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Dorfapotheken sehen sich auch durch die Drogeriekette dm in der Existenz gefährdet
Apothekenmitarbeiter, die statt weißer Kittel ganz in Schwarz gekleidet sind, und Schaufenster, auf denen mit rotem Farbband das Wort „Blackout“ klebt – deutschlandweit haben Apotheker am 17. Dezember auf die wirtschaftliche Lage ihrer Branche aufmerksam gemacht. Viele Apotheken haben angesichts der angespannten Situation bereits geschlossen oder stehen kurz davor. Die Zahl der Apotheken in Deutschland ist 2025 erstmals seit den 1970er Jahren auf einen neuen Tiefstand gesunken. Zum Ende des dritten Quartals 2025 existierten bundesweit nur noch 16.732 Apotheken. Vor allem im ländlichen Raum finden viele Inhaber keine Nachfolger mehr.
„Seit zwölf Jahren haben wir fast
20 Prozent der Apotheken verloren. Wir sind jetzt auf einem Stand, den wir seit 1977 nicht mehr hatten“, so Thomas Preis, Präsident der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände.
Ein Grundproblem der Branche sind die Honorare der Krankenkassen für die Abgabe verschreibungspflichtiger Medikamente. Diese wurden seit 13 Jahren nicht mehr erhöht. Gleichzeitig sind die Kosten der Apotheken nach Branchenangaben um 65 Prozent gestiegen. Im Koalitionsvertrag haben Union und SPD den Apotheken eine Anhebung des Honorars von 8,35 auf 9,50 Euro zugesagt. Auch eine Verschärfung der Kontrolle von Versandapotheken wurde angekündigt, um die Vor-Ort-Apotheken zu stärken. Eine am 17. Dezember 2025 vom Bundeskabinett beschlossene Apothekenreform wird die angespannte Situation der Apotheken aus Sicht der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände allerdings nicht verbessern. Positiv sieht die Bundesvereinigung, dass die Bundesregierung die Apotheken im Bereich Prävention, Impfungen und Früherkennungstests stärker in die Gesundheitsversorgung einbinden will. Die Erhöhung der Honorare ist allerdings bisher aus dem Entwurf ausgeklammert. Hintergrund dürfte die angespannte Finanzlage der Krankenkassen sein.
Parallel drängen immer mehr Konkurrenten auf den Markt für Medikamente. Kurz vor der „Blackout“-Protestaktion der Apotheker im Dezember hat die Drogeriekette dm den Verkauf rezeptfreier Medikamente gestartet. Über die neue Online-Apotheke „dm med“ können Kunden nun aus rund 2.500 Medikamenten wählen und nach Hause bestellen. Wie dm-Geschäftsführer Christoph Werner erklärt, möchte man den Patienten niedrigschwellige Angebote machen und damit den Zugang zur Versorgung verbessern. In einigen Filialen bietet dm bereits Gesundheitsleistungen wie Augentests und Blutdiagnostik an. Auch andere Handelsketten drängen auf den bislang regulierten Markt. Rossmann und Lidl planen ebenfalls, apothekenpflichtige Produkte in ihre Sortimente aufzunehmen.
Rechtlich dürfen in Deutschland Drogerien keine apothekenpflichtigen Arzneimittel verkaufen. Legal ist allerdings der Versand solcher Arzneien aus dem EU-Ausland. Eigenen Angaben zufolge betreibt das Karlsruher Unternehmen dm die Online-Apotheke aus der böhmischen Stadt Bor [Haid]. Online-Anbieter wie DocMorris oder Shop Apotheke versenden aus den Niederlanden.