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Florian Stumfall: „Ich will meine CSU zurück“, Edition Stumfall, Hernau 2022, gebunden, 166 Seiten, 19,80 Euro
Florian Stumfall: „Ich will meine CSU zurück“, Edition Stumfall, Hernau 2022, gebunden, 166 Seiten, 19,80 Euro

Politik

Bittere Abrechnung mit Markus Söders CSU

Der PAZ-Autor Florian Stumfall ist nach 52 Jahren aus der Bayern-Union ausgetreten – In seinem Buch „Ich will meine CSU zurück“ erklärt der Politikwissenschaftler seine Beweggründe und zieht eine vernichtende Bilanz

Ansgar Lange
20.08.2022

Florian Stumfall sagt beim Abschied nicht leise Servus – Das CSU-Urgestein rechnet mit seiner ehemaligen Partei ab.

Die Christlich Soziale Union (CSU) hat einige Intellektuelle von Format und mit einem großen sprachlich-publizistischen Talent hervorgebracht. Man denke nur an den früh verstorbenen Marcel Hepp, der in den 1960er Jahren als Persönlicher Referent von Franz Josef Strauß in Bayern und als Chefredakteur der Parteizeitung „Bayernkurier“ tätig war. Man denke auch an Peter Gauweiler und den langjährigen „Bayernkurier“-Chefredakteur Wilfried Scharnagl. Ein solcher CSU-Intellektueller ist auch Florian Stumfall, der unter anderem als Referent für die Hanns-Seidel-Stiftung, in der CSU-Landesleitung und fast 25 Jahre als Mitarbeiter beim „Bayernkurier“ tätig war. Heute erfreuen sich unter anderem die Leser dieser Zeitung an Sturmfalls klaren Analysen und knackigen Kommentaren.

Seit 2019 gibt es den „Bayernkurier“ nicht mehr, und Stumfall hat mit einem persönlichen Schreiben an Ministerpräsident Markus Söder vom 12. Juli 2021 ebenfalls der CSU Lebewohl gesagt. Manche sagen beim Abschied leise Servus. Der Autor tut dies nicht. Er begründet auf rund 160 Seiten, warum er ausgetreten ist. Nicht, weil er sich oder seine Ansichten geändert hätten, sondern weil die CSU von Markus Söder kaum noch etwas mit der von Franz Josef Strauß gemein hat.

Zu sehr an den Zeitgeist angepasst

Im Grunde wirft der Autor „seiner“ Partei – denn dass er sie früher geliebt hat, spürt man in jeder Zeile – vor, dass sie sich zu sehr dem Zeitgeist angepasst hat. Und dieser Zeitgeist ist links-grün. So tickt zwar nicht die Mehrheit in Bayern und in Deutschland, aber so ticken die meisten Medien und eine oft abgehobene Funktionärselite der Parteien – nicht nur in Berlin. In den letzten 18 Jahren, so Stumfalls Vorwurf, habe eine einst bewunderte und sehr erfolgreiche Partei wie die CSU „ihre Substanz, ihren Charakter und den Großteil ihrer Lebenskraft“ verloren. „Wer darauf verzichtet, den eigenen Geist prägend wirksam zu machen, wird sich fremdem Geist fügen müssen“, so der Verfasser.

Mahnende Worte zur Energiewende

Als hellsichtig erweisen sich Stumfalls mahnende Worte zur „Energiewende“, die er im Juli 2021 an Söder richtete: „Allerdings sind Arbeitsplätze im sechsstelligen Umfang wegen der Energiewende in Gefahr. Diese hat zu den höchsten Energiepreisen bei gleichzeitiger fataler Unsicherheit der Versorgung geführt. Wird sie weiterhin betrieben, droht die Deindustrialisierung Deutschlands.“

Nun haben wir den Salat. Der Ukrainekrieg und die ideologische Verbohrtheit von Grünen und SPD verschlimmern die Lage zusätzlich. Aber unschuldig an dieser Entwicklung ist auch die CSU nicht, die sich in den letzten Jahren viel zu sehr bei den Grünen anbiederte. Zurzeit hat man den Eindruck, dass der wendige Söder erkannt hat, dass damit nicht länger Staat zu machen ist. Es wird sich aber noch erweisen, ob jüngste kernige Aussagen contra Gendern und pro Kernkraft wirklich auf ein neues Denken schließen lassen.

„Die CSU ist kein Mythos mehr“: Dieser Satz fasst das Dilemma der Partei zusammen. In früheren Zeiten war die CSU die wahreBayernpartei. Partei und Land waren eins. Die CSU stand für eine äußerst wirkmächtige Öffentlichkeitsarbeit. Die Erfolge in puncto Wirtschaft, Wissenschaft und Forschung und innerer Sicherheit konnten sich sehen lassen. Die CSU-Politiker waren im sogenannten vorpolitischen Raum präsent wie niemand sonst.

Nach der Lektüre dieses mit vielen Anekdoten angereicherten Buches hat man wenig Hoffnung, dass die CSU wieder an alte Zeiten anknüpfen und zum Mythos werden wird.



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