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Der Wochenrückblick

Nebulöse Mächte

Was Strack-Zimmermann in der FDP (ver)sucht, und wo plötzlich gute Einsichten aufblühen

Hans Heckel
06.06.2026

Manchmal beschleicht einen der Verdacht, als habe eine nebulöse höhere Macht es sich in den Kopf gesetzt, die Traditionsparteien der alten Bundesrepublik alle miteinander in den Orkus zu schicken. Sie geht dabei listig vor wie ein fieser Dämon: Der baut sich nicht offen vor seinen Opfern auf. Nein, er verhext sie, damit sie ihren eigenen Ruin selbst bewerkstelligen, ohne die Falle zu bemerken.

Bei Wahlparteitagen läuft es normalerweise immer gleich ab: Der unterlegene Kandidat fürs Spitzenamt gratuliert dem Siegreichen und bittet seine enttäuschten Anhänger, den Gewinner nun nach Kräften zu unterstützen, auf dass die Partei zusammenstehe. Und der Gewinner lobt seinen unterlegenen Konkurrenten über den grünen Klee, bietet ihm einen schicken Posten in der Führung (unter ihm, versteht sich) an und schmeichelt den Anhängern des Verlierers nach Kräften.

Dass die Schleimerei auf beiden Seiten nicht so ernst gemeint ist und die Harmonie vor allem der Fassade dient, wissen alle. Aber das macht nichts, die Seelenmassage ist wichtig und tut trotzdem gut. Sie hinterlässt nämlich ein gutes Gefühl, was sehr wichtig ist in einer Partei.

So waren wir es gewöhnt. Dann kam der FDP-Parteitag. Dass Marie-Agnes Strack-Zimmermann wie Kai aus der Kiste sprang, statt ihre Kandidatur wie üblich lange vorher anzukündigen, hatte schon etwas Bemerkenswertes. Welche Giftpfeile sie jedoch nach ihrer Niederlage gegen Wolfgang Kubicki abschoss, lässt Rückschlüsse zu, in wen der Dämon gefahren ist, der die FDP zur Selbstzerstörung treiben will.

Was sie nach ihrer Niederlage sagte, klang in etwa so: Ich bin ab jetzt der Heckenschütze, der den Wolfgang im Visier hält, um jederzeit abdrücken zu können. Und vier von zehn FDP-Funktionären werden meine Büchsenspanner sein. Also nimm dich in Acht, elender Kubicki! Der Angesprochene gab zurück, dass er vorbereitet sei und sich sehr wohl zu wehren wisse.

So also lässt er sich an, der „Aufbruch zur liberalen Erneuerung“, der von dem Parteitag ausgehen sollte. Prost Mahlzeit!

Wobei wir uns ernsthaft die Frage stellen, ob eine Strack-Zimmermann nicht ohnehin seit Jahren auf der falschen Party tanzt. Hinter ihrer Heckenschützendrohung gegen den neuen Parteichef blitzt dieselbe autoritäre Aufpasser-Allüre hervor, für die sie schon lange bekannt ist – und die mit „Liberalismus“ herzlich wenig gemein hat. Viele erinnern sich an die Szene bei einer Kundgebung in Ravensburg 2024. Als ein Maschinenbauer ihr vorhielt, sie vernichte Arbeitsplätze, knallte sie dem verdatterten Mann vor den Latz: „Weiß Ihr Chef, was Sie hier machen? Sagen Sie mir doch mal Ihre Firma!“

Diese Verhör- und Denunzianten-Art ist genau das, wogegen Liberale seit Beginn ihrer Geschichte mit Feuereifer gekämpft haben. In weniger verrotteten Tagen wäre die Dame dafür im hohen Bogen aus ihrer Partei geflogen. Kubicki hat viel zu tun, wenn er den auf Abwege geratenen Laden wieder in die Spur seiner ehrwürdigen Bewegung bringen will. Ob er's schafft?

Hm, mal sehen. Dabei wäre die Zeit für die Liberalen wie geschaffen, sofern man ihnen abnimmt, dass sie auch dazu stehen, wovon sie so gern reden, etwa zur Marktwirtschaft.

Die Ankunft der rauen Wirklichkeit lässt marktwirtschaftliche Einsichten nämlich mit einem Mal in Sphären aufblühen, wo wir sie niemals vermutet hätten. Ausgerechnet der Sozialverband Deutschland (SoVD) macht sich plötzlich Sorgen um die deutschen Vermieter. SoVD-Chef Michaela Engelmeier warnt gegenüber der „Bild“, dass „Eigentümer aufgrund des Kostendrucks ihre Immobilie eher verkaufen, statt zu vermieten“.

