01.04.2026

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Innig geliebt und verehrt: Anlässlich ihres 250. Geburtstag widmet das Ozeanmuseum der preußischen Königin eine Ausstellung mit sehenswerten Exponaten
Bild: C.W.Innig geliebt und verehrt: Anlässlich ihres 250. Geburtstag widmet das Ozeanmuseum der preußischen Königin eine Ausstellung mit sehenswerten Exponaten

Königin Luise in Königsberger Ausstellung

Preußisches Ideal oder nur eine schöne Legende?

Das Ozeanmuseum zeigt im Ausstellungsraum des ehemaligen Packhauses unter anderem seltene Exponate aus St. Petersburg

Carsten Kallweit
01.04.2026

Königin Luise ist heute ein fester Bestandteil der regionalen Geschichte im nördlichen Ostpreußen und eine lebendige kulturelle Brücke zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Warum inspiriert ihr Bild seit zwei Jahrhunderten Dichter, Schriftsteller und Künstler und fasziniert Historiker und einfache Menschen bis heute? War sie wirklich so ideal, dass sie zu einem mythischen Symbol wurde, oder ist sie lediglich eine schöne Legende?

Preußens Königin Luise war eine ungewöhnliche Frau – schön und charmant, verehrt und bewundert. Legenden und Mythen umranken bis heute diese außergewöhnliche Gestalt. Nie vorher und nie nachher hatte Preußen eine so beliebte Monarchin – sie war Preußens Königin der Herzen.

Luise Auguste Wilhelmine Amalie von Mecklenburg-Strelitz wurde vor 250 Jahren, am 10. März 1776, in Hannover geboren. Ihre Kindheit und Jugend hat sie in Hannover und Darmstadt verbracht. Erst mit zwanzig Jahren wird sie das Land, dessen Namen sie trägt, das erste Mal betreten.

Viele Sehenswürdigkeiten in und um Königsberg sind mit dem Namen der Königin Luise verbunden. In Königsberg sind dies die Königin-Luise-Gedächtniskirche (heute das Puppentheater) und das Fort Nr. 6 im Westen der Stadt. In Cranz erinnert an sie eine Büste neben der von ihrem Sohn gepflanzten Ulme sowie eine Gedenktafel am Haus, wo sie auf der Flucht nach Memel übernachtet hat, aber auch ein nach ihr benanntes Nobelhotel. In Tilsit kennt jeder die berühmte Luisenbrücke und ihr Denkmal im Stadtpark. Das Denkmal von Gustav Eberlein wurde Anfang des 20. Jahrhunderts errichtet. Es überstand den Krieg, ging aber später verloren. Lange Zeit stand eine Gipsfigur eines Fußballspielers auf dem Sockel. Vor zwölf Jahren schufen zwei Petersburger Bildhauer anhand erhaltener Vorkriegsfotos eine detailgetreue Replik. Die feierliche Einweihung des restaurierten Denkmals für Königin Luise fand im Juli 2014 statt.

Viele Sehenswürdigkeiten sind mit dem Namen der Königin verbunden
Aus Anlass des 250. Geburtstages dieser außergewöhnlichen Frau wurde am 10. März im Ausstellungsraum „Packhaus“ des Königsberger Ozeanmuseums die Ausstellung „Königin Luise: Ideal oder schöne Legende?“ eröffnet. Die Ausstellung lädt die zahlreichen Besucher ein, die Frage des Ausstellungstitels für sich zu beantworten und Luise nicht nur als eine politische Figur, sondern auch als eine elegante Frau mit einzigartigen Charakterzügen und persönlichen Vorlieben kennenzulernen.

Die Ausstellung ist ein Gemeinschaftsprojekt des Königsberger Ozeanmuseums und der Museen in der ehemaligen Zarenresidenz Zarskoje Selo bei Sankt Petersburg. Sie zeigt außerdem Exponate aus dem Museum des Tilsiter Friedens und aus Privatsammlungen.

Etwa fünfzig Exponate wurden aus Zarskoje Selo ausgeliehen, darunter einige sehr interessante Einzelstücke. Zum Beispiel eine Reisewaffengarnitur aus dem frühen 19. Jahrhundert, bestehend aus zwei großen und zwei kleinen Pistolen samt Utensilien. Der Legende nach überreichte Napoleon diese Garnitur dem russischen Kaiser Alexander I. bei der Unterzeichnung des Friedensvertrags von Tilsit im Jahr 1807. Besonders sehenswert ist der Offiziersmantel, den Alexander I. wiederum König Friedrich Wilhelm III. von Preußen, dem Ehemann von Königin Luise, während der Freiheitskriege schenkte. Anhand von Briefen, Tagebüchern und Kunstwerken erfahren die Besucher mehr über die damalige Epoche. Die Ausstellung präsentiert Alltagsgegenstände, darunter auch aus Bernstein, alte Landkarten, Skulpturen, Gemälde und Grafiken europäischer Künstler des späten 18. und des frühen 19. Jahrhunderts. Diese veranschaulichen den künstlerischen Geschmack jener Zeit und lassen die Besucher in die Geschichten und Legenden um die angesehene Königin eintauchen. Die blauen Kornblumen schmücken als die Lieblingsblumen der Königin überall die Ausstellungsräume im alten „Packhaus“, das früher ein Teil des ehemaligen Königsberger Zollamtes war.

Die Museumsdirektorin betonte bei der Ausstellungseröffnung die enge Verbindung der Königin Luise mit der russischen Geschichte, denn ihre älteste Tochter Charlotte heiratete den späteren russischen Kaiser Nikolaus I. und konvertierte als Alexandra Fjodorowna zum orthodoxen Glauben. Diese Ehe festigte die freundschaftlichen Beziehungen zwischen den beiden Dynastien und die preußisch-russische Allianz, die sich in den Freiheitskriegen gegen Napoleon auch als Waffenbrüderschaft bewährt hatte.

Der Enkelsohn von Königin Luise, Zar Alexander II., hat 1861 die russischen Bauern aus der Leibeigenschaft befreit und gilt in der russischen Geschichtsschreibung als „Zar der Befreier“. „Wer den Besten seiner Zeit genuggetan, der hat gelebt für alle Zeiten“, so handelte Königin Luise getreu dem Schiller-Zitat. Sie bleibt für alle Zeiten ein leuchtendes Bild hoher Fürstentugend, das nicht hervorragt durch außerordentliche Taten, sondern durch treue Pflichterfüllung als Mutter und Gattin und durch wahrhaftige Beglückung ihres Volkes.


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