26.06.2026

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Vor der ehemaligen Berufsschule: Dreharbeiten mit einem Mercedes-Oldtimer
Screenshot Nowyj KaliningradVor der ehemaligen Berufsschule: Dreharbeiten mit einem Mercedes-Oldtimer

Insterburg als Filmkulisse

Leben und Werk des Kirgisen Tschingis Aitmatow

Der Schriftsteller in Ost-Berlin – Ehemalige städtische Berufsschule für Mädchen ist einer der Hauptdrehorte in Ostpreußen

Manuela Rosenthal-Kappi
26.06.2026

Insterburg ist bei russischen Filmproduzenten ein überaus beliebter Drehort für historische Aufnahmen. Im vergangenen Jahr diente die ostpreußische Stadt beispielsweise als passende Kulisse für den historischen Fernsehfilm „Dorogoj Willi“ (Lieber Willi), in dem es um die zweifelhafte Freundschaft zwischen Leonid Breschnew und Willy Brandt ging.

Aktuell finden wieder neue Dreharbeiten in Königsberg und Insterburg statt, wobei die Stadt an der Angerapp Hauptdrehort für den Film „Aitmatow“, ein biografisches Drama über Leben und Werk des preisgekrönten kirgisischen Schriftstellers Tschingis Aitmatow, ist. Insterburg dient diesmal als Kulisse für die „Hauptstadt der DDR“ – Ostberlin (auch wenn die SED-Schergen gern ganz Berlin als ihre Hauptstadt bezeichneten), die der Dichter mehrmals in seinem Leben besucht hatte.

Die wichtigsten Drehorte in Insterburg sind das Gebäude der ehemaligen städtischen Berufsschule für Mädchen in der Wilhelmstraße (heute Gymnasium Nr. 2, Pionerskaja ul.), der Platz am Wasserturm und das ehemalige Bezirkskrankenhaus von Insterburg (heute Hotel „Franz Lefort“). Auch am Südbahnhof in Königsberg fanden Dreharbeiten statt. Der Film zeigt den Werdegang des Schriftstellers vom unbekannten Autor zur „Stimme des Volkes“. Er beleuchtet seine inneren Kämpfe, sein Privatleben sowie seine Rolle als „Held der Sowjetunion“ in der Kultur.

Das Filmdrama von Regisseur und Produzent Kanybek Kalmatow ist ein russisch-kirgisisches Gemeinschaftsprojekt. Neben den historischen Gebäuden in Insterburg kommen Automodelle der 70er und 80er Jahre von Mercedes (W115) und Audi Typ 81 zum Einsatz.

Aitmatow gilt als Begründer einer besonderen Form der philosophischen Prosa sowie als Humanist, der sich mit universellen Werten, der Natur und der Moral auseinandersetzte. Als Sohn eines Verwaltungsbeamten im nördlichen Kirgisien geboren, kannte er aus eigener Erfahrung das Leben der Nomaden, erlebte die stalinschen Säuberungen, nahm zunächst ein technisches Studium auf, bevor er in den 1950er Jahren zunächst als Übersetzer tätig war. Sein literarisches Studium am Maxim-Gorki-Literaturinstitut in Moskau schloss er mit der Erzählung „Djamila“ ab, die nicht nur sein bekanntestes Werk wurde, sondern auch als „schönste Liebesgeschichte der Welt“ gilt. Der Dichter setzte sich in seinen ausdrucksstarken und in bildhafter Sprache geschriebenen Werken mit dem harten Leben der kirgisischen Landbevölkerung auseinander, die von Stalins Schreckensherrschaft nicht verschont blieb.

Aitmatow, der Abgeordneter im Obersten Sowjet der UdSSR war, für die „Prawda“ schrieb, distanzierte sich in den 1970er Jahren allmählich vom sozialistischen Realismus. Mit dem 1987 erschienen Roman „Der Richtplatz“ unterstützte er die Perestrojka literarisch. Die Erstausstrahlung des Films „Aitmatow“ ist für 2027 geplant. 


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