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Auf den Spuren von Napoleon

Franzosen interessieren sich für Schauplätze napoleonischer Feldzüge – Militärs besuchten die Stadt an der Memel

Hans Dzieran
15.12.2020

Das nördliche Ostpreußen ruft als Schauplatz napoleonischer Feldzüge ein zunehmendes militärhistorisches Interesse der Franzosen hervor. Für mehrere Tage waren aus Moskau französische Militärs angereist, um nach Spuren jener Zeit zu suchen. Der Abordnung gehörten die Militärattachés der französischen Botschaft, Brigadegeneral Ivan Marten und Oberstleutnant Michel Desvart, an. Ihre Mission betrachteten sie als einen Beitrag zur Vertiefung der diplomatischen Beziehungen zwischen Frankreich und der Russischen Föderation.

Die „Andrej Gorochov & Partner Stiftung“ hatte die gründliche Vorbereitung der Reise übernommen. Erstes Ziel waren die Schlachtfelder von Pr. Eylau und Friedland, wo mit Kranzniederlegungen der gefallenen Soldaten von 1807 gedacht wurde. Besonderes Interesse fand ein Kirchturm in Pr. Eylau, von dem aus Napoleon den Verlauf der Kämpfe beobachtet hatte. Mit Andrej Gorochov, dessen Gesellschaft sich mit der Pflege und Bewahrung historischer Erinnerungsstätten beschäftigt, wurde vereinbart, den Turm als militärhistorisches Museum auszubauen.

Höhepunkt der Reise war der Besuch in Tilsit, der Stadt des Friedensschlusses von 1807. Trotz Corona-Pandemie stand Tilsit mit seiner geschichtlichen Biografie im europäischen Blickfeld. Stadtoberhaupt Grigorij Sokolowskij hieß die Gäste des Corps Diplomatique herzlich willkommen und würdigte den Besuch als ein gutes Zeichen für das russisch-französische Zusammenwirken auf kultureller Ebene. Die Franzosen wurden begleitet vom Gebietsvorsitzenden der Russischen Militärhistorischen Gesellschaft, Fregattenkapitän a.D. Igor Jalytschew, sowie dem Bildhauer und Staatspreisträger Wladimir Surowzew.

Beim Gang durch die Stadt wurde den Gästen ein Blick in die geschichtsträchtige Vergangenheit vermittelt. Besucht wurden das Haus, in dem Zar Alexander I während der Friedensverhandlungen residierte, das Stadtgeschichtliche Museum, der Gedenkstein „Paix de Paris“ und schließlich die Memel, auf deren neutraler Strommitte die Verhandlungen stattfanden und der Friedensvertrag unterzeichnet wurde. Das Gedenken an das historische Ereignis und an den Triumph Napoleons steckt tief in der französischen Erinnerungskultur. Reges Interesse fand der Vorschlag, auf der neugestalteten Uferpromenade die Flöße der Imperatoren mit dem Unterzeichnungszeremoniell in einem Modell darzustellen.

Dem Denkmal der Königin Luise im Park Jakobsruh wurde leider keine Aufmerksamkeit zuteil. Stattdessen machte Bildhauer Surowzew den Vorschlag, in der Stadt ein Reiterdenkmal Alexander I. aufzustellen. Seiner Meinung nach hätte die Realisierung dieses nicht neuen Vorhabens unter dem Einfluss der neuen Stadtoberen sicher bessere Chancen als vorher.

Im weiteren Verlauf der Erörterungen stand das beiderseitige Interesse an dem Jagdfliegergeschwader „Normandie-Njeman“. Sein Kampf gilt als Symbol französisch-russischer Waffenbrüderschaft im Zweiten Weltkrieg. Viele Exponate im Tilsiter Museum erinnern an die legendären Einsätze der französischen Flieger in Ostpreußen. Als Geschenk wurden 50 Exemplare einer Buchdokumentation überreicht.

Die Reise war ergiebig. Es konnten all jene Orte aufgesucht werden, die im nationalen Gedächtnis Frankreichs eine große Rolle spielen. Beim Abschiedsessen im Hotel Rossija war man sich einig, dass die Suche nach den Spuren des napoleonischen Erbes zur gemeinsamen Verwirklichung französisch-russischer Projekte erheblich beitragen wird.



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Kommentare

sitra achra am 17.12.20, 10:37 Uhr

Die Großtat der französischen Kommunistenflieger bestand hauptsächlich darin, in Flüchtlingstrecks hineinzuschießen.
Das ist natürlich ein freudiges Lob vonseiten der weiterhin von bolschewistischen Einstellungen geprägten russischen Lokalmatadoren wert.
Soviel zum aktuellen Stand der deutsch-französischen Beziehungen.

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