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Das Weltwirtschaftsforum hat seinen „Global Risk Report“ für 2026 vorgestellt. An erster Stelle sorgen sich die befragten Experten und Entscheidungsträger um die Stabilität der internationalen Ordnung
Das Weltwirtschaftsforum (World Economic Forum, kurz WEF) ist durch seine pompösen Jahrestreffen in Davos weltbekannt: So nahmen im Januar 2026 fast 3000 Führungskräfte aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft an dem Spektakel teil, darunter 65 Staats- und Regierungschefs.
Daneben nutzt das WEF als Schweizer Stiftung und Lobbyorganisation seinen üppigen Jahresetat von rund einer halben Milliarde Euro auch dazu, alljährlich einen „Global Risk Report“ (GRR) zu veröffentlichen. Der Bericht soll vor Risiken von weltweiter Relevanz warnen. Dazu konsultiert das Forum rund 1500 Fachleute und Entscheidungsträger, die mitteilen sollen, welche Entwicklungen in den Bereichen Wirtschaft, Umwelt, Weltpolitik, Gesellschaft und Technik ihnen am meisten Bauchschmerzen bereiten. Dabei schält sich eine wachsende Nervosität heraus, die auch den diesjährigen Bericht prägt.
So zeigen sich Entscheidungsträger und Experten seit 2020 erheblich verunsichert, weil sie stürmische Zeiten erwarten – und zwar auch mittelfristig bis 2036. Lediglich jeder hundertste Befragte geht davon aus, dass auf der Welt bald wieder mehr Ruhe herrschen wird, während der Rest anhaltende Turbulenzen befürchtet.
Was die konkret genannten Risiken betrifft, rangiert die „geoökonomische Konfrontation“ an erster Stelle: Ständig wachsende Rivalitäten zwischen Staaten oder Systemen, instabile Lieferketten innerhalb einer stark vernetzten Weltwirtschaft, bröckelnde alte und fragile neue Allianzen, Protektionismus und Abschottung, Lieferboykotte und Sanktionen sowie die weltweit sinkende Fähigkeit, auf ökonomische Schockereignisse schnell und angemessen zu reagieren, sorgen bei der Mehrzahl der Fachleute für massive Beunruhigung.
Krieg verdrängt Klima
Auf Platz 2 liegen bewaffnete Konflikte zwischen Staaten, wobei die vom WEF Befragten hier öfter ein kurzfristiges als ein langfristiges Risiko sehen – allerdings äußerten sie ihr Urteil noch vor dem Ausbruch des Golfkriegs zwischen den USA und Israel auf der einen und dem Iran auf der anderen Seite. Auf jeden Fall verdrängte die Kriegsangst die Sorge vor extremen Wetterereignissen beziehungsweise dem diesen angeblich zugrunde liegenden Klimawandel vom Platz 2 auf Rang 3.
An vierter Stelle der größten angenommenen globalen Risiken steht im Risikobericht für 2026 die zunehmende politische und soziale Polarisierung in aller Welt, die den Druck auf die demokratischen Systeme erhöhe und extremistische Bewegungen aller Art stärke, wobei das Wort „Islam“ verblüffenderweise nicht ein einziges Mal fällt. Stattdessen weist der Report auf die Entfremdung zwischen den Bürgern und dem Staat sowie den Politikern hin. Eine wichtige Rolle misst der GRR 2026 dabei angeblichen Fehl- und Desinformationen zu, welche dann auch gleich Platz 5 belegen und ganz maßgeblich Technologiekonzernen wie Meta und X angelastet werden.
Rang 6 in der Folge der prognostizierten Risiken gebührt dem „wirtschaftlichen Abschwung“ – verursacht durch ein weltweites Nachlassen der Konjunktur infolge verschiedener Faktoren, die vielfach in Verbindung mit anderen Risiken stehen. Auf Platz 7 tauchen die Menschenrechte auf, um die es nach Ansicht der Experten auch nicht sonderlich gut bestellt ist, was zu unkalkulierbaren Auswirkungen aller Art führen könne.
An achter und neunter Stelle finden sich die negativen Folgen des Einsatzes der Künstlichen Intelligenz sowie die Konsequenzen mangelnder Cybersicherheit. Und Platz 10 belegt „Ungleichheit“ jeglicher Art. Sie wird als zunehmendes Problem wahrgenommen, weil sie die Quelle von Unzufriedenheit und sozialökonomischen Konflikten sein soll.
Selbsterfüllende Prophezeiung?
Weitere Risiken scheinen den Experten weniger gravierend zu sein. Hierzu gehören in genau dieser Reihenfolge:
– Die Arbeitslosigkeit und das Fehlen wirtschaftlicher Entfaltungsmöglichkeiten.
– Die Konzentration auf einige wenige strategisch wichtige Technologien.
– Plötzliche Veränderungen der Ökosysteme, der Rückgang natürlicher Ressourcen.
– Beeinträchtigungen der Kritischen Infrastrukturen.
– Das Platzen von Börsenblasen.
– Zu hohe Schulden.
– Verschlechterung der Volksgesundheit.
– Unfreiwillige Migrationsbewegungen.
– Der Verlust der Artenvielfalt.
– Bedrohungen durch atomare, biologische und chemische Waffen.
– Inflation.
– Umweltverschmutzung.
– Ineffiziente öffentliche Infrastrukturen.
– Pandemien.
– Umweltkatastrophen, die nicht irgendwie mit dem Wetter in Verbindung stehen.
– Zensur und Überwachung.
– Organisierte Kriminalität.
– Innerstaatliche Gewalt.
– Mangel an Arbeits- beziehungsweise Fachkräften.
Wie in den Jahren zuvor, stieß auch der GRR 2026 auf deutliche Kritik. Zum einen entzündete sie sich wieder an der fragwürdigen Auswahl der vermeintlichen Experten, von denen drei Viertel aus Europa und Nordamerika kommen. Zum anderen geht es um die Gefahr, dass die Berichte zu selbsterfüllenden Prophezeiungen mutieren. Und tatsächlich: Wenn Wirtschaftsführer die Realität der aufgelisteten Risiken glauben, könnten sie Entscheidungen danach ausrichten und so etwa die Rohstoffknappheit infolge der Umstellung auf Techniken zur Abwendung der vermeintlichen Klimakatastrophe verschlimmern. Ebenso lassen Politiker mit Kriegsangst natürlich aufrüsten, was Konflikte mit Nachbarn heraufbeschwören kann, die den militärischen Aufwuchs als unmittelbare Bedrohung auffassen.
Außerdem wären da noch die Journalisten, welche die Öffentlichkeit angesichts des zu erwartenden Ungemachs aufrütteln wollen, wobei sie aber oft zu Alarmismus neigen, der sogar Fehlentwicklungen noch verstärken kann. Insofern sollte der Global Risk Report ernst genommen werden als das, was er ist: eine Einschätzung aus profunden Kreisen zwar, aber keine solide Prophezeiung. Die Zukunft kam schon oftmals ganz anders, als gedacht.