„Macht doch euern Dreck alleene!“

Auslöser der anschwellenden Panik ist wohl, dass der Eigentümerverband Haus&Grund eben gerade öffentlich vorgerechnet hat, dass bis zu drei Millionen Wohnungen vom Mietmarkt verschwinden könnten, weil sich das Vermieten wegen des Heizungsgesetzes nicht mehr lohnt. Die Kostenrisiken würden „unkalkulierbar“, so Haus&Grund-Präsident Kai Warneke.

Es war übrigens der SoVD, der einen knallharten Mietendeckel gefordert hat und zudem darauf bestand, dass die Kosten des Heizungsgesetzes nicht auf die „Mieter*innen“ umgelegt werden dürften. Mit anderen Worten: Die Vermieter sollten ihre Einnahmen nicht mehr marktgerecht verbessern dürfen und überdies alle Zusatzkosten der „Klimaschutzpolitik“ gefälligst allein tragen. So sieht er eben aus, der sozialistische Feldzug gegen das „Kapital“ und für mehr „Umverteilung und soziale Gerechtigkeit“, dem sich alle verschieben haben, die aus Mietern „Mieter*innen“ machen.

Dabei fußt ihre Kampfansage auf einer Voraussetzung, die für ihren Erfolg leider unabdingbar ist: Nämlich, dass sich die „Kapitalisten“ regungslos ausweiden lassen – und zudem fleißig weiter arbeiten, sparen und investieren, damit auch künftig immer genug zum Ausweiden nachwächst.

Aber nun könnte es geschehen, das bis zu drei Millionen Opferlämmer blöken: „Dann macht doch euern Dreck alleene!“ Und ihre vermieteten Wohnungen zum Kauf anbieten, worauf zum Großteil künftige Selbstnutzer anspringen könnten, weshalb diese Wohnungen dann vom Mietmarkt verschwunden wären. Wie gemein von den Vermietern!

Unweigerlich schießen einem die weisen Worte von Margaret Thatcher wieder durch den Kopf, die einst erkannte: „Das Problem mit dem Sozialismus ist, dass Dir am Ende das Geld der anderen Leute ausgeht.“ Ersetzen Sie „Geld“ durch „Wohnungen“ und Sie erkennen, in welch tragische Situation sich der linke Sozialverband gerade schlittern sieht.

Wobei es mit dem Geld auch nicht besser aussieht. „Tax the Rich“ lautet eine Lieblingsparole der Linkspartei: Besteuert die Reichen, womit indes eine (zumindest sehr weitgehende) Enteignung gemeint sein dürfte. Kommt gut an bei vielen Leuten – solange sie nicht auf Thatchers „Ende“ blicken.

Die Forderung wurzelt in alten Klassenkampf-Tagen, als großer Privatreichtum überwiegend aus Landbesitz bestand. Oder aus Fabriken, die sich weitgehend im Inland befanden. Land kann nicht weglaufen, und Fabriken auch nur schlecht, also konnte man sich nach der roten Machtübernahme beides unter den Nagel reißen.

Heute dagegen wandern die ganz großen Vermögen durch die Weltfinanzmärkte, oder sie sind in Industriekonzernen investiert, deren Standorte ebenfalls global verstreut sind. Wird es in einem Land zu ungemütlich, ist das Kapital ganz schnell weg.

Die breite Mittelschicht hat ihr Geld dagegen in kleinen Betrieben und vor allem in Wohnimmobilien. Da ist es schlecht mit Weglaufen. Daher wissen wir schon, wen „Tax the Rich“ am Ende treffen wird. Und wenn alles verprasst ist und alle (gleich) arm sind, fragen wir uns, welche nebulöse Macht uns bloß geritten hat, die Roten zu wählen.


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Kommentare

sitra achra am 13.06.26, 14:22 Uhr

Es sieht so aus, dass man weder aus den Fehlern der NS-Zeit noch auch aus denen der sozialistischen Zwangsherrschaft etwas gelernt hat. Auch dass der bürgerliche Mainstream immer noch auf die hohlen verstaubten Parolen des Sozialneids hereinfällt, macht einen mehr als stutzig. Quo vadis, Germania?

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