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Es wird immer offensichtlicher: Das Horn von Afrika wird zunehmend zum geopolitischen Brennpunkt
Es tut sich was im Raum zwischen dem Horn von Afrika, dem Rotem Meer und dem westlichem Indischen Ozean. Was jahrzehntelang als periphere Krisenregion galt, rückt jetzt weiter ins Zentrum internationaler Machtpolitik. Die Entwicklungen in Somalia, Somaliland, Dschibuti, Äthiopien, Eritrea und Sudan zeigen: Hier entstehen neue Allianzen, alte Ordnungen zerbrechen. Ein neuer Dauerkrisenherd mit gewaltigem Konfliktpotential wie der Nahe Osten wächst heran.
Durch das Rote Meer und den Golf von Aden verlaufen rund 20 Prozent des globalen Seehandels, darunter Energie-, Nahrungs- und Industriegüter. Wer Häfen, Küsten oder Militär kontrolliert, gewinnt Einfluss auf globale Lieferketten. Deshalb konkurrieren die Golfstaaten, sowie die Türkei, China, die USA, aber auch Russland und ebenso Israel in der Region miteinander um Einfluss.
Das bisher wenig beachtete Somalia ist dabei ein wichtiger Akteur geworden. Der zerfallende Zentralstaat, aber auch föderale Spannungen und Sicherheitsprobleme eröffnen externen Mächten neue Handlungsspielräume. Die Türkei und Katar stützen die Regierung in Mogadischu. Die VAE sowie Saudi-Arabien investieren gezielt in Häfen und Regionen von Puntland und Somaliland. Die USA, die EU und Israel fokussieren sich indes auf die Terrorbekämpfung. Die Konkurrenz zwischen Katar, den VAE und Saudi-Arabien wird am Horn von Afrika fortgesetzt. Auch afrikanische Akteure wie das erstarkende Äthiopien versuchen, die neue Ordnung aktiv mitzugestalten. Der Wunsch nach einem Meerzugang, regionaler Vormachtstellung und Sicherheit kollidiert jedoch mit kolonialen Grenzlinien und ungelösten Staatlichkeitsfragen. Die Afrikanische Union steht dabei vor der Herausforderung, zwischen Souveränität und Realität einen Mittelweg zu finden. Was sich abzeichnet, ist eine multipolare Unordnung: mehr Akteure, mehr Interessen, weniger verbindliche Regeln, mehr Militarisierung von Häfen und Küsten. Der Golf von Aden wird so zum Spiegel globaler Machtverschiebungen.
Am 26. Dezember 2025 hat Israel als erstes Land der Welt Somaliland, das ehemalige britische Kolonialgebiet mit der Hauptstadt Hargeysa, offiziell als unabhängigen und souveränen Staat anerkannt. Somaliland zeigte sich begeistert. Auch weil die Region im Norden Somalias, die sich bereits 1991 nach dem Staatszerfall Somalias unilateral für unabhängig erklärt und seitdem Stabilität aufgebaut hat, bislang keine Anerkennung durch einen UN-Mitgliedstaat erhielt. Dabei hat es seit Jahrzehnten funktionierende Institutionen, eine eigene Währung und eine relative Stabilität. Es liegt am strategisch wichtigen Horn von Afrika nahe am Roten Meer und dem Golf von Aden, wo Israel zunehmend sicherheitspolitische Interessen verfolgt.
Viele arabische Staaten sehen in der Anerkennung jedoch einen Eingriff in die territoriale Integrität Somalias. Eine einseitige Anerkennung ohne Einverständnis Mogadischus sei ein Verstoß gegen das Völkerrecht und das Prinzip der Souveränität. Und die Anerkennung könnte zudem auch andere Separationsbewegungen in der Region inspirieren.