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Eine ständige Ausstellung von historischen Leuchtkörpern im Tiergarten bietet einen Überblick über die Geschichte und Entwicklung der städtischen Beleuchtung
Wer einen Rundgang durch das 1978 gegründete Gaslaternen-Freilichtmuseum im Berliner Tiergarten unternimmt, wird dort rund neunzig historische Exemplare finden – Originale und Nachbildungen –, die in der Zeit zwischen 1826 und 1956 in 25 deutschen und elf nichtdeutschen Städten Europas standen. Besonders eindrucksvoll ist ein Besuch in der Dunkelheit, wenn die Laternen leuchten. 200 Jahre ist es nun her, dass in der preußischen Hauptstadt die ersten Gaslaternen die bis dahin verwendeten Öl- und Talglampen ersetzten.
Schon lange vorher, im Jahre 1678, hatte der Große Kurfürst angeordnet, dass abends an jedem dritten Haus seiner Haupt- und Residenzstadt eine Laterne mit einem brennenden Licht auszuhängen sei. Weil viele Bürger diese Anordnung aber nur unzureichend befolgten, kam es schließlich zur Aufstellung fester Laternen, die allmählich weiterentwickelt wurden. So stattete man sie bald zum Windschutz mit Glasscheiben aus. Später wurde die Leuchtkraft durch Spiegel (Reflektoren) verstärkt. Nach einer eigens erlassenen Brennordnung von 1682 sollten die Laternen nur im Winter und nicht bei vollem Mondschein betrieben werden. Das abendliche Anzünden und die Wartung dieser Öllampen erfolgten durch sogenannte Anstecker bzw. Lampenversorger.
Im 18. Jahrhundert gelang es in mehreren europäischen Staaten, brennbares Gas zu gewinnen. Und so leuchtete 1785 in den Niederlanden die erste funktionierende Gaslampe. Auch in Würzburg (1786), in Schottland (1792) und in Paris (1799) experimentierten Forscher mit der Erzeugung von Gas zum Zweck der Beleuchtung. Dieses Gaslicht kam zunächst in Fabrikgebäuden zum Einsatz.
Berlin folgte Hannover
1804 erhielt der in Großbritannien lebende deutsche Gaspionier Friedrich Albrecht Winzer – dort als Frederick Albert Winsor bekannt – von König Georg III. das Privileg, Gas zur Straßenbeleuchtung zu verwenden. Und 1807 wurde die Prachtstraße Pall Mall in der Londoner City of Westminster versuchsweise auf einer Seite mit Gaslampen beleuchtet. Zu Silvester 1813 erstrahlte dann sogar die Westminster Bridge im Gaslicht. Ein Vierteljahr später, am 1. April 1814, ersetzte man schließlich im Londoner Stadtviertel St. Margareth die Öllampen durch Gaslaternen. Dieses gilt als Datum der weltweit ersten öffentlichen gasbetriebenen Straßenbeleuchtung.
In Deutschland leuchtete 1811 im sächsischen Freiberg erstmals eine Gaslaterne an einem Wohnhaus. Hannover und Berlin waren dann die ersten Städte, in denen die britische Imperial Continental Gas Association 1825 den Betrieb mit der Gasversorgung aufbaute und die entsprechende Straßenbeleuchtung bereitstellte. Am 12. August 1826 gab es in Hannover anlässlich des Geburtstages von König Georg IV. eine Probebeleuchtung. Am 2. September begann dort die öffentliche Gasbeleuchtung. Berlin folgte nur wenig später am 19. bzw. 20. September 1826, als 27 Gaslaternen den Boulevard Unter den Linden ausleuchteten. Dazu war Anfang des Jahres an der Gitschiner Straße (heute Stadtteil Kreuzberg) ein Stadtgaswerk errichtet worden.
1829 zählte Berlin schon 1800 sogenannte Camberwell-Laternen. Bei diesen nach dem Londoner Stadtteil Camberwell benannten Importen aus Großbritannien handelte es sich um Gasbeleuchtung im Stil der englischen Neogotik. Die Laternen standen auf einem gusseisernen Dreier-Bündelpfeiler-Mast.
Die Gasbeleuchtung von Straßen und Fabriken war ein wichtiger Faktor für die Industrialisierung Preußens und seiner rasch expandierenden Hauptstadt. Der öffentlichen Beleuchtung folgte bald die Gasversorgung von Privathaushalten, nicht nur für Gaslampen, sondern auch zum Heizen und Kochen.
Düsseldorf ist eine Hochburg
1828 bekamen auch Dresden und Frankfurt am Main eine Gas-Straßenbeleuchtung, 1838 Aachen und Leipzig, und 1850 waren bereits 26 deutsche Städte damit versehen, darunter Breslau, Düsseldorf, Hamburg, Mannheim, München und Stuttgart. Von den Bewohnern der Großstädte wurde die neue Erfindung nicht nur als technischer Fortschritt gefeiert, sondern auch als Schutz vor lichtscheuen Elementen und vor Fehltritten in der Finsternis gesehen und trug damit zu einem erhöhten Sicherheitsgefühl bei.
Anfänglich wurden die Gasleuchten von Laternenanzündern angezündet, die auf einer an Bolzen angelehnten Leiter emporstiegen. Für den Betrieb und die Wartung gab es in Berlin 84 Laternenanzünder, die unter der Aufsicht von fünf Offizieren und einem Feldwebel standen. Sie waren auch für die noch weiter verwendeten Öllampen zuständig, die erst nach und nach für den Gasbetrieb umgebaut wurden. Später erfolgte eine Automatisierung, sodass es keiner Laternenanzünder mehr bedurfte. Ab 1892 stellten die 1847 gegründeten Städtischen Berliner Gaswerke, die heutige GASAG, die sogenannten Schinkel-Laternen auf, die ihren Namen gusseisernen Schmuckelementen im klassizistischen Stil der Schinkel-Zeit verdankten.
Im Mai vergangenen Jahres gab es in Berlin immerhin noch 17.500 Gaslaternen. Sie sollen allerdings bis auf einen kleinen Rest nach und nach gegen eine moderne Straßenbeleuchtung ausgetauscht werden. Düsseldorf hat mit knapp 14.000 nostalgischen Exemplaren vom Typ „Alt-Düsseldorf“ die meisten Gaslaternen pro 1000 Einwohner. Als historisches Kulturgut gehören sie zur Stadtidentität und sind denkmalgeschützt. Mit Ausnahme von 200 dieser Laternen sollen die übrigen bald auf LED-Technik umgerüstet werden. Dabei soll jedoch das Äußere aus Gründen des Denkmalschutzes erhalten bleiben.