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An Venezuela wird deutlich, wie der US-Präsident wirklich tickt – Hauptsache das Geschäft wird abgeschlossen, auch gern mit den übelsten Regimen
Donald Trump hat nie einen Hehl daraus gemacht, wie er Politik versteht. Schon lange bevor er ins Weiße Haus einzog, definierte er Erfolg nicht über Institutionen, Bündnisse oder normative Ordnungsvorstellungen, sondern über den Abschluss von Geschäften. Diese Denkweise prägt bis heute seine Regierungsführung – besonders in der Außenpolitik. Was sich dabei zunehmend zeigt, ist weniger eine ideologisch geprägte Linie als vielmehr ein konsequent durchgehaltener No-Policy-Ansatz: Politik wird zum Vehikel persönlicher und kurzfristiger Vorteile, strategische Langfristigkeit tritt in den Hintergrund.
Trumps außenpolitisches Handeln folgt dabei einer klaren Logik. Er agiert nicht als klassischer Staatsmann, sondern als Verhandler, der internationale Beziehungen wie bilaterale Verträge behandelt. Loyalität, Werte oder geopolitische Konsequenzen spielen für ihn eine – wenn überhaupt – absolut untergeordnete Rolle, solange ein Deal zustande kommt, der sich öffentlich als Erfolg verkaufen lässt – und der im besten Fall auch persönliche oder unternehmerische Interessen tangiert. Diese Vermischung von Amt und Geschäftsmentalität ist kein Nebenprodukt seiner Präsidentschaft, sondern ihr Wesenskern und somit seine Masche.
Besonders deutlich wird dies am Beispiel Venezuelas. Noch vor wenigen Monaten galt der Sturz des sozialistisch geprägten, menschenfeindlichen Maduro-Regimes als erklärtes Ziel Washingtons. Die Unterstützung der Opposition, harte Sanktionen und internationale Isolation sollten einen Regimewechsel erzwingen. Doch als sich abzeichnete, dass ein politischer Umbruch weder schnell noch risikolos zu erreichen ist, änderte Trump den Kurs – stillschweigend und ohne strategische Neubegründung. Das autoritäre Regime bleibt im Amt, wenn auch ohne den verhafteten Maduro selbst, während die USA indes aber beginnen, wirtschaftliche Arrangements neu zu justieren.
In diesem Kontext kam es im Januar 2026 zu einem bemerkenswerten symbolischen Moment: Die venezolanische Oppositionsführerin María Corina Machado, die im Jahr zuvor den Friedensnobelpreis erhalten hatte, was Trump sehr verärgerte, da er diesen selbst für sich beansprucht hatte, reiste nach Washington. Sie wollte dem US-Präsidenten im Weißen Haus ihre Nobelmedaille als gute Geste zu überreichen. Diesen ungewöhnlichen Schritt erklärte sie als Anerkennung für Trumps „einzigartiges Engagement für die Freiheit des venezolanischen Volkes“ und hoffte zugleich, seine Unterstützung für eine demokratische Transition in ihrem Land zu festigen.
Pragmatisch oder opportunistisch?
Die Geste war bewusst gestaltet: Machado sprach von historischer Symbolik und erinnerte an frühere Beispiele transatlantischer Verbundenheit, indem sie darauf verwies, wie einst ein generöses Geschenk zwischen Marquis de Lafayette und Simón Bolívar die Verbundenheit zwischen den USA und der venezolanischen Unabhängigkeitsbewegung symbolisierte. Für Machado sollte das Geschenk ebenso ein Ausdruck politischen Vertrauens und ein Ansporn für weitere Unterstützung sein.
Doch die politische Realität, die darauf folgte, spricht Bände über Trumps Prioritäten. Kaum hatte Trump die Medaille erhalten, wurde Machado für ihn bedeutungslos. Während sie weiterhin betonte, dass Venezuela eine demokratische Zukunft brauche, verließ sich Trump auf pragmatische Abkommen mit der Übergangsregierung und deren Vertrauten – alles alte Maduro-Schergen –, um den Zugang zu venezolanischem Öl zu sichern. Die Idee, die Oppositionsführerin als zentrale Figur eines demokratischen Übergangs zu etablieren, verlor im Weißen Haus rasch an Bedeutung.
Diese Kombination aus Druck und gleichzeitiger Öffnung markiert ein politisches Vorgehen, das von vielen Analysten als pragmatisch oder gar opportunistisch beschrieben wird. Doch die Realität hinter dieser pragmatischen Fassade ist ein Politikverständnis, das kurzfristige Vorteile über langfristige strategische Ziele stellt. So verhandelt Washington nicht nur – wie etwa über den Export venezolanischen Öls nach Indien –, sondern setzt Prioritäten zugunsten von wirtschaftlichen Öffnungen und diplomatischen Deals, die den Präsidenten selbst politisch und medial ins Zentrum rücken.
Politik als Marktplatz reduziert
Trump unterscheidet nicht sauber zwischen dem Nutzen der USA und seinem eigenen. Wo ein Abkommen seine Verhandlungsstärke demonstriert, seinen Ruf als „Deal-Maker“ stärkt oder wirtschaftliche Netzwerke begünstigt, gilt es als Erfolg – unabhängig davon, ob es die internationale Ordnung stabilisiert oder Verbündete enttäuscht. Diese Haltung erklärt auch, warum geopolitische Beziehungen für ihn austauschbar erscheinen: heute Gegner, morgen Geschäftspartner, übermorgen irrelevant.
Für konservative außenpolitische Denkschulen stellt dies einen Bruch dar. Traditionell betonten sie nationale Interessen im Rahmen stabiler Allianzen und einer berechenbaren Weltordnung. Trumps Politik hingegen ist transaktional, situativ und personalisiert. Sie reduziert internationale Politik auf einen Marktplatz konkurrierender Angebote – ohne nachhaltige Architektur.
Ob dieses Modell dauerhaft tragfähig ist, ist fraglich. Kurzfristig kann es wirtschaftliche Vorteile bringen. Langfristig jedoch droht eine Erosion strategischer Verlässlichkeit. Dass dies Trump egal ist, daraus hat er niemals ein Geheimnis gemacht. Neu ist lediglich, wie deutlich sich diese Haltung inzwischen in konkreten Entscheidungen niederschlägt.