23.05.2024

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Suchen und finden

Ausstellung

Christophorus bringt Silber und Gold

Das Mittelalterliche Kriminalmuseum in Rothenburg ob der Tauber zeigt „Schatz und Schatzsuche in Recht und Geschichte“

Veit-Mario Thiede
03.11.2023

Von Reliquienjägern und Geisterbeschwörern, Archäologen und Sondengängern handelt die Ausstellung „Schatz und Schatzsuche“ im Mittelalterlichen Kriminalmuseum von Rothenburg ob der Tauber. Wünschelruten. Zauberbücher und Schatzfunde stehen im Blickpunkt. Gefälschte Karten von Piratenschätzen und Gesetzestexte, Abenteuerromane wie Karl Mays „Schatz im Silbersee“ und Filmplakate zu „Lara Croft“ beschließen die originelle Schau.

Der Rundgang beginnt mit Reliquien. Denn die galten im Mittelalter als die größten Schätze überhaupt. Die Fahndung nach den in Vergessenheit geratenen Heiligengräbern war somit eine Schatzsuche. Die erstaunlichste und umfangreichste Abteilung aber handelt von der magischen Schatzsuche mit Hilfe von Zauberbüchern wie „Doctoris Johannis Fausti sogenannter Manual-Höllenzwang“ (1849), Es stellt die Geister vor, die „herbeicitirt“ werden können. Unter ihnen ist „Aciel“ der mächtigste. Er „verschafft Geld und entlegene Sachen nach des Menschen Willen.“ Seine „Citatio“ erfolgt unter Berufung auf Gott den Vater, Jesus Christus die vier Evangelisten, alle Engel und Erzengel. Der citirte Geist führt angeblich die Befehle aus, wenn der Beschwörer ruft: „Dazu dich zwingen und bringen soll Tod, Teufel und Hölle!“

Weit verbreitet war das „Christophelgebet“. Dem heiligen Christophorus, dem „von Gott gesetzten großmüthigen Schatzmeister des verborgenen Geldes in der ganzen Welt“. Befehlen die Beschwörer, Silber und Gold zu bringen. Sowohl Handschriften wie „Des Bischoffs Albrechts Geister-Beschwerungen“ (um 1750) als auch die gedruckten Zauberbücher enthalten eine abenteuerliche Mixtur von magischen Beschwörungsformeln und christlichen Gebeten. Sie werden bis heute gedruckt und erfreuen sich großer Nachfrage, obwohl noch nie ein Schatz durch Geisterbeschwörung gefunden wurde.

Noch heute sind trotz des wissenschaftlichen Vorgehens der Archäologen. professionell arbeitender Schatzsuche-Unternehmen und der zumeist planmäßig agierenden Hobby-Sondengänger Zufallsfunde wie der 1998 bei der Sanierung eines Hauses ausgegrabene „Rothenburger Goldmünzschatz“ die Regel. Laut Bürgerlichem Gesetzbuch sollen sich Finder und Grundbesitzer den Schatz zu gleichen Hälften teilen. Aber die Bundesländer haben ihr Recht auf Sonderregelungen genutzt und das „große Schatzregal“ eingeführt. Das sieht einen entschädigungslosen Eigentumserwerb des Landes bei kulturhistorisch bedeutsamen Fundsachen vor. Nur in Bayern gilt die Fundteilung. Die Einbringung eines Gesetzentwurfes mit dem Ziel, ein Schatzregal einzuführen, ist jedoch beschlossen.

Bis 31. Dezember im Mittelalterlichen Kriminalmuseum, Burggasse 3–5, Rothenburg ob der Tauber. Eintritt: 9 Euro.
www.kriminalmuseum.eu


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Kommentare

joachim Bartsch am 04.11.23, 00:39 Uhr

Ich weiß, daß durch das Schatzregal ein unglaublicher Schatz der Wissenschaft verloren ging. Und es gibt sicher noch andere Fälle.

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