31.07.2021

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Nullzins und die Folgen

Die Jüngeren werden betrogen

Die Nullzinspolitik zerschlägt einen Grundpfeiler des Vertrauens in die Soziale Marktwirtschaft

Hans Heckel
07.01.2021

Nullzinsniveau, expansive Geldpolitik, Billionenprogramme, Rettungsschirme und rasant wachsende Verschuldung – zwar ahnen immer mehr Deutsche, dass sich hinter diesen Begriffen eine bedrohliche Entwicklung verbirgt. Doch im wirklichen Leben scheint das alles doch recht abstrakt. Daher prägen diese Vokabeln die Alltagsgespräche meist nur am Rande, wie eine dunkle Wolke: Man weiß, dass sich da etwas Ungutes zusammenbraut, kann aber kaum abschätzen, was all dies für einen selbst bedeuten könnte.

In Wahrheit werden die Folgen der historisch einmaligen Geld- und Finanzpolitik unserer Tage für Millionen Deutsche gravierend ausfallen. Im Ergebnis bringt diese Politik die gewohnten Grundlagen unserer Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung ins Wanken.

Treffen wird diese Entwicklung vor allem die junge Generation. Ihr werden genau jene Chancen-Versprechen verbaut, welche den Grundpfeiler der bundesdeutschen Wohlstandsentwicklung bildeten und entscheidend dazu beitrugen, die Deutschen für das Modell der Sozialen Marktwirtschaft zu begeistern, und so Wohlstand und sozialen Frieden im Land sicherten.
Der Grundpfeiler besteht in dem Versprechen, dass jeder die Chance bekommt, es mit Fleiß, Talent und Disziplin zu etwas zu bringen. Dieses „Etwas“ manifestiert sich in den allermeisten Fällen im Erwerb einer eigenen Immobilie oder zumindest im Aufbau eines zum Ende des Arbeitslebens hin ansehnlichen Geldvermögens auf dem Konto.

Startschuss für den Weg zum Eigenheim bildete seit Generationen der Bausparvertrag. Am Ende der Laufzeit machten die Zinserträge bis zu zwei Dritteln des Sparvermögens aus. Diese Zinsen aber gibt es nicht mehr. Wie die britische Notenbank ermittelte, waren die Zinsen seit Beginn der ersten Aufzeichnung im alten Ägypten vor 5000 Jahren nie so niedrig wie heute. Der Zins ist ausradiert.

Damit ist der Vermögensaufbau per Bausparvertrag unmöglich gemacht worden. Auch das Sparen auf dem Konto funktioniert nicht mehr. Im Gegenteil: Die Inflation frisst die Bemühungen einfach weg. Zwei Prozent Inflation kosten bei einem Sparvermögen von 50.000 Euro schon 1000 Euro Kaufkraft pro Jahr, die nachgespart werden müssten, nur um den Bestand zu halten. Der einzige Ausweg wäre der Einstieg in Aktien, Gold oder andere Sachwerte. Das aber wagen viele nicht, schon weil deren Wertentwicklung weniger kalkulierbar erscheint als die von klassischen Zinsanlagen.

Von der anderen Seite treiben niedrige Zinsen und expansive Geldpolitik die Preise der Sachwerte. Deshalb sind die Immobilienpreise selbst in der Lockdown-Krise weiter gestiegen, womit der solide finanzierte Erwerb eines Heims für die Masse in immer weitere Ferne rückt. Da eigener Kapitalaufbau wegen des Nullzinses kaum mehr machbar ist (auch Kapitallebensversicherungen lohnen wegen der Nullzinspolitik nicht mehr), bleibt Interessenten am Ende oftmals nur eine hochriskante Hundert-Prozent-Finanzierung per Kredit.

So betoniert diese Politik die bestehenden Besitzverhältnisse. Nur wer eine Immobilie oder andere Sachwerte besitzt oder erbt, bleibt im Rennen. Alle anderen bleiben ausgesperrt. Das Versprechen, es aus eigener Kraft zu Wohlstand bringen zu können, erweist sich, zumindest was das klassische Zinssparen angeht, als Phrase. Für Verfechter sozialistischer Enteignungs- und Umverteilungsideen ist diese Entwicklung ein Geschenk, das sie nicht ungenutzt lassen werden – um dann alles noch schlimmer zu machen.



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