere 205 Millionen sind für einen Neubau vorgesehen, in dem der Bundespräsident während der Sanierungszeit residieren soll. Damit rückt das Projekt in die Größenordnung von rund einer Milliarde Euro. Als groben Zeitplan für die Sanierung nennt das Bundespräsidialamt acht Jahre.
Geschichte des Schlosses
Preußens erster klassizistischer Bau wurde nach Plänen des Architekten und Baumeisters Michael Philipp Boumann in den Jahren 1785 und 1786 errichtet. Der Landsitz sollte als Wohnschloss dienen, repräsentative Ansprüche standen nicht im Vordergrund.
Ab 1844 beherbergte das Schloss mit der „Vaterländischen Galerie“, einem Vorläufer der heutigen Nationalgalerie, das erste Museum für zeitgenössische deutsche Kunst in Preußen. Nach dem Ersten Weltkrieg blieben Schloss und Park sowie die Besitzverhältnisse trotz Novemberrevolution und Abschaffung der Monarchie unverändert. 1928 ging das Schloss vom Haus Hohenzollern in das Eigentum des Freistaates Preußen über. Es fanden wechselnde Ausstellungen statt. Ab 1939 wurde der Bau wieder als Quartier höher gestellter Persönlichkeiten genutzt. Es wurde Gästehaus der Reichsregierung. Zwei Jahre später wurde das Gebäude durch Kriegseinwirkungen stark beschädigt.
Von 1955 bis 1959 wurde der Bau wiederaufgebaut. Während der Bauphase, im Jahr 1957, erhielt das Schloss seine heutige Bestimmung. Der Deutsche Bundestag bestimmte es zum Amtssitz des Bundespräsidenten in der deutschen Hauptstadt. Nach der deutschen Vereinigung und der Entscheidung des Bundestages für seinen Umzug übernahm Bellevue von der Villa Hammerschmidt die Rolle des ersten Amtssitzes des Bundespräsidenten. 1994 zog der damalige Amtsinhaber, Richard von Weizsäcker, von Bonn nach Berlin um.
Nicht nur amtiert, sondern auch gewohnt hat in seinem Berliner Amtssitz seitdem nur Bundespräsident Roman Herzog. Als dienstlicher Wohnsitz steht dem Staatsoberhaupt seit 2004 zusätzlich die Villa Wurmbach in Berlin-Dahlem zur Verfügung.