Preußische Allgemeine Zeitung Zeitung für Deutschland · Das Ostpreußenblatt · Pommersche Zeitung
Die Stadt Klaipeda setzt auf ihre komplexe Geschichte als kulturelle und wirtschaftliche Ressource
In der litauischen Hafenstadt Memel entsteht derzeit eines der größten Stadtentwicklungsprojekte der Region – und es trägt bewusst den historischen Namen „Memel Stadt“. Das Vorhaben verwandelt ein ehemaliges Hafen- und Industriegebiet im Zentrum in ein modernes Stadtquartiers mit Wohnungen, Büros, Gastronomie und Freizeitangeboten. Gleichzeitig knüpft es mit seinem Namen an die jahrhundertelange Geschichte der Stadt als Memel an.
Das Baugebiet befindet sich auf einem rund zehn Hektar großen Areal nahe der Altstadt. Die genaue Adresse des Entwicklungsgebiets lautet: Naujoji Uosto g. 3, zu Deutsch also „Neue Hafenstraße“. Diese hieß vor dem Zweiten Weltkrieg größtenteils: Schlewiesstraße. Das neue Stadtviertel liegt am rechten Ufer der Dange, an der Stelle eines ehemaligen Werft- und Industrieareals der Schiffswerft „Laivitė“, unmittelbar an der Mündung des Flusses in das Kurische Haff, nur wenige hundert Meter von der Altstadt entfernt. Der erste Abschnitt ist bereits weitgehend fertiggestellt und die Büros werden bereits genutzt, während an Formalitäten für einige Wohnungen noch gearbeitet wird.
Modernes Stadtquartier mit Büros,
Wohnungen und Freizeitangeboten
Früher war das Gebiet Teil des Memeler-Seehafens mit Werfthallen, Kränen und Reparaturanlagen für Schiffe. Diese Industrieflächen werden schrittweise in ein modernes Wohn- und Geschäftsquartier umgewandelt. Das Projekt gehört zu den wichtigsten städtebaulichen Transformationsflächen der Stadt. Geplant ist eine gemischt genutzte „Stadt in der Stadt“ mit etwa 100.000 Quadratmetern Nutzfläche. Neben modernen Bürogebäuden entstehen hochwertige Wohnungen, Hotels, Restaurants und öffentliche Plätze mit Promenaden entlang des Wassers. Die Entwicklung erfolgt in mehreren Bauphasen. In der ersten Phase werden vor allem Büroflächen und Wohnungen errichtet. Die Stadtplaner wollen damit ein neues Zentrum schaffen, das sowohl wirtschaftliche Impulse setzt als auch den Zugang zum Wasser für die Öffentlichkeit verbessert. Bemerkenswert ist die bewusste Entscheidung für den Namen „Memel Stadt“. Die Stadt wurde 1252 gegründet und war über Jahrhunderte unter dem Namen Memel Teil des deutschen Ordensstaates, später Preußens und schließlich des Deutschen Reiches.
Historischer Name als Marke
Erst nach dem Zweiten Weltkrieg setzte sich der litauische Name Klaipėda endgültig durch. Mit dem Namen „Memel Stadt“ greifen Investoren und Stadtplaner diese Vergangenheit auf – nicht politisch, sondern vor allem als identitätsstiftendes Marketingelement. In Projektbeschreibungen wird der historische Name als Hommage an die lange Geschichte der Stadt dargestellt.
Auch architektonisch versuchen die Planer historische Bezüge aufzugreifen. Die Neubauten orientieren sich teilweise an Maßstäben der Altstadt und an der traditionellen Backsteinarchitektur der Hafenregion. Gleichzeitig handelt es sich um moderne Gebäude mit Glasfassaden, großen Büroflächen und zeitgemäßer Infrastruktur. Ziel ist es, ein Stadtviertel zu schaffen, das zwar klar modern ist, aber in Atmosphäre und Maßstab an das historische Stadtbild anknüpft.
Das Memel-Stadt-Projekt ist nicht das einzige Beispiel in Memel, bei dem historische oder preußische Bezüge bewusst genutzt werden. Ein wichtiges Symbol der Stadtgeschichte ist die Memelburg, die ursprüngliche Ordensburg aus dem 13. Jahrhundert. Das Gelände wird seit einigen Jahren archäologisch erforscht und touristisch erschlossen. Rund um das Areal entstehen neue Wege, Ausstellungsräume und öffentliche Plätze, welche die mittelalterliche Geschichte der Stadt sichtbar machen sollen.
Auch im Bereich Tourismus und Gastronomie greifen mehrere Projekte den historischen Namen der Stadt auf. So verwendet das Bier der regionalen Brauerei Memelbräu bewusst den deutschen Stadtnamen als Marke und verbindet ihn mit regionaler Identität und maritimer Tradition.
Darüber hinaus wurden in der Altstadt mehrere historische Speicher- und Hafenhäuser restauriert und zu Hotels, Restaurants und Kulturorten umgebaut. Diese Projekte setzen häufig auf Backsteinfassaden, Giebelhäuser und maritime Gestaltungselemente, die an die Zeit erinnern, als Memel ein wichtiger preußischer Ostseehafen war.
Die Stadt versucht, ihre komplexe Geschichte – baltisch, deutsch, preußisch und litauisch – als kulturelle Ressource zu nutzen. Historische Bezüge zur deutschen Vergangenheit werden daher zunehmend in Architektur, Tourismusmarketing und Stadtentwicklung integriert. Das Projekt „Memel Stadt“ steht exemplarisch für diesen Ansatz.