04.04.2026

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München hat es deutlich gemacht

Deutschland muss führen – oder Europa verliert sich selbst

Nur wenn die Regierung Merz ihre innenpolitischen Hausaufgaben macht, wird sie draußen ernst genommen, und Europa vereint sich hinter Berlins Führung

Jens Eichler
18.02.2026

Die Münchner Sicherheitskonferenz am letzten Wochenende war in diesem Jahr mehr als nur ein diplomatisches Schaulaufen. Sie war vielmehr eine Zäsur. Zwischen den Zeilen – und teils auch sehr offen – wurde zunehmend klar: Die Vereinigten Staaten von Amerika erwarten von Europa spürbar mehr Eigenständigkeit. Sie wollen zwar einerseits enge Verbündete, ja. Aber sie wollen sie andererseits nicht länger tragen, erst recht finanzieren und im Zweifel schon mal gar nicht retten. Doch diese strategische Neuausrichtung ist keine Drohung, sondern schlicht und einfach eine Realität, wenngleich auch eine neue. Wer sie ignoriert, handelt grob fahrlässig.

Damit stellt sich zwangsläufig eine Führungsfrage. Und die lässt sich nicht mit wohlfeilen Floskeln beantworten, schon gar nicht mit den üblichen Phrasen, die in den letzten Jahren und Jahrzehnten immer und immer wieder gedroschen wurden und sich wie ein Mantel der Betäubung über die gestellte Frage legten, um eine Antwort zu vermeiden oder maximal zu nuscheln. Denn die Wahrheit ist, dass es in Europa wirklich nur ein Land geben kann, das sowohl (noch) wirtschaftlich als auch politisch sowie strategisch in der Lage ist, voranzugehen: Deutschland.

Nicht aus Überheblichkeit oder deutschem Größenwahn, sondern aus schlichter Notwendigkeit. Frankreich ist wirtschaftlich geschwächt, hoch verschuldet und innenpolitisch mehr als instabil. Großbritannien hat sich selbst aus der EU verabschiedet und ringt bis heute mit den Folgen. Wie könnte es da einen europäischen Führungsanspruch überhaupt begründen? Italien kämpft seit Jahrzehnten mit struktureller Schwäche, selbst wenn Ministerpräsidentin Giorgia Meloni alles tut, um ihrem Land mehr Stabilität und damit Gewicht zu verleihen. Ja, sie ist auf einem mehr als guten Weg, aber Rom ist deshalb noch lange nicht bereit und in der Lage für eine Führungsrolle in Europa. Und Polen? Die Republik mit dem deutschen Erbe von Ostpreußen, Schlesien und Pommern ist stark, insbesondere wirtschaftlich auf einem exzellenten Weg, aber noch lange kein Schwergewicht, das Europa zusammenhalten geschweige denn tonangebend führen kann.

Deutschland hingegen ist – noch – die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt. Mitten in Europa gelegen, politisch eingebettet, historisch verpflichtet. Genau darin liegt aber auch das Dilemma. Kann dieses Deutschland überhaupt führen? Besitzt es wirklich die Akzeptanz? Ein Land, das sich seit Jahren in innenpolitischen Grabenkämpfen erschöpft, dessen Wirtschaft aufgrund grüner Zerstörungswut, linker System- und Kulturkämpfe und konservativer Mutlosigkeit sowie machthungriger Opportunität schwächelt, dessen Regierung oft mehr mit sich selbst als mit dem Land oder der Welt beschäftigt ist?

Mehr noch: Wird ein führendes Deutschland nicht erneut das Misstrauen anderer Nationen erwecken? Gerade weil es noch stärker ist als die anderen? Könnte Führung somit gar zur Falle werden – politisch, moralisch, strategisch?

Die ehrliche Antwort lautet: Ja, diese Gefahr besteht – wenn das nötige Fingerspitzengefühl fehlt und die falsche Tonalität genutzt wird. Doch die Alternative ist viel schlimmer. Ein führungsloses Europa ist ein schwaches Europa. Und ein schwaches Europa wird zwischen Washington, Moskau und Peking zerrieben. Führung ist kein Privileg, sie ist eine Pflicht – gerade für Deutschland.

Friedrich Merz hat in München eine bemerkenswerte Rede gehalten. Klar, analytisch, europäisch. Er hat verstanden, worum es geht. Doch Reden reichen nicht. Seine bisherige Kanzlerschaft – so sehr sie rhetorisch punktete – war zu oft von markigen Worten geprägt, denen keine Taten folgten. Europa hört genau hin. Und es misst Deutschland nicht an Absichtserklärungen, sondern an Verlässlichkeit. Hinzu kommt ein innenpolitisches Problem, das nicht länger schöngeredet werden darf: Wer in Europa führen will, muss zu Hause führen können. Ein Kanzler, der seinen kleinen Koalitionspartner nicht im Griff hat, der sich von der SPD immer wieder vorführen lässt, der notwendige Reformen blockieren lässt, sendet ein fatales Signal – nach innen wie nach außen. Denn Führung beginnt in Berlin.

Der kommende CDU-Parteitag ist daher mehr als eine parteiinterne Veranstaltung. Er ist eine Bewährungsprobe. Die Union muss dort unmissverständlich klarmachen, wofür sie steht – und wofür nicht. Keine weiteren Zugeständnisse an ideologische SPD-Forderungen, die wirtschaftliche Vernunft, sicherheitspolitische Klarheit und europäische Handlungsfähigkeit untergraben. Keine falschen Abzweigungen bei Schulden, Energiepolitik oder Verteidigung.

Deutschland braucht wieder einen klaren ordnungspolitischen Kompass mit wirtschaftlichem Wachstum durch Leistung, nicht durch Umverteilung, Sicherheit durch Stärke, nicht durch Beschwichtigung, europäische Integration durch Führung, nicht durch Zaudern. Das heißt konkret: massive Investitionen in Verteidigungsfähigkeit, verlässliche Zusagen an europäische Partner, ein Ende der energiepolitischen Selbstschwächung, klare Prioritäten im Haushalt.

Erst aus einer gefestigten innerdeutschen Position heraus kann Deutschland europäisch führen – nicht dominant, aber tonangebend. Nicht belehrend, sondern integrierend. Frankreich, Großbritannien, Italien und Polen werden gern folgen, aber nur wenn Deutschland zeigt, dass es weiß, wohin es geht, und bereit ist, Verantwortung zu tragen.

Nur so kann Europa auf Augenhöhe mit den USA agieren: nicht als devoter Bittsteller, sondern als Partner. Gemeinsam stark gegenüber Russland und China und gemeinsam handlungsfähig in einer Welt der Machtpolitik. Die Zeit des Abwartens ist vorbei. Wenn Deutschland jetzt nicht führt, wird es von anderen geführt werden – nach deren Regeln, die nicht unsere sind. Denn Deutschland steht für Einigkeit und Recht und Freiheit.


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Kommentare

Nick Neumann am 23.02.26, 22:37 Uhr

Sehr geehrter Herr Jens Eichler,
sie haben ganz recht, "Führung ist kein Privileg, sie ist eine Pflicht – gerade für Deutschland".
Ich würde sogar noch weiter gehen, nicht zu Handeln wäre fahrlässig. (Ich fasse mich kurz.)
Doch nicht nur Deutschland sondern ganz Europa muss aufwachen,
denn nicht "Nur so kann Europa auf Augenhöhe mit den USA agieren" sondern "Nur Europa kann auf Augenhöhe mit den USA agieren".
Ihre Andeutungen politischer Richtung lasse ich mal unkommentiert stehen, doch wir müssen uns bewusst werden, dass wir gerade von den USA nur so wie bisher schikaniert werden konnten, weil wir abhängig sind.
Microsoft hier, Google dort und Social Media - zur Kommunikation mit der eigenen Bevölkerung - klar auf Facebook und Twitter. Ein Fingerschnippen von Onkel Sam oder Donald und wir wären lahmgelegt.
Wenigstens ein gutes könnten die Übergriffigkeiten von Trump haben, es könnte ein Weckruf für uns sein, auf eigenen Beinen stehen, Verteidigungspolitisch, Verwaltungstechnisch und Wirtschaftlich.
Aber nein, es wird weiterhin bei den USA eingekauft und gebuckelt.
Übrigens sehr Ironisch, dass die Flaggen der Unabhängigkeit hochgehalten werden auf einem von ChatGPT generierten Bild. Und die PAZ nur auf Facebook ist, jenes Facebook welches regelmäßig EU Recht - unser Recht - bricht.
Ich mache Ihnen einen Vorschlag, statt lehren Worten, helfe ich Ihnen beim #DUT(Digitalen Unabhängigkeitstag) mitzumachen. Damit wenigstens ein Soziales Netzwerk welches sie Verlinken oder als Teilen-Knopf hervorheben, ein Europäisches bzw. unabhängiges ist.
Damit würden Sie dann auch Macron und Merz zuvorkommen, gerade ersterer spuckt ja sehr große Töne von Europäischer Unabhängigkeit, obwohl er anders als viele Ministerien immer noch nicht z.B. auf Mastodon Postet.

MfG und vielen Dank für das prominente schalten der Todesanzeige meines Großvaters letztes Jahr.

Werner Philipzik am 21.02.26, 11:04 Uhr

Als Antwort auf Herrn Scharfs Leserbrief:
Herr Scharf mit Verlaub, wie kann man nur so daneben liegen mit der Ansicht, Russland wolle sich Deutschland einverleiben. Das wäre das Letzte, was Putin als klar denkender Stratege anstreben, würde, ein derart darniederliegendes Land übernehmen zu wollen. Da müsste er ja von einem grünen Affen gebissen sein. Und „der Tanz der Teufel“, sie Sie schreiben, haben die Deutschen ganz alleine vollbracht. Sollten Sie in der Vergangenheit nicht die AfD gewählt haben, dann waren auch Sie persönlich ein „Mittänzer“. Eine AfD-Regierung hätte mit Sicherheit verhindert, was nun bei uns im Argen liegt.f

Jan Kerzel am 18.02.26, 16:42 Uhr

Die Führung Europas durch die Bundesrepublik. Darauf haben alle gewartet, die Vorfreude ist schon spürbar. Gottseidank nur eine Phantasie. Niemand will von der BRD geführt werden. Nicht einmal Luxemburg. Von Frankreich will ich erst gar nicht reden. Die Fake-Großmacht Russland als Nachtgespenst zu gebrauchen, das trägt nicht. So bald der unselige Krieg vorbei ist, wird man sehen, dass es eine Luftnummer war und ist. Die Bevölkerung der Bundesrepublik will Frieden, Sicherheit, Wohlstand und Freiheit. Ein quasi nationaler Aufbruch, deutsch oder europäisch, ist erfreulicherweise nicht im Programm. Zweimal komplett rasiert, weiterer Bedarf besteht nicht.

Gregor Scharf am 18.02.26, 07:28 Uhr

Markige Sprüche und schöne Worte von Vertretern einer aussterbenden Generation. Ihnen scheint entgangen zu sein, dass Gen Z keinerlei Führung mehr übernehmen will, die Deutschen ihre Wurzeln und Kultur verleugnen, lieber ziellos chillen, als zielstrebig und beharrlich zu kämpfen. Wie konnte das geschehen? Man nennt es strategische Zersetzung. Der Plan ist aufgegangen. Selbst dann, wenn Deutschland die Führung übernähme, wäre der Verlauf nicht anders als in der Geschichte. Alle anderen fallen ab. Politik ist ein schmutziges Geschäft. Deutschland steht dann wieder allein da, wie immer übrigens. Wozu? Gegen wen?
Deutschland wehrlos zu machen, war das größte Verbrechen der Nachkriegsgeschichte. Die Verantwortlichen dafür werden nicht belangt, sie halten auch keine Waffe in der Hand oder stehen in der ersten Reihe. 2007 gab es eine ehrliche und aufrichtige Handreichung. Da begann der Bruch. Russland hat seit Jahren eine Kriegswirtschaft. Und wir? Das Hauptziel bleibt Berlin. Daraus machen sie überhaupt kein Geheimnis.
Ich habe den Eindruck, dass die Maulhelden hier in den Medien überhaupt keine Vorstellung davon haben, was das heißt. Die Brigade an der Ostgrenze ist eine Beruhigungspille und nicht mehr. Hier müsste wie in der Schweiz ein ganzes Volk unter Waffen stehen. Nur bedürfte es dazu einer Demokratie.
Was für Illusionen . . .
Kommt zur Vernunft, kann ich nur ausrufen, denn jeder Soldat hat mindestens eine Waffe im Rücken auf sich gerichtet. So sieht das heutige Deutschland aus. Nichts hat sich geändert.
Der General sprach aus, was ich längst zuvor wusste, nämlich, dass alle Länder um uns herum abfallen und gemeinschaftlich Deutschland den Rest geben. Das ist der Plan. Echte Patrioten haben das längst erkannt. „Der Tanz der Teufel“ nähert sich seinem Höhepunkt.

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