23.03.2026

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Die St. Marienkirche in Stargard am Marktplatz: Seit cirka 1500 hat sie das Aussehen nahezu bewahrt. Zu deutscher Zeit besaß der imposante Westturm eine Uhr
Wikipedia/Kolegiata Mariacka w StargardzieDie St. Marienkirche in Stargard am Marktplatz: Seit cirka 1500 hat sie das Aussehen nahezu bewahrt. Zu deutscher Zeit besaß der imposante Westturm eine Uhr

Hinterpommern

Bedeutende Backsteinarchitektur

Sankt Marien in Stargard trägt viele Merkmale des bekannten Baumeisters Hinrich Brunsberg

Martin Stolzenau
23.03.2026

Die Stiftskirche der heiligen Jungfrau Maria, Königin der Welt, in Stargard ist eine gotische Backsteinkirche. Sie wurde vor 675 Jahren vollendet. Zum Kreis der Baumeister wird von Forschern auch der berühmte Architekt Hinrich Brunsberg gerechnet, der entlang der Ostseeküste in Pommern bis nach Brandenburg an der Havel zahlreiche Bauspuren hinterließ und St. Marien nach deren Fertigstellung noch mit Westturmmassiv, Chor und Marienkapelle vervollständigte.

Die Marienkirche beherbergt solchermaßen dank Brunsberg einige Besonderheiten der Backsteinarchitektur in Norddeutschland, die für den gesamten Ostseeraum beispiellos sind. Das macht den Sakralbau kunsthistorisch wertvoll und für Kunstfreunde besonders anziehend.

Stargard liegt am linken Ufer der Ihna östlich von Stettin. Die Stadt kann auf eine Geschichte ab 1140 zurückblicken und hatte ihre ersten Entwicklungshöhepunkte unter den Herzögen von Pommern, ehe sie an Preußen fiel. Heute ist
sie Kreisstadt des gleichnamigen Kreises in der polnischen Woiwodschaft Westpommern.

Bedeutende Details

Das erste Gotteshaus in Stargard entstand um 1248. Es war bald für die wachsende Gemeinde zu klein und wurde durch einen Neubau ersetzt. Der Baubeginn der neuen Marienkirche wird von der Forschung auf 1292 datiert. Sie wurde als Hallenkirche konzipiert, 1350 vollendet und dann noch ergänzt. Zu den Besonderheiten des Sakralbaus zählen das monumentale Westturmmassiv mit der Stargarder Blende und der ungewöhnlich auffällige Umgangschor. Die Stargarder Blende orientiert sich an die hochgotischen Fenstermaßwerke in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts, wie sie in den Chor­obergaden von Notre-Dame de Paris zu sehen sind. In Pommern wurde sie erstmalig in Stargard berücksichtigt. Die Motivumsetzung gilt als Werk von Brunsberg und sie war beispielhaft für Pommern.

Hinrich Brunsberg (* um 1350 im Deutschordensland, man vermutet Braunsberg; † zwischen 1428 und 1435 vermutlich in Stettin) prägte als Baumeister die mittelalterliche Backsteingotik im östlichen Norddeutschland. Ab 1372 erwarb er zunächst das Bürgerrecht in Danzig und später das in Stettin. Es gibt zu ihm 28 urkundliche Nennungen und viele stilistische Übereinstimmungen, die seinen Wirkungsweg quer durch Pommern bis in die Mark Brandenburg zurückverfolgen lassen.

Einen Höhepunkt bildete sein Schaffen in Brandenburg/Havel. Die dortige Katharinenkirche gilt als sein Hauptwerk. Dazu steht im altmärkischen Tangermünde mit dem Ostflügel des Rathauses und der spektakulären Giebel-Schaufront eines der bekanntesten spätgotischen Backstein-Denkmäler Norddeutschlands. Weitere Zuschreibungen zu Brunsberg gibt es für Stettin, Gartz/Oder, Cammin, Greifswald und Prenzlau. Sie beschäftigen, wie in Stargard, wegen ihrer stilistischen Besonderheiten die Kunstwissenschaftler bis heute.

Änderungen über die Jahrhunderte
Die Gewölbe, Kapellen und die Sakristei der Marienkirche der Stadt an der Ihna erhielten lange nach Brunsberg spätgotische figürliche Fresken und einen Schmerzensmann. In fast jedem Jahrhundert gab es weitere Ergänzungen. Das reichte vom Altar von 1663 und der Renaissance-Kanzel von 1683 über Wandmalereien im 18. Jahrhundert bis zu Glasmalereien im 20. Jahrhundert. Die Stargarder Marienkirche erlebte Anfang des 20. Jahrhunderts unter Heinrich Deneke, dem wohl bedeutendsten Baumeister für mehrere Stargarder Kirchen, eine umfassende Restaurierung, wobei der historische Zustand erneuert wurde.

Die Kirche „überlebte“ auch den Zweiten Weltkrieg und wurde selbst in den Turbulenzen des Kriegsendes – abgesehen von der Haube des Nordturmes – kaum beschädigt. Es war in Glücksfall für die Stadt. Nach erster missbräuchlicher Nutzung als Lagerhaus nach 1945 wurde der Sakralbau 1957 durch Kardinal Wyszynski zur katholischen Kirche umgewidmet. Ab 2020 gab es für drei Jahre eine neuerliche Sanierung, die sich an der Arbeit Denekes orientierte. Heute gilt die Stargarder Marienkirche als die bedeutendste Kirche im Dekanat Stargard-Ost.


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