13.07.2024

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Die zeitgenössische Karikatur aus der britischen Tageszeitung „Daily Mirror“ spricht Bände: Vor sich ein Schild mit der Aufschrift „Befreier Oberst Armas“, neben sich Munitionskisten mit der Aufschrift „Bananen“ und hinter sich ein Bild von US-Außenminist
Foto: Ullstein-mirrorpixDie zeitgenössische Karikatur aus der britischen Tageszeitung „Daily Mirror“ spricht Bände: Vor sich ein Schild mit der Aufschrift „Befreier Oberst Armas“, neben sich Munitionskisten mit der Aufschrift „Bananen“ und hinter sich ein Bild von US-Außenminist

Central Intelligence Agency

Blaupause für die Regime Changes in Lateinamerika

Auf Initiative eines US-Obstkonzerns stürzte die CIA vor 80 Jahren den demokratisch gewählten Präsidenten Guatemalas

Wolfgang Kaufmann
13.06.2024

Nach dem Sturz des Diktators Jorge Ubico Castañeda wurde Juan José Arévalo Bermejo im März 1945 erster freigewählter Präsident Guatemalas. Anschließend startete er ein Reform- und Verstaatlichungsprogramm unter dem Banner des „Geistigen Sozialismus“. Das stieß insbesondere bei der US-amerikanischen United Fruit Company (UFC), dem heutigen weltweit größten Bananenexporteur Chiquita Brands International, auf Argwohn, denn diese genoss seit 1936 umfassende wirtschaftliche Privilegien in dem lateinamerikanischen Staat.

Zunächst blieb die UFC jedoch ungeschoren. Das änderte sich erst nach dem Amtsantritt des neuen Präsidenten Jacobo Árbenz Guzmán im März 1951. Árbenz verfügte die Enteignung von rund 160.000 Hektar Plantagenland der UFC und dessen Vergabe an Kleinbauern. Der Konzern verlangte dafür eine Entschädigung in Höhe von 15,8 Millionen US-Dollar, erhielt aber lediglich 600.000, weil er den Wert des Bodens deutlich zu niedrig angegeben hatte, um Steuern zu sparen. Daraufhin schmiedeten der neue Direktor des US-Auslandsgeheimdienstes CIA sowie frühere Anwalt und Lobbyist der UFC, Allen Welsh Dulles, und dessen Bruder John Foster Dulles, seit 1953 Außenminister der Vereinigten Staaten, den Plan, Árbenz zu stürzen und durch eine US-Marionette zu ersetzen.

Dabei kam den beiden zugute, dass der eigentlich sozialdemokratisch orientierte Staatspräsident mit der kommunistischen Partei des Landes, der PGT, kooperierte. Diese unterstützte seine Landreformen und organisierte zugleich heimliche Käufe von Rüstungsgütern in der Tschechoslowakei, die nötig waren, weil die USA für ein allgemeines Waffenembargo gegen Guatemala gesorgt hatten. Der Deal mit Prag flog jedoch bereits nach der An­-
kunft des ersten Transportschiffes mit 15.424 Kisten Kriegsmaterial an Bord auf.

Eisenhower unterstützte den Putsch
Die Folge waren nachgerade hysterische Reaktionen in den Nachbarländern Honduras und Nicaragua sowie den USA. Beispielsweise verkündete der Sprecher des US-Repräsentantenhauses, John McCormack, dass „diese Waffenladung wie eine Atombombe ist, die in unserem Hinterhof platziert wurde“. Darüber hinaus befürchtete die guatemaltekische Militärführung, Árbenz wolle mit den tschechischen Waffen Arbeitermilizen unter Führung der PGT und der Gewerkschaften ausrüsten und so ein ihm ergebenes Gegengewicht zu den regulären Streitkräften schaffen.

Das erklärt dann auch die geringe Gegenwehr der Armee, als am 18. Juni 1954 rund 480 Söldner im Rahmen der von der CIA initiierten Geheimoperation PBSUCCESS zur „Zurückdrängung des Kommunismus“ von Honduras kommend in Guatemala einfielen. Die angeblichen Befreiungskämpfer unter dem Befehl von Oberst Carlos Castillo Armas, der 1950 wegen einer Revolte gegen Arévalo zum Tode verurteilt worden war, aber ins Ausland hatte entkommen können, agierten mit dem Wissen und der Billigung von Dwight D. Eisenhower. Der republikanische 34. Präsident der Vereinigten Staaten hatte die Operation im August 1953 genehmigt und insgesamt sieben Millionen Dollar für deren Durchführung bereit gestellt.

Während die deutlich überlegene guatemaltekische Armee am 20. und 21. Juni den Armas-Aggressoren pro forma zwei kleinere Gefechte lieferte, suchte Árbenz Unterstützung im UN-Sicherheitsrat. Der allerdings entschied am 25. Juni nach massivem diplomatischen Druck seitens der USA, den Fall Guatemala nicht auf die Tagesordnung zu setzen. Daraufhin forderte die Armeeführung um Oberst Carlos Enrique Díaz de León Árbenz auf, zurückzutreten mit der Begründung, dass sonst Washington die Invasionsstreitmacht von Armas mit eigenen Truppen verstärken und einen offenen Angriffskrieg gegen Guatemala anzetteln könnte. Weil Diaz Árbenz zugesagt hatte, die Errungenschaften der Regierungen seit 1945 zu sichern, gab der Präsident am 27. Juni auf. Danach übernahm eine Junta um Díaz die Amtsgeschäfte des Präsidenten.

Bürgerkrieg und Chaos
Da es nicht im Sinne der CIA war, einem Verfechter von Árbenz' politischem Kurs die Macht zu überlassen, sorgte sie dafür, dass der Putschist Armas am 7. Juli an die Spitze der Junta in Guatemala-Stadt rückte und zwei Monate später auch Präsident des Landes wurde. Zu dessen ersten Amtshandlungen gehörte dann die Rückgabe der enteigneten Ländereien an die UFC.

Am 26. Juli 1957 fiel Armas einem mysteriösen Attentat zum Opfer. Guatemala stürzte ins Chaos. Von 1960 bis 1996 herrschte im Land Bürgerkrieg zwischen linken Guerillaorganisationen und ständig wechselnden Militärregierungen. Es ist von bis zu 250.000 Kriegsopfern die Rede. Auch nach dem Bürgerkrieg blieb der mittelamerikanische Staat eher eine Diktatur als eine Demokratie.

Eine Wende brachte der Amtsantritt des aktuellen Präsidenten Bernardo Arévalo am 15. Januar dieses Jahres. Der Sohn des ersten frei gewählten Staatschefs Guatemalas verfolgt eine Politik nach dem Vorbild seines Vaters und seines vor 70 Jahren gestürzten und 1971 unter ungeklärten Umständen im mexikanischen Exil ums Leben gekommenen Vorgängers Árbenz. Als natürlichen Verbündeten sieht Arévalo die Volksrepublik China, die derzeit überall in Lateinamerika Einfluss gewinnt. Das lässt sich auch als Spätfolge der Operation PBSUCCESS interpretieren, da diese dazu führte, dass das Ansehen der USA in deren vermeintlichem Hinterhof deutlich schwand. Der schnelle Erfolg von 1954 könnte sich also langfristig gesehen für die USA als nachteilig erweisen.

Die CIA wurde durch ihre erste große Operation in Mittelamerika zum Sturz einer unerwünschten Regierung zu einem weltweit gefürchteten Geheimdienst, der offensichtlich sehr viel mehr vermag und auch tut, als nur zu spionieren. Allerdings beging die CIA den Fehler, die Operation PBSUCESS als Blaupause für den Sturz der kommunistischen Regierung auf Kuba zu nehmen. Fidel Castro und dessen Gefolgsleute hatten jedoch aus den Fehlern der Guatemalteken gelernt, und so geriet die Invasion in der Schweinebucht im
April 1961 für die CIA zu einem Fiasko.


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