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Plötzlich drehen linke Tatverdächtige den Spieß um – die Anonymität des Milieus erschwert die Ermittlungen
Nach einer Serie von schweren Anschlägen auf die Stromversorgung und die Bahninfrastruktur ist jahrelang ohne Erfolg ermittelt worden. Nun gibt es offenbar erstmals eine konkrete Spur zu mutmaßlichen Tätern aus dem linksextremen Milieu. Aber: Eine juristische Hürde könnte den erhofften Durchbruch bei den Ermittlungen verhindern.
Ins Visier von Polizei und Staatsanwaltschaft sind zwei Männer und zwei Frauen im Alter zwischen 28 und 36 Jahren gerückt, gegen die wegen des Anschlags auf zwei Strommasten im Berliner Südosten im September 2025 konkret ermittelt wird. Der Anschlag hatte zu einem knapp 60 Stunden dauernden Stromausfall in Teilen Berlins geführt, von dem zeitweise rund 50.000 Haushalte, Tausende Gewerbebetriebe sowie der Technologiepark Adlershof betroffen waren. Allein bei dem hat der Terroranschlag nach Schätzungen der Betreibergesellschaft durch beschädigte Maschinen, Datenverluste und nicht eingehaltene Aufträge Schäden von bis zu 70 Millionen Euro hinterlassen.
Im Zuge der Ermittlungen haben im März rund 500 Polizisten 17 Wohnungen und andere Objekte in Berlin, Hamburg, Düsseldorf und Kyritz in Brandenburg durchsucht. Sichergestellt haben die Beamten bei diesen Einsätzen Mobiltelefone, Computer und weitere Datenträger. Laut Medienberichten wurden bei den Durchsuchungen aber auch hochprofessionelle Technik zur Observation und zur Abwehr von Überwachungsmaßnahmen entdeckt. Die Qualität der gefundenen Ausrüstung würde jeden Geheimdienst vor Neid erblassen lassen, so eine Einschätzung aus Sicherheitskreisen.
Inzwischen stehen die Ermittler allerdings vor einem Problem. Die Verdächtigten drehen nun den Spieß dreist um und gehen juristisch gegen die Durchsuchungen und die Auswertung der sichergestellten Geräte vor. Das bestätigte die Generalstaatsanwaltschaft Berlin.
Sollten die Beschwerden Erfolg haben, müssten möglicherweise Beweismittel zurückgegeben werden. Sie würden für das weitere Verfahren ausfallen. Festnahmen hat es bislang nicht gegeben.
Auch im Verfahren zum Anschlag auf die Stromversorgung im Berliner Südwesten Anfang Januar 2026 verfolgt das Bundeskriminalamt inzwischen offenbar konkrete Spuren zu namentlich bekannten Tatverdächtigen. Bei dem Brandanschlag auf eine Kabelbrücke am Heizkraftwerk Lichterfelde am 3. Januar 2026 fiel für mehr als 100.000 Menschen bei winterlichen Temperaturen der Strom und teilweise auch die Heizung aus. Erst am 7. Januar konnte die Stromversorgung wieder komplett hergestellt werden.
„Antifa Ost“ auf Terrorliste
Für die US-Regierung steht dieser Stromausfall beispielhaft für eine Gefahr, die nach ihrer Einschätzung lange unterschätzt worden ist.: „Sie sind heute hier, weil in Berlin im vergangenen Winter fünf Tage lang die Lichter ausgingen – der längste Stromausfall der Stadt seit dem Zweiten Weltkrieg.“ Mit diesem Satz rückte US-Außenminister Marco Rubio den Anschlag auf das Berliner Stromnetz von Anfang Januar ins Zentrum einer internationalen Konferenz in Washington. Vertreter aus mehr als 60 Staaten waren auf Anregung der US-Regierung zusammengekommen, um über den Kampf gegen linksextremistischen Terrorismus zu beraten. Auf der Konferenz erklärte Außenminister Rubio, linksextreme Gewalt stelle bislang noch immer einen blinden Fleck der Terrorismusbekämpfung dar. Die islamistische Bedrohung sei durch die internationale Zusammenarbeit dagegen bereits erheblich zurückgedrängt worden.
Washington hat sein Vorgehen gegen linksradikale Gruppen bereits im vergangenen Jahr verschärft. Präsident Donald Trump erklärte im September Antifa-Strukturen in den USA zu Terrororganisationen. Im November setzte die US-Regierung anschließend vier europäische Gruppierungen auf die Liste ausländischer Terrororganisationen, darunter die deutsche „Antifa Ost“. Sie soll zwischen 2018 und 2023 zahlreiche Angriffe auf Personen verübt haben, die sie als „Faschisten“ oder Angehörige der „rechten Szene“ betrachtete. Auf der US-Terrorliste stehen zudem Organisationen wie die Hamas, Al-Kaida und die Hisbollah.
Klimapolitisch motivierte Sabotage
Im Mai 2026 organisierte die US-Regierung dann ein internationales Treffen, bei dem Ermittler gemeinsame Strategien zur Zerschlagung linksextremistischer Netzwerke erörterten. Eine Folgeveranstaltung soll nach Rubios Ankündigung zusammen mit den „Partnern in Deutschland“ ausgerichtet werden. Wann und an welchem Ort das Treffen stattfinden wird, ist noch offen.
Felix Neumann, Referent für Extremismus- und Terrorismusbekämpfung bei der Konrad-Adenauer-Stiftung geht von einer weiter wachsenden Gefahr im Bereich der klimapolitisch motivierten Sabotage aus. „Da sehen wir, dass das Gewaltausmaß und der Schaden, der verursacht wird, von Jahr zu Jahr steigt“, so der Extremismusexperte gegenüber dem rbb-Inforadio. Gleichzeitig sind Ermittlungen im linksextremen Milieu sehr schwierig, weil es sehr viel anonymer ist.