19.06.2024

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Hinterpommern

755 Jahre Gollnow an der Ihna

Ein Streifzug durch Vergangenheit und Gegenwart

Torsten Seegert
24.06.2023

Wer von Stettin in Richtung Danzig unterwegs ist, dem ist Gollnow [Goleniów] sicher ein Begriff. Doch auch in Vorpommern kennt man die Stadt an der Ihna gut. Schließlich pflegen diesseits der Oder mit Bergen auf Rügen und Greifswald gleich zwei Städte eine Partnerschaft. Wer Gollnow allerdings noch nicht kennt, der soll an dieser Stelle zu einem Besuch angeregt werden.

Am 1. Juli 1268 – also vor 755 Jahren –wurde Gollnow das Stadtrecht verliehen. Damit übernahm der pommersche Herzog Barnim I. damals auch das Patronat über die Kirche und erkannte das selbst entworfene Siegel der Stadt an, bestätigte und verlieh es. Dieses zeigte damals übrigens noch ein Schiff, mit dem Bug und Steuer nach links fahrend. Aus dem Mast wuchs ein Nadelbaum und in dessen Krone war ein pommerscher Greif zu sehen, der sich ebenfalls nach links wendete. Das Wappen selbst war an der entsprechenden Urkunde der Stadtverleihung angehängt gewesen.

Längst waren zu diesem Zeitpunkt beide Stadtteile, rechts und links des Flusses Ihna, zusammengewachsen, sodass es für Barnim I. die Veranlassung war, die Stadtrechte nach Magdeburger Recht zu vergeben. Dieses erstreckte sich übrigens auch auf die umliegenden Dörfer und Flecken. Und obgleich die deutsche Stadt zunächst Vredeheide genannt wurde, setzte sich am Ende der alte Name Gollinog und damit in Abwandlung dazu Gollnow durch. Die Ihna aber, jener auch als „100-Minuten-Kanal“ vom „Alten Fritz“, Friedrich II., bezeichnete Fluss, sollte eine ihrer Lebensadern werden.

Von Stargard aus schiffbar, trug sie Prahme und Leichterschiffe bis nach Gollnow. Von hier aus gingen die Güter dann auf den früher legendären Ihna-Kähnen, die bis zu 1000 Tonnen Ladegewicht fassen konnten, an der alten Stadtmauer mit seinem Münz- und Pulverturm vorbei bis zur Ihna-Mündung. Dabei waren die Kahnschiffer (im Volksmund „Kahntucker“ genannt) auf die Hilfe von Treidlern angewiesen. Letztes Ziel des Transports war aber Stettin oder – wenn „Schmiedeberger Raseneisenerze“ geladen waren – auch Torgelow. Doch diese Lebensader ist heute weitestgehend „versandet“.

Wer gegenwärtig die Alte Ihnabrücke überschreitet, kann dennoch einen weitestgehend ursprünglichen Anblick erleben: Zum Beispiel, wenn der Blick entlang des Kanals zur ehemaligen Knaben- und Mädchenschule in den Wällen streift. Auch der alte Speicher ist von der Ihnabrücke (linker Hand) noch gut erhalten geblieben. Direkt gegenüber aber kann man am Ihna-Kanal – immer an der Mauer entlang – spazieren und bei dem Münz-(achteckig) und Pulverturm (rund) anschließend durch das „Wassertor“ zur Bollwerkstraße gelangen. Sie führt an der St. Katharinenkirche vorbei und endet am „Wolliner Tor“. Wer dann das Stadttor durchschritten hat, findet sich auf der Stepenitzer Straße wieder. Von ihr zweigen linker Hand die Fürstenflagger Straße (in Richtung Oder) und rechter Hand die Naugarder Straße ab.

Allerdings lohnt es, sich in der Altstadt der St. Katharinenkirche zuzuwenden. Die dreischiffige Hallenkirche mit ihren wirkungsvollen Kreuz- und Sterngewölben entstammt dem 15. Jahrhundert. Wie alte Überlieferungen berichten, wurde sie zwischen 1865 und 1867 zu einer der schönsten Stadtkirchen der pommerschen Provinz ausgebaut.

Wer die alte Hansestadt Gollnow an der Ihna besucht, muss allerdings bei der Altstadt heute einige Abstriche in seinen Erwartungen machen. Sie ist, wie viele andere pommersche Städte im Zweiten Weltkrieg, durch Zerstörung arg in Mitleidenschaft gezogen worden. Viele der historischen Bauten sanken damals in Schutt und Asche, zudem wurden tiefe Narben in das Stadtbild geschlagen. Auch ist dieses zeitliche Kapitel von Flucht, Vertreibung und späterer Aussiedlung der Gollnower überschattet gewesen. Diese Geschehnisse machen eine Spurensuche für Besucher heute nicht einfacher. Eines wird jedoch bei einem Aufenthalt deutlich: Das gegenwärtige Gollnow ist auf einer Selbstfindung, verhaftet zwischen einer langen Geschichte und einer erst noch zu gestaltenden Zukunft. Sicher keine leichte Aufgabe.


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