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Echte Macher hat Deutschland genug, die aber von einer nahezu beispiellos idiotischen Bürokratie regelrecht ausgebremst werden
Bild: shutterstock.comEchte Macher hat Deutschland genug, die aber von einer nahezu beispiellos idiotischen Bürokratie regelrecht ausgebremst werden

Zwischen Idee und Start-up

Bürokratie-Irrsinn: So bremst Deutschland seine Macher aus

Jens Eichler
24.03.2026

Deutschland war einmal das Land der Ingenieure, Tüftler und Weltmarktführer. Lang, lang ist's her. Denn wer heute ein Start-up gründet, stellt oft fest: Nicht die Konkurrenz ist das größte Hindernis – sondern Formulare, Behörden und langwierige Verfahren. Viele junge Unternehmer und engagierte Macher berichten, dass sie einen beträchtlichen Teil ihrer Energie nicht in Produktentwicklung oder Kundenakquise investieren, sondern in Verwaltungsarbeit. Und das Land ist voll von unrühmlichen Beispielen.

Andreas Küffner hat die volle Wucht der deutschen Bürokratie erlebt, als er mit AWAQE ein hochwertiges Unternehmen im Bereich Gesundheits- und Ernährungsprodukte bei München startete. Der erfahrene Unternehmensberater und seit Jahren aktive Unternehmer bringt es auf den Punkt: „Gründerfreundlichkeit sieht anders aus!“, resümiert er. „Allein ein dreimonatiger Gründungsprozess ist nicht erklärbar. Das ist Zeit, die einem einfach fehlt, weggenommen wird. Zeit, die wertvoll ist, weil man kein Geld verdient, nicht in der Akquise vorankommt, keinen Kundenstamm aufbauen kann. Im Hinblick auf den Zinseszins-Effekt baut sich so für einen Start-up-Unternehmer ein immer größerer Druck auf.“

Der Zeitfaktor ist entscheidend

Und manches fühlte sich im Nachhinein für Küffner auch eher wie Schikane an. So wurden seine teuer produzierten Produkte höchster Qualität immer und immer wieder in Hinblick auf Ingredienzien und Rezepturen überprüft, was permanent neue Kosten verursachte – vom Zeitfaktor einmal abgesehen. Selbst das „Wording“ auf der AWAQE-Onlineplattform wurde behördlich geprüft – und gefühlt fanden die Behörden immer wieder etwas anderes, etwas Neues. Die für Gründer immens kostbare Zeit verging, Umsätze konnten nicht generiert werden. „Wenn du da keinen langen Atem hast, geht dir die Luft aus, bevor das unternehmerische Rennen überhaupt erst losgeht!“, so der toughe Macher, der seit gut einem Jahr sein Unternehmen zum Erfolg führt. Die positiven Zahlen sprechen für sich. Ein Erfolg, den er mit seinem engagierten AWAQE-Team ohne Bürokratie schon erheblich früher hätte erleben können. Idee, herausragende Produktqualität und sein ökonomischer Background kamen dem Unternehmer sicherlich dabei zugute.

Das Berliner Fintech-Start-up N26, das inzwischen international tätig ist, hat es ebenfalls erlebt. Zu Beginn benötigte das Unternehmen eine Banklizenz der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin). Der Prozess dauerte gleich mehrere Jahre. Zwar ist eine strenge Finanzaufsicht notwendig, doch die Gründer berichten, dass sie in dieser Zeit enorme Ressourcen in regulatorische Anforderungen investieren mussten. Für ein Start-up ist das Belastung pur.

Ähnlich kompliziert war es für das Münchner Flugtaxi-Start-up Lilium. Das Unternehmen entwickelt elektrisch betriebene Senkrechtstarter. Doch bevor ein solches Fluggerät überhaupt getestet werden darf, müssen zahlreiche Genehmigungen bei Luftfahrtbehörden eingeholt werden. Blöd nur: Jede Änderung am Prototyp machte wieder neue Prüfungen erforderlich. Ein Kreislauf des Irrsinns entstand. Daniel Wiegand, einer der drei Gründer berichtet: „Wie soll man so einen Zeitplan für Investoren einhalten? Die Entwicklungszeiten verlängerten sich dadurch erheblich und es raubte enorme Kräfte bei uns selbst!“

Noch komplizierter wird es, wenn mehrere Behörden zuständig sind. Das erlebte das Food-Start-up „GreenBite“, das pflanzliche Fertiggerichte produzieren wollte. Die Gründer benötigten Genehmigungen vom Gewerbeamt, vom Gesundheitsamt und von der Lebensmittelaufsicht. Das Blöde dabei: Die Anforderungen unterschieden sich teilweise erheblich. Während eine Stelle bestimmte Hygienevorgaben verlangte, stellte eine andere zusätzliche Anforderungen an die Produktionsräume. „Wir mussten unsere Küche zweimal umbauen“, erinnert sich die Mitgründerin, „jede Behörde hatte eigene Vorstellungen.“

In den USA gründet man schneller
Unvorstellbares erlebte auch das Berliner Software-Start-up DataCraft. Die Gründer wollten eine Plattform entwickeln, mit der mittelständische Unternehmen ihre Produktionsdaten auswerten können. Doch bevor sie ihren ersten Kunden bedienen konnten, mussten sie mehrere Wochen mit Formalitäten verbringen. Zunächst musste das Unternehmen beim Gewerbeamt angemeldet werden. Dann verlangte das Finanzamt einen umfangreichen steuerlichen Erfassungsbogen – ein Dokument mit Dutzenden Fragen zu erwarteten Umsätzen, Geschäftsmodell und Gewinnplanung. Erst danach wurde eine Steuernummer vergeben. „Wir hatten bereits Kunden, konnten aber noch keine Rechnung schreiben“, berichtet Kiki Wöhl, eine der Gründerinnen. „Ohne Steuernummer geht das schlicht nicht. Und ohne Einnahmen läuft ein Geschäft aber noch viel weniger ...“

Deutschland bleibt dennoch ein attraktiver Standort für Innovation. Doch viele Gründer fordern eine modernere Verwaltung: digitale Verfahren, klarere Zuständigkeiten und schnellere Genehmigungen. Denn für Start-ups ist Zeit ein entscheidender Faktor. Während junge Firmen in den USA oder Asien oft innerhalb weniger Tage gegründet werden können, kann der Prozess hierzulande Wochen dauern. Für Unternehmer, die mit neuen Ideen auf den Markt drängen, ist das mehr als nur ein Ärgernis – es kann über Erfolg oder Scheitern entscheiden.

Die zentrale Frage lautet deshalb: Wie viel Bürokratie braucht ein innovationsfreundlicher Staat. Die Antwort ist einfach: sehr wenig!


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