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Die AfD Sachsen-Anhalt plant diese nun in eine Bildungspflicht zu ändern
Die Schulpflicht ist eines der liebsten Themen der deutschen Politik. Bereits schon im 18. Jahrhundert in Preußen erstmals konsequent eingeführt, ging sie auf die heutigen Bundesländer über – die teils erst seit 2005 eine umfassend definierte Schulpflicht für alle Kinder, auch Zuwandererkinder, kennen und fest in den Gesetzbüchern verankert haben. Die rechtsnationale AfD Sachsen-Anhalt plant jetzt eine kleine bildungspolitische Revolution. Sie will den Unterricht nun durch Eltern von zu Hause aus – sogenanntes Homeschooling – und in kleinen Gruppen erlauben. Regelmäßige Prüfungen sollen die Qualität und Entwicklung der Kinder sicherstellen. Die Partei nennt dabei ausdrücklich andere Länder als ein überaus positives Vorbild.
So ist an der deutschen Schulpflicht kurioserweise manches erklärungsbedürftig. Hier ein paar Beispiele: Ein deutsches Kind mit deutschem Pass darf nicht auf eine deutsche Schule gehen, wenn sein Wohnsitz auch nur ein paar Meter hinter der Grenze in einem EU-Nachbarland liegt. Gleichzeitig muss ein Kind ohne Bezug zu Deutschland oder Sprachkenntnisse, das sich aber wiederum hier aufhält, die Schule besuchen. Das gilt ebenso für Kinder, die durch Schulverweigerung oder extreme Probleme in der Regelschule (bis zu Suizidversuchen) nicht klarkommen. Regeln, die nicht wirklich nachvollziehbar sind.
In Sachsen-Anhalt wird die Schulpflicht nun zum politischen Streitthema, oder wie es die links orientierte ARD-„Tagesschau“ auch nannte, ein Teil eines „Kulturkampfes von Rechts“. Die Pläne beschränken sich nicht auf eine Reform, sodass eine sachliche Debatte kaum zu erwarten ist. Es geht um einen Kampf der Bildungs- und Weltanschauungen.
Der AfD bescheinigen aktuelle Umfragen einen Sieg bei der anstehenden Landtagswahl am 6. September. Ein radikaler Umbau des Bildungssektors einschließlich Ende der Schulpflicht gerät somit erstmals in einem Bundesland in den Bereich des Möglichen.
Tatsächlich machen viele europäische Demokratien vor, dass es wirklich anders geht als in Deutschland. Alles Länder, die mindestens ein ähnliches oder gar inzwischen höheres Bildungsniveau vorweisen können: Großbritannien, Österreich und Frankreich erlauben neben dem Besuch staatlicher oder privater Schulen bereits den Unterricht zu Hause. In der Schweiz gestatten einige Kantone ebenfalls „Homeschooling“. In einer weiteren Staatengruppe ist das Unterrichten in den eigenen vier Wänden zumindest mit Genehmigung möglich, wie in Norwegen oder Neuseeland. Allein Deutschland sperrt sich rigoros.
Vielfalt statt Einfalt
Viele Kinder haben einen entsprechenden Leidensweg vor sich, wenn sie aus verschiedensten Gründen nicht auf die deutsche Regelschule passen. Seien es soziale Defizite, Mobbing, medizinische Diagnosen oder auch Hochbegabung. Denn die einzige Alternative „Privatschule“ ist für viele zu teuer und wird staatlich im europäischen Vergleich kaum unterstützt. Um der Regelschule zu entkommen, bleibt nur der Gang zum Amtsarzt. Für Kinder und Jugendliche eine Tortur ohne Aussicht auf Besserung, denn der gewährt nur zeitlichen Aufschub. Da die Schulpflicht in der Regel vom 6. bis 18. Lebensjahr gilt, gibt es also kein Entkommen. Wer gar nicht klar kommt, versucht durch Wohnortwechsel den zuständigen Behörden zu entfliehen, ein traumatischer Weg, gezeichnet von hohen Bußgeldern an die Eltern bis zu 2.500 Euro je nach Bundesland und polizeilichem Verfolgungsdruck, ohne dass für die Kinder Aussicht auf eine Lösung besteht.
