18.08.2026

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Heino Neumayer, Präsident der Prussia, übergibt am 26. Mai vier Holzkästchen mit den insgesamt rund 200 Diapositiven auf Glas an das Militärhistorische Museum der Bundeswehr (MHM) in Dresden
Bild: privatHeino Neumayer, Präsident der Prussia, übergibt am 26. Mai vier Holzkästchen mit den insgesamt rund 200 Diapositiven auf Glas an das Militärhistorische Museum der Bundeswehr (MHM) in Dresden

Überraschung: Historischer Schatz im Nachlass

Wie 200 äußerst seltene Glas-Dias einer Privatsammlung aus dem Ersten Weltkrieg den sicheren Weg in ein Museum fanden

Rudolf Junger
28.07.2026

Die Situation dürfte so manchem Leser nicht unbekannt sein: In einem Nachlass stößt man auf Dokumente, Bücher oder Fotos, deren historischen Wert man erahnt. Danach stellt sich die Frage: Wenn die Funde für wissenschaftliche Forschung erhalten bleiben sollen –, wohin sollte man sie bestenfalls geben?

So erging es auch Heino Neumayer, Kustos am Museum für Vor- und Frühgeschichte in Berlin und Präsident der Prussia – Gesellschaft für Geschichte, Archäologie und Landeskunde Ost- und Westpreußens e.V. Neumayer hatte über einen befreundeten Künstler von einem mit diesem verbundenen Ehepaar vier Holzkistchen mit je rund fünfzig Glasplättchen erhalten, auf denen Fotos aus dem Ersten Weltkrieg eingebrannt waren. Die knapp 200 Diapositive auf Glas waren gerahmt, fein säuberlich beschriftet und teilweise nummeriert. Die Bilder waren farbige Positive, vermutlich von Hand koloriert, und von bester Qualität. Das in der Pfalz lebende Ehepaar hatte den Wert des Konvoluts erkannt und wollte die Dias in guten Händen wissen. Die Holzkistchen mit den Glasplättchen stammten aus dem Nachlass des Professors Wolfgang Laves (1899–1969), der von 1946 bis 1969 das Institut für Rechtsmedizin an der Universität München leitete. Der Urheber dieser fotografischen Dokumente lässt sich nicht mehr feststellen – vielleicht ein älterer Kollege oder Freund des Professors.

Die Dias zeigen Motive aus den Jahren 1915 bis 1917, die vermutlich der leitende Arzt eines deutschen Lazarettzugs an der damaligen Ostfront gefertigt hat. Den Fotos ist zu entnehmen, dass es sich um den „Vereinslazarettzug F2“ handelt. Der Urheber begleitete den Lazarettzug entlang seiner Einsatzräume von Polen bis nach Rumänien. Er fotografierte den Zug, die Umgebung und die Bevölkerung der Einsatzorte in einer Vielzahl von Alltagsszenen. Diese Fotosammlung ist eine exzellente Fundgrube für Forscher unterschiedlichster Fachgebiete.

Neumayer fragte sich, wie man diesen wertvollen Fund für Forschung und Wissenschaft erhalten kann. Sein Rat ist, sich bei Fachleuten in Stadt- oder Landesarchiven oder in einschlägigen Museen zu erkundigen. Auch die Prussia-Gesellschaft ist ein geeigneter Adressat für entsprechende Erkundigungen – verfügen doch viele Mitglieder über historische Expertise und können weiterhelfen. Dabei ist von Interesse, wie die jeweilige Institution die Auswertung vornimmt und das Fundgut aufbewahrt sowie der Wissenschaft und Forschung zugänglich macht. Neumayer stieß schließlich auf das Militärhistorische Museum der Bundeswehr (MHM) in Dresden. Die Hauptaufgaben dieses Museums sind das Sammeln, Forschen, Bewahren und Ausstellen von Objekten aus den Sachgebieten Militärtechnik, Handwaffen, Uniformen, Orden, Kunst sowie Schrift- und Bildgut. Das Militärhistorische Museum der Bundeswehr bietet nicht nur reichhaltige Ausstellungen zur Militärgeschichte seit dem Mittelalter und vielseitige Bildungsangebote, sondern führt auch eine öffentlich zugängliche Bibliothek.

Mit einem Gefühl der Erleichterung und mit der Gewissheit, einen nützlichen Beitrag für die wissenschaftliche Forschung zu leisten, übergab Neumayer die Holzkistchen mit den Dias an Barbara Maiwald, Historikerin am Militärhistorischen Museum der Bundeswehr. Die Expertin für Bildgut war hocherfreut über Inhalt und Qualität der Glasplättchen, die nach über einhundert Jahren unversehrt geblieben waren. Maiwald sicherte die fachkundige Auswertung und die Aufbewahrung im klimatisierten Magazin des Museums zu. In einem ersten Arbeitsschritt sichtete sie alle Dias, prüfte die Nummerierungen und Beschriftungen und übertrug diese Daten auf Listen. So schuf sie die Grundlage für weitere Arbeiten.


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