23.10.2021

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Große Dankbarkeit: Diese Schloßbergerin freut sich über die Lebensmittel, die vom gespendeten Geld bezahlt wurden
Foto: KG SchloßbergGroße Dankbarkeit: Diese Schloßbergerin freut sich über die Lebensmittel, die vom gespendeten Geld bezahlt wurden

Schloßberg

Corona verhindert den Grenzübertritt

Der Hilfstransport in den Kreis kam über Umwege dennoch auch in diesem Jahr gut an

Norbert Schattauer
29.09.2021

Im September führte die Kreisgemeinschaft Schloßberg wieder einen Hilfstransport durch, um die heutigen Bewohner auf dem Lande des Kreises Schloßberg zu unterstützen. Lange wurde überlegt, ob in diesem Jahr überhaupt eine Fahrt stattfinden kann. Voller Vorfreude ging es aber nun doch in Richtung Osten. Aufgrund der CoronaPandemie konnten die Teilnehmer des Hilfstransports die russische Grenze zwar nicht überschreiten, sie fanden aber einen Weg, damit die Hilfsgüter die vorgesehenen Empfänger erreichten.

Mit einem Sprinter des Deutschen Rote Kreuzes machten sich die fünf Teilnehmer wieder auf den Rückweg. Der führte sie über Stettin, Neustadt und Danzig, zunächst bis nach Zondern. Unterwegs gab es noch einen Abstecher nach Krutinnen, wo die Krutinna, einer der schönsten Flüsse Ostpreußens, zum Staaken einlud und dabei viel Ruhe bot. Unterbrochen wurde diese nur durch einige Schwäne und andere Wasservögel.

Durch Lucy und Jurek wurden die Teilnehmer in Zondern wie Stammgäste herzlich empfangen. Ein ehemaliger deutscher Bauernhof wurde zu Ferienwohnungen hergerichtet, und es fehlt den Gästen hier an nichts. Zum Abendbrot gab es als besondere Zugabe leckeren Fisch.

Am nächsten Tag stand den Teilnehmern ein volles Programm bevor. Zunächst ging es nach Lyck, wo ebenfalls Hilfsgüter abgegeben wurden. Durch Zufall stellte sich heraus, dass gerade an diesem Tag die Jubiläumsfeier „30 Jahre Deutsche Minderheit“ am Wasserturm gefeiert wurde. Diese Einladung nahmen die Teilnehmer gerne