Betroffene deutsche Familien zieht es der Schule wegen daher ins Ausland. In Dänemark, wo keine Schulpflicht, sondern eine Unterrichtspflicht der Eltern besteht, gibt es bereits eine Gemeinde deutscher Schulflüchtlinge. Neben den Leidgeplagten existiert auch eine radikale Unschooling-Bewegung, die Lehrplan- und unterrichtsfreies Lernen von Kindern befürwortet. Die für Heimunterricht zuständigen dänischen Kommunen sind von dem Zuzug aufgrund der mangelnden Wahlfreiheit im Nachbarland allerdings wenig begeistert. Ihnen müssen Eltern, die daheim selbst unterrichten oder Privatlehrer beschäftigen, regelmäßig von ihrer Lehrtätigkeit, Inhalten und Zielen berichten. Regelmäßig werden die Kinder von den Schulexperten der Gemeinden aber mit begutachtet. Verbindliche Lehrziele, soziale Kontakte und die soziale Entwicklung stehen dabei mit im Fokus sowie das Lernen der dänischen Sprache. Anders als die deutsche Pädagogik richtet sich die dänische weniger an Inhalten aus, sondern will die Selbstautonomie fördern. Ein System von Freischulen, teils von Eltern ehrenamtlich mit viel Einsatz am Leben erhalten, trägt zur Vielfalt und Wahlfreiheit bei. Schulen mit gänzlich anderer Didaktik und Schwerpunkten als staatliche sind hier also Alltag.
Während Deutschland sich politisch intensiv mit dem Schulzugang von Asylsuchern beschäftigt, tritt das Thema Schulflucht aus Deutschland kaum öffentlich in Erscheinung. Zahlen dazu, wie viele der Schule wegen ihren Wohnsitz verlagern, gibt es nicht.
Während die AfD mit der Modifizierung der Schulpflicht aber auch die „Regenbogenideologie bekämpfen“ will, sind es gerade queere und transgender Kinder sowie Jugendliche, die nach Mobbing Zuflucht in Ländern wie Dänemark finden, wo andere tolerantere Beschulungsmöglichkeiten längst umgesetzt sind. Die Änderung der Schulpflicht allein dürfte somit nicht gleich das Ende der deutschen Bildungswelt sein.
Jan Kerzel am 04.05.26, 07:00 Uhr
Die staatlich verordnete Schulpflicht ist in den Schulkasernen abzuleisten. Es versteht sich von selber, dass viele Eltern und deren Kinder von einem gewissen Unwohlsein erfasst werden. Erfreulicherweise werden Alternativen in Erwägung gezogen und auch realisiert. Nicht wenige entscheiden sich deswegen sogar für eine Auswanderung. Systemintern ist es sinnvoll, wenn man feststellt , man ist am falschen Ort, die Schule zu wechseln, auch mehrmals. In der Praxis wird meist versucht, den Schüler zurecht zu biegen, bis er eben reinpasst oder resigniert. Das ist der falsche Weg. Love it or leave it! Eine Änderung und Verkürzung der allgemeinen Schulpflicht erscheint mir sinnvoll. 14 Jahre höchstens! In anderen Ländern ist man da problemlos heiratsfähig. Ich sehe die Perspektiven für die junge Generation in einem leistungsfähigen und flexiblen beruflichen Schul- und Schulungswesen. Die Vielfalt des beruflichen Schulwesens erfasst Neigungen, Interessen und Fähigkeiten wesentlich besser als der Einheits-Facon-Schnitt der allgemeinen Schulen. Input ( Zeit, Energie) und Output ( Ergebnis, Zufriedenheit, Perspektive) müssen halbwegs zusammenpassen. Vieles ist vorhanden, aber die Masse schnallt es nicht. Ich denke hier auch an die vielen Möglichkeiten des Fernunterrichts.
Peter Wendt am 28.04.26, 20:02 Uhr
In vielen modernen (?) Familien haben längst die Männer die Rolle der Mütter übernommen und managen neben dem Beruf, auch den Haushalt und die Kinder. Frauen sind immer weniger sichtbar in den Familien. Dazu kommt, dass viele Väter im Home Office arbeiten, sich die Zeit also auch nehmen können. Ich fände es toll wenn sich „Home schooling“ in Deutschland durchsetzen würde. Eine Chance Kinder wieder an Selbstbestimmung und Eigenverantwortung heranzuführen, ohne den ganzen ideologischen Schutt deutscher sog. Bildungspolitik.)