12.04.2026

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Satellitenansicht der Straße von Hormus mit entsprechenden roten Schifffahrtsrouten und Fahrrinnen, die von den großen Tankschiffen genutzt werden. Das rote X kennzeichnet die Position, an der primär die Blockaden stattfinden, die zu Konflikten führen
Bild: picture alliance / CHROMORANGE | Ales UtoukaSatellitenansicht der Straße von Hormus mit entsprechenden roten Schifffahrtsrouten und Fahrrinnen, die von den großen Tankschiffen genutzt werden. Das rote X kennzeichnet die Position, an der primär die Blockaden stattfinden, die zu Konflikten führen

Die See-Enge liegt primär im Hoheitsgebiet des Irans – Fahren sonst über 130 Schiffe pro Tag durch den Engpass, sind es jetzt noch vier – Die USA haben die dort lauernde Herausforderung nicht rechtzeitig bedacht

Verminter Engpass: Straße von Hormusfür die globale Ökonomie

Die Versorgung mit Rohöl aus dem arabischen Raum ist durch die Blockade fast zum Erliegen gekommen

Wolfgang Kaufmann
26.03.2026

Am 28. Februar begann der neue US-amerikanisch-israelische Krieg gegen die Islamische Republik Iran. Dadurch will Israel die Führung in Teheran stürzen und einen Regime-Wechsel herbeiführen, um endlich in Frieden existieren zu können. Ist die Auslöschung Israels doch immerhin iranische Staatsdoktrin. Die USA unter Donald Trump hingegen haben erst einmal mitgemacht. Über ihr Ziel sind sich US-Regierung, US- Militär und Nachrichtendienste nicht mal intern einig.

Wahrscheinlich zielt alles auf die Zerstörung der militärischen Kapazitäten des Mullah-Regimes – einschließlich der in Entwicklung befindlichen Atomwaffen. Dabei erzielten die Angreifer etliche Erfolge. Allerdings verdichtet sich der Verdacht, dass sie die Möglichkeiten der regulären Kriegsmarine der Islamischen Republik (NEDAJA) und des Marinekorps der Islamischen Revolutionsgarden (NEDSA) unterschätzt haben, worüber auch die bisherigen Verluste des Feindes nicht hinwegtäuschen können.

Angeblich büßten die Iraner inzwischen die Hälfte ihrer Kriegsschiffe ein. Und tatsächlich gab es spektakuläre Versenkungen wie die des großen Drohnenträgers „Shahid Bahman Bagheri“ und der Fregatte „Dena“. Außerdem schalteten die USA die beiden Korvetten „Bayandor“ und „Naghdi“ sowie das dieselelektrische U-Boot „Fateh“ aus. Des Weiteren wurde die Vernichtung von bis zu 28 Minenlegern bekanntgegeben.

Im „Tankerkrieg“ während des Ersten Golfkrieges zwischen dem Irak und dem Iran im Verlauf der 1980er Jahre attackierten die Seestreitkräfte beider Seiten mindestens 451 Handelsschiffe im Persischen Golf und der Straße von Hormus, wobei in etlichen Fällen auch Minen zum Einsatz kamen. Dadurch erkannten die NEDAJA und das NEDSA, welche großen strategischen Vorteile der Einsatz von Minen in den Gewässern vor der iranischen Küste bietet. Seeminen sind billig und zugleich hervorragend geeignet, in asymmetrischen Kriegen gegen einen überlegenen Feind Chaos zu stiften und aufwendige Abwehrmaßnahmen zu provozieren. Aus dem Grund begann der Iran nach der Bombardierung seiner Atomanlagen im Zwölftagekrieg vom Juni 2025 mit der massenhaften Platzierung von Minen in besagter Straße von Hormus. Dabei besteht völlige Unklarheit darüber, wie viele genau ausgelegt wurden. Schätzungen des iranischen Seeminenarsenals reichen von 2.000 bis 6.000 Stück.

