Preußische Allgemeine Zeitung Zeitung für Deutschland · Das Ostpreußenblatt · Pommersche Zeitung
Seltene Pflanzen haben die beeindruckende Burgruine im Landgrabental besiedelt
In des Landgrabens Wiesengrunde steht Burg Landskron stolz und schön. Stolz und schön gehört aber seit Jahrhunderten der Vergangenheit an, denn was in dem anmutigen Urstromtal, das Vorpommern vom historischen Mecklenburg-Strelitz trennt, an Rittersleut und ihr Wirken erinnert, gehört fernen Zeitläufen an. Geblieben ist eine hochragende Ruine aus Feldgestein und Ziegelwerk, in deren Fugen Zimbelkraut und Mauerraute, beide im Norden eher seltene Pflanzen, ihr Fortkommen finden.
Mächtige Laubbäume umstehen das verfallende, aber immer noch Achtung gebietende Kastell. Es macht neugierig auf die Geschichte dieser stillen Gegend. Neugier führt sodann immer wieder staunende Ausflügler zu dem einst hochherrschaftlichen Ort.
Das einflussreiche und wohl sehr vermögende Geschlecht derer von Schwerin bestimmte über Jahrhunderte die Geschicke entlang des Landgrabens. Graf Ulrich I. von Schwerin (1500–1575) bekleidete als Oberhofmeister am Herzogshof zu Pommern-Wolgast eines der wichtigsten Ämter jener Zeit. Als Erbauer der Burg Landskron ging aber sein Sohn Ulrich II. ein. Auf einer schon in früherer Zeit inmitten des sumpfigen Wiesenlandes befestigten Scholle ließ er 1576 das imposante Bauwerk gründen, für deren Fertigstellung es lediglich drei Jahre bedurfte. Es entstand ein festungsartiger Familiensitz dessen Fundamente 80 Zentimeter mächtige Mauern über mehrere Stockwerke hinaus trugen. Die Burg war ausgestattet mit Zugbrücke, Wassergraben, Wachtürmen, Schießscharten, und auch sonst mit allem anderen, was das Wohnen annehmlich und sicher machte in einer Zeit, die selten friedlich war. Landskron soll fortan wegen seiner Erscheinung im Lande seines Gleichen gesucht und manch anderen Edelmann, wohl aber auch das Herzoghaus selbst mit Neid erfüllt haben.
Dessen ungeachtet nannte Ulrich seine Veste selbstbewusst Landskron, also Landeskrone, was der Wolgaster Herrschaft schließlich missfallen haben soll, stand die Landeskrone doch nur ihr zu. Bauherr Ulrich von Schwerin, inzwischen Offizier in schwedischen Diensten, soll sich daraufhin artig zurückgenommen und seinen Besitz in Lanzkron, also mit „z“ geschrieben, umbenannt haben. Womit er deutlich zu machen gedachte, die Baukosten durch seinen tüchtigen soldatischen Einsatz mit der Lanze aufgebracht zu haben. Ob Ulrich wirklich nachgab, wird jedoch bezweifelt, zumal er seinen Besitz auch sieben Jahre später auf einer Tortafel weiterhin als Landskron deklarierte.
Aus Landskron wird Lanzkron
Woher aber hatte Graf Ulrich von Schwerin das Geld für ein solches Bauwerk? Entstammte es irgendwelchen dubiosen Kriegskassen? Niemand weiß es. Wilhelm Witt, Lehrer und Heimatforscher aus dem vorpommerschen Treptow an der Tollense, das seit 1939 Altentreptow heißt, erwähnte vor 120 Jahren in seiner Beschreibung der Burg Landskron Mutmaßungen über das Raubrittertum, dem man in dem entlegenen Winkel des Landgrabentals womöglich nachging. Beispiele dafür gab es andernorts zur Genüge. Witt verwies aber auf die Volksfantasie, der solche Räubergeschichten häufig entspringen würden. „Im Volke ist es eine feststehende Tatsache, dass auch Landskron ein Raubnest ersten Ranges war. Doch nimmt man dem Volke ein Stück Romantik, wenn man einen Burgherrn nicht zugleich einen Straßenräuber sein lässt“, meinte Lehrer Witt.
Und weiter schrieb er: „Als Ulrich von Schwerin seine Burg fertig hatte, scheint er in aller Ruhe und Beschaulichkeit dem Lauf der Dinge entgegengesehen zu haben. Nie tritt er in der Heimatgeschichte hervor, nie wird seine feste Burg genannt. Nicht einmal das Jahr seines Todes kennt man.“ Ob er das Schicksal seiner Besitzung ahnte?
Von seinen beiden Söhnen erbte zunächst Georg Ernst Landskron. Er hinterließ Sohn Ulrich Wigand und Tochter Anna. Ulrich Wigand starb 1651 ohne Leibeserben, womit nach nur etwas über 70 Jahren die männliche Linie des ersten Burgherrn endete. Das Anwesen ging an Schwester Anna über, die mit dem schwedischen Rat Anrieppe verheiratet war. Eine Tochter aus diesem Haus vermählte sich schließlich mit einem Herrn von Pentz, womit die Burg gänzlich in fremde Hände kam. Pentz verschuldete sich, vermutlich auch wegen der turbulenten Kriegszeiten des 17. Jahrhunderts, hoch, was den Niedergang der Herrschaft einleitete.
Und so zog man nicht einmal nach 100 Jahren der Nutzung fort aus der weit über Pommern hinaus bekannten Burg am Landgraben. Die Zeiten in einer solchen Veste zu wohnen waren allerdings ohnehin vorbei. Uns so legte sich der Mantel der Geschichte allmählich über das dem Verfall preisgegebene Bauwerk.
Umso erstaunlicher ist aber, dass die trutzigen Ruinen fast 400 Jahren später noch immer die Großartigkeit der ursprünglichen Anlage erkennen lassen.