24.03.2026

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Sie schmecken wie Heimat: Evelin Scholz darf als Erste die „Landeshuter Kreppel“ von Armin Hübner probieren
T. Scholtz-KnoblochSie schmecken wie Heimat: Evelin Scholz darf als Erste die „Landeshuter Kreppel“ von Armin Hübner probieren

Östlich von Oder und NeißE

Ex oriente lux – Aus dem Osten kommt das Licht

Großes Vorhaben: Die Schlesier werden einen deutsch-polnischen „Tag der Schlesier“ in Görlitz ausrichten

Klaudia Kandzia
24.03.2026

Die Vertriebenenverbände haben sich mit dem Aussterben der Vertriebenengeneration längst zu reinen Expertengruppen mit Wissen über Heimatregionen gewandelt. Und sie sind so für viele polnische Wissenschaftler oder Schulen ein Reservoir an Zeitzeugen, das die Leidenschaft für dieselbe Heimat teilt. Die Landesverbände Berlin-Brandenburg sowie „Sachsen-Schlesische Lausitz“ der Landsmannschaft Schlesien wollen diese Expertise teilen und durch neue Impulse ergänzen. Die Idee eines Schlesiertreffens in der Heimat und an der Nahtstelle von Deutschen und Polen soll nun diesem Zeitenwandel gerecht werden.

Symbolisch hat man den Beschluss dazu auch gleich auf heutigem polnischen Staatsgebiet im Ostteil von Görlitz [Zgorzelec] am 11. März in einem angemieteten Tagungsraum der Oberlausitzer Ruhmeshalle [Dom Kultury] gefasst. Carolus Metzig, Vorsitzender der Schlesier in Berlin-Brandenburg, stellt klar: „Da wir die beiden Landesverbände sind, die ein Stückel Schlesien in ihrem Gebiet haben, Sachsen natürlich weit mehr – in Brandenburg gibt es ja nur das kleine Stückel um Ruhland – haben wir gesagt: der beste Ort ist natürlich Görlitz.“

Für einen deutsch-polnischen „Tag der Schlesier“ peilt man eine Premiere 2028 in der Neißestadt an, „weil wir damit als Schlesier zeigen wollen, man kann das schlecht am Rhein oder in Bayern tun. So etwas macht man am besten in Schlesien, und zwar mit den Schlesiern, die heute dort leben“, so Metzig. Ein hannoversches Schlesiertreffen gibt es wieder 2027 vom Bundesverband, sodass man 2028 in keine Kollision komme. Zudem ruht alles auf dem Ehrenamt. Da gelte es für eine sub­stanzielle Mammutaufgabe auch eine realistische Vorbereitung anzugehen.

Um bei den heutigen Schlesiern zu punkten, würden Gespräche mit Bürgermeistern und Einwohnern nicht ausreichen. Die ganze Bandbreite der regionalen Kultur soll beteiligt werden – am besten bereits mit teilfertiger Stadthalle am Westufer und der Ruhmeshalle mit Amphitheater am Ostufer der Neiße. Als Leckerei schlesischen Lebens kreierte Bäcker Armin Hübner, ein mit einer Polin verheirateter Schlesier, der Filialen in Deutschland und Polen beliefert, einen neuen Pfannkuchen/Krapfen – den „Landeshuter Kreppel“. Den soll in Kürze die Landrätin von Landeshut [Kaminenna Góra] Malgorzata Krzyszkowska probieren. Die Zusammenarbeit mit Landeshut ist schließlich eine der am besten funktionierenden. Über die Kreppel-Entstehung berichtet Hübner: „Wir Schlesier sind sparsam – da wird nichts weggeschmissen. Als mir Mohn- und Eierlikör übrig blieb, habe ich gedacht, das passt zusammen und habe beides in meinen Pfannkuchen getan.“ Die Erstverkostung in der Ruhmeshalle war ein voller Erfolg. „Landeshut ist die einzige schlesische Stadt, die ein Schloss Kreppelhof hat und eine Kreppelhofstraße“, sagt Metzig. In Teilen Schlesiens heißen Pfannkuchen letztlich „Kreppel“. Und rund um das Landeshuter Schloss kursiert die Legende einer mildtätigen Rittersfrau, die hungernde Landeshuter Kinder mit Kreppeln versorgte.

Mit den „süßen Argumenten“ ist ein Anfang gemacht, meint Metzig, nun steht die Findung von Inhalten an. Ein Wechsel etwa von schlesischen Musik- und Tanzgruppen mit polnischen Vertriebenengruppen, Sorben oder Görlitz-Griechen – nach dem Krieg siedelte die Volksrepublik hier oft kommunistische Bürgerkriegsflüchtlinge an – könnte alle vereinen. „Aber auch jede andere Gruppe darf sich gerne bei uns melden“, betont Friedemann Scholz, Chef der sächsischen Schlesier. Ob Handwerk, Sportgruppen, Literarisches oder etwas ganz anderes – Vorschläge zum Programm kann man einsenden an: kontakt.lmslvsn@gmail.com.

Metzig drängt es noch einmal, seine Philosophie festzuhalten: „Wir kommen als Suchende, als ernsthaft Fragende und wir kommen als Bittende, dass man uns unser Interesse abnimmt. ,Inter esse' heißt ja auf Latein ,dazwischen sein'. Mit diesem Dazwischensein kehren wir zurück oder bleiben hier, weil wir alle unsere schlesische Heimat lieben, egal welcher Nation oder Konfession wir angehören. Ich sage das in hoher Ehrfurcht vor dem aktuellen Weg Polens. ‚Ex oriente lux', sage ich immer – ,Aus dem Osten (kommt) das Licht'.“Till Scholtz-Knobloch


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