Auf jeden Fall gelangten zwei Arten von Minen zum Einsatz. Einmal die Kontakt- beziehungsweise Ankertauminen vom Typ Sadaf, die knapp unter der Wasseroberfläche lauern und bei Berührung explodieren. Und ferner Grundminen vom Typ Maham für flachere Gewässer, deren Schall- oder Magnetsensoren bereits dann eine Explosion auslösen, wenn sich ein Schiff nähert. Außerdem soll der Iran über die hochgefährlichen chinesischen EM-52 verfügen. Hierbei handelt es sich um „Rocket-Propelled-Rising“-Minen. Diese liegen auf dem Meeresgrund und schießen bei Bedarf Raketen auf vorbeifahrende Schiffe ab.

Für das Verlegen zusätzlicher Minen benötigen die Iraner im Prinzip keine Überwasserschiffe mehr, wie sie von den US-Streitkräften attackiert werden. Mittlerweile können die NEDAJA und das NEDSA die Sprengkörper auch mittels unbemannter Flugkörper in ihr Zielgebiet bringen. Darüber hinaus verfügt der Iran immer noch über drei einsatzfähige U-Boote der russischen Kilo-Klasse, die sogar in der Lage sind, EM-52-Minen auf dem Meeresgrund zu verankern.

Und es ist doch auch unser Krieg

Die Minen-Verseuchung der Straße von Hormus am Ausgang des Persischen Golfes durch den Iran birgt gravierende Risiken für die Schifffahrt, wobei die zusätzliche Gefahr des Beschusses der Containerfrachter und Tanker durch landgestützte Raketen noch ein übriges tut. Normalerweise fahren pro Tag um die 130 Handelsschiffe durch die Meerenge. Diese transportieren unter anderem 80 Prozent der saudi-arabischen Rohölausfuhren und 93 Prozent der Flüssigerdgas-Exporte des Emirates Katar. Nun ist der Verkehr fast völlig zum Erliegen gekommen, was unabsehbare Folgen für die Weltwirtschaft hat (siehe unten). Maximal drei bis vier Schiffe passieren die Enge nur noch am Tag. Deshalb bemühen sich die USA jetzt – reichlich verspätet – um Schadensbegrenzung. So kündigte Kriegsminister Peter Hegseth an, der Bekämpfung iranischer Minenschiffe höchste Priorität einzuräumen. Gleichzeitig sollen andere NATO-Staaten aushelfen, weil die Minenräumung derzeit die Achillesferse der U.S. Navy darstellt. Doch die Europäer zieren sich. So verfügt die Deutsche Marine mit zehn Minenjagdbooten der Frankenthal-Klasse über hervorragende Fähigkeiten und Kapazitäten auf diesem Gebiet. Allerdings sind da zwei gravierende Haken: Zum einen liegt das deutsche Minensuchgeschwader in Kiel, würde also drei Wochen für den Weg bis zur Straße von Hormus benötigen. Und zum anderen lehnt Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) einen Kampfeinsatz der Bundesmarine am Persischen Golf ab: „Es ist nicht unser Krieg.“ Und das eben stimmt, denn Deutschland und seine Reeder spüren die Auswirkungen täglich.

Auswirkungen auf unterschiedlichste Produktions-Sparten
Schock und Schaden für die globale Ökonomie
Von Alu bis Plastik: Außer Öl werden für die Welt wertvolle und viele andere wichtige Rohstoffe durch die Wasserstraße befördert

Sollte die Blockade der Straße von Hormus durch den Iran länger andauern, droht der Weltwirtschaft ein Schock, der noch gravierender ausfallen könnte als die Folgen der weltweiten Corona-Pandemie. Und das resultiert nicht nur daraus, dass ein Viertel des global geförderten Erdöls und 20 Prozent der produzierten Menge an Flüssigerdgas momentan nicht verschifft werden können.

So herrscht jetzt auf dem Düngemittelmarkt Panik, welche die Preise binnen weniger Tage um ein Drittel nach oben trieb. Die arabischen Golfstaaten decken nämlich normalerweise auch einen erheblichen Teil des weltweiten Bedarfs an Harnstoff, Ammoniak, Stickstoff und Phosphat. Infolgedessen sind Versorgungsengpässe bei Düngemitteln zu erwarten – insbesondere in Ländern ohne entsprechende Notfallreserven wie der Bundesrepublik. Die Folge werden weiter steigende Lebensmittelpreise und in manchen Regionen der Welt, wie in Afrika, auch blanker Hunger sein.

Darüber hinaus dürfte bald ein Mangel an petrochemischen Rohmaterialien für die Produktion von Kunststoffen herrschen. Die Auswirkungen dessen liegen auf der Hand: Lebensmittelverpackungen, Gehäuse für elektronische Geräte, Fahrzeugteile aus Plastik und ähnliche Erzeugnisse werden demnächst zu knappen und damit zu begehrten Gütern werden.

Ein weiteres, bislang kaum beachtetes Problem ist die drohende Krise auf dem Aluminiummarkt. Bahrain, Katar und die Vereinigten Arabischen Emirate lieferten bislang um die zehn Prozent des weltweit verwendeten Aluminiums. Ein längerer Stopp der Ausfuhren hätte somit ausgesprochen negative Folgen für die Automobil- sowie Luft- und Raumfahrtbranche und etliche weitere Wirtschaftszweige.

Und dann wäre da noch Helium. Dieses Edelgas benötigt man nicht nur für die Befüllung von Ballons und Luftschiffen, sondern auch in vielen hochwichtigen Bereichen wie den Hightech-Industrien und der Medizin: Mit Helium werden die Magnete in den MRT-Geräten gekühlt und Siliziumkristalle für die Chip-Industrie unter optimalen Bedingungen gezüchtet. Außerdem erleichtert Helium das Ziehen von Glasfasersträngen für das Hochgeschwindigkeitsinternet. Weiterhin kommen größere Mengen Helium bei der Herstellung von Bildschirmen, Computerlaufwerken und Solarmodulen zum Einsatz. Deshalb ist es eine Katastrophe, dass das Emirat Katar, das bisher ein Drittel des globalen Bedarfes an dem Edelgas deckte, nun wegen der Blockade der Straße von Hormus kein Helium mehr bereitstellen kann. Ansonsten hat der Konflikt auch negative Auswirkungen auf die globale Versorgung mit Industriealkohol und „grünem“ Wasserstoff. 

Für den Fall der Fälle
China und Iran mit cleverer Vorausplanung

Während die Straße von Hormus für Schiffe der „Feinde der Islamische Republik“ gesperrt ist, lässt das Mullah-Regime Tanker und Containerfrachter aus Indien und Pakistan weiter unbehelligt durch die Meerenge fahren. Darüber hinaus machte die Regierung in Teheran der kommunistischen Führung in Peking das Angebot, allen Tankern eine sichere Passage zu garantieren, die im Auftrag der Volksrepublik China unterwegs seien. Das soll die Weltöffentlichkeit wohl darüber hinwegtäuschen, dass China sein Rohöl aus dem Iran längst über einen alternativen Weg bezieht.

Wie anonyme chinesische Brancheninsider dem unabhängigen Medienunternehmen „Epoch Times“ berichteten, legen die Tanker aus dem Reich der Mitte jetzt am neuen Exportterminal des iranischen Hafens Bandar-e Dschask an, der auf einer Landzunge im Golf von Oman rund 200 Kilometer außerhalb der Straße von Hormus liegt. Somit müssen die chinesischen Schiffe das verminte Nadelöhr überhaupt nicht mehr passieren. Außerdem sagten die Whistleblower, dies sei das Ergebnis von geheimen Notfallplanungen Pekings und Teherans vor der Eskalation des Konflikts am Persischen Golf. Auf jeden Fall geht jetzt der Löwenanteil der iranischen Ölexporte nach China, wobei die Mullahs diesen in den letzten Wochen sogar noch auf über zwei Millionen Barrel pro Tag vergrößert haben. Denn seit eine rund 1000 Kilometer lange Pipeline direkt von den Förderanlagen um Goreh nach Bandar-e Dschask führt, gelangt das Öl besonders schnell und einfach an die iranische Südküste.

Chinas Ölkäufe im Iran stellen faktisch eine finanzielle Unterstützung des Mullah-Regimes dar, wobei sich die Führung um Staats- und Parteichef Xi Jinping im Gegenzug strategische Vorteile von der Achse Peking-Teheran verspricht, wenn es zu weiteren globalen Spannungen und steigenden Rohölpreisen oder gar zu militärischen Konflikten unter Einbezug der Volksrepublik China kommt. W.K.


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