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Dort, wo früher einmal Rinderherden grasten – Vogelschutz und Renaturierung im Peenetal
Usedom-Reisende, die auf der B 110 unterwegs sind, kennen das: Es riecht irgendwie schon nach Küste, der Blick öffnet sich, und dann zeichnet sich voraus die den Peenestrom überspannende Zecheriner Brücke ab. Über sie rollt der Verkehr auf die Ferieninsel. Doch bevor es soweit ist, schweift der Blick wohl eines jeden Usedom-Besuchers linker Hand auf eine mystisch anmutende Kulisse nackter, schwarzer Baumstämme, wintertags weit und breit von Eis eingefasst, im Sommer von Wasser umspült.
Es sind die Reste eines abgestorbenen Gehölzes, welche alle, die sich gedanklich schon auf die bekannten Bäderpromenaden und Sandstrände der Insel einstimmen, stutzig macht. Dieser letzte Zipfel des Festlandes sah einmal ganz anders aus. Statt Wasser bestimmten früher intensiv genutzte Wiesen mit weidenden Rinderherden das Bild an der B 110. Klotzower Polder hieß dieser Teil des unteren Peenetals.
Riesiges Niedermoorgebiet
Die Flussniederung, ein riesiger Niedermoorkomplex, reicht bis zum 90 Kilometer entfernten, 32 Quadratkilometer großen Kummerower See an der Grenze nach Mecklenburg. Das Peenegebiet war einst für seine Rinderwirtschaft bekannt. Intensiv ließ es sich allerdings erst nach aufwendiger Entwässerung und Kultivierung nutzen, was im Lauf vieler Jahrzehnte zu erheblichen Moorsackungen führte.
Als nach der Deutschen Einheit die Bewirtschaftung auch wegen der Kosten für die Unterhaltung des Vorflutsystems und des Schöpfwerkbetriebs vielfach ausblieb, drang zudem ein Ostseehochwasser durch die Deiche. Das teilweise schon einen halben Meter unter Peeneniveau liegende Grünland füllte sich mit Wasser, das nie wieder abfloss. Die hydrologischen Verhältnisse regelten sich derweil von allein auf Normalniveau ein. Eine Reihe von Renaturierungsprojekten im Verlauf des Peeneflusses, so auch die für den Klotzower Polder, mit dem Ziel Natur- und Artenschutz, sind inzwischen abgeschlossen worden.
Schnepfen, Seeschwalben, Silberreiher, aber auch seltene Käfer- und Schmetterlinge: Eine Vielzahl von Organismenarten fühlen sich mittlerweile in dem Gebiet heimisch. Die Region trägt unter anderem den Status eines Vogelschutzgebietes von europäischer Bedeutung. Gehölze wie der Gespensterwald ertranken allerdings und zeugen von dem Wandel, dem dieses Stück Landschaft vor der Ferieninsel Usedom, unterliegt.