27.03.2026

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Ferien bei den Württembergern

Erinnerungen an Max Glauer, den Hoffotografen in Bad Carlsruhe

Chris W. Wagner
10.02.2026

Das Museum des Oppelner Landes [Muzeum Śląska Opolskiego] in Oppeln [Opole] widmet sich in den Winterferien der Geschichte der Dynastie der Württemberger im oberschlesischen Bad Carlsruhe [Pokój]. Unter dem Titel „Ferien bei den Württembergern“ lädt eine Reihe kostenloser Veranstaltungen dazu ein, die Sonderausstellung „Fürstlicher Kunstgarten“ in Bad Carlsruhe derer von Württemberg-Oels zu entdecken.

Die Ausstellung erzählt in chronologischer Abfolge die Geschichte von Carlsruhe als fürstlicher Residenz, die im 18. Jahrhundert von Mitgliedern des württembergischen Fürstenhauses angelegt wurde und durch Gartenkunst, Architektur, Musik und Kunst zum kulturellen Magneten auf dem schlesischen Land wurde. Gezeigt werden Möbel, Gemälde, Objekte des Kunsthandwerks, Dokumente und andere Zeugnisse des höfischen Lebens in Carlsruhe.

Das Museum wirbt in seinem Ferienangebot mit einem Kunstgriff, indem es die Bad Carlsruher Geschichte aus der Perspektive eines Künstlers erzählt. Denn das fürstliche Schloss und seine Umgebung hatte der Oppelner Fotograf Max Glauer in den Blick genommen. Auf diese Weise wird auch der „Chronist Oberschlesiens“, Glauer, bekannt gemacht.

Glauer, geboren am 11. August 1867 in Breslau, gestorben am 27. August 1935 in Oppeln, zählt zu den bedeutenden Berufsfotografen Schlesiens in der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg. Er entstammte einer evangelischen Familie und verbrachte seine Kindheit im damaligen Kurort Bad Carlsruhe, das seinen Status als Bad mit der Zerstörung der Infrastruktur 1945 jäh verlor. Früh entwickelte er ein Gespür für die visuelle Dokumentation seiner Umgebung – ein Interesse, das sein späteres Werk prägen sollte.

Ab 1893 betrieb Glauer in Oppeln ein eigenes Fotoatelier in der Krakauer Straße 34. Es gehörte zum guten Ton, sich bei Glauer ablichten zu lassen. Glauer porträtierte Persönlichkeiten seiner Zeit wie Paul von Hindenburg oder Gerhart Hauptmann ebenso wie Menschen aus dem Alltag und erwarb damit auch überregionale Anerkennung. Ihm wurde 1912 der Titel „Hoffotograf“ verliehen und das Privileg, die blaublütige Familie fotografieren zu dürfen.

Glauers Leidenschaft galt jedoch der Landschaftsfotografie und seine Bilder wurden oft in der lokalen Presse veröffentlicht. Auch engagierte sich Glauer im gesellschaftlichen Leben seiner Heimatstadt. Er organisierte dort Ausstellungen von Gemälden, Grafiken und Skulpturen und war engagierter Mitbegründer des Eislaufvereins, des Eichendorff-Vereins und des Konzertvereins.

In Bad Carlsruhe war Glauer gerngesehener Gast. Seine Bilder gehören heute zu den wenigen erhaltenen visuellen Zeugnissen des barocken Ortskerns und der Schlosslandschaft von Bad Carlsruhe vor der Zerstörung des Ortes im Mai 1945.

Das Leben und Wirken des Oppelner Fotografen rückte in seiner Heimat relativ spät in den Fokus der Öffentlichkeit. Um 2012/13 erschienen erste Artikel zu Glauer in der polnischen Presse. Es folgte eine erste Ausstellung aus der Sammlung des Lokalhistorikers Bogusław Szybkowski und die Redaktion der Fernsehsendung der Deutschen Minderheit, „Schlesien Journal“, begleitete die bayerischen Nachfahren Glauers auf ihrem Besuch in der Heimatstadt des Fotografen. Parallel dazu begann das Museum des Oppelner Landes Glauers Werk zu erschließen und zeigte 2015 seine Werke in einer Ausstellung. Diese Präsentation umfasste rund 200 Exponate, darunter auch private Fotografien aus der Sammlung der Familie Glauer, die heute im Freistaat Bayern lebt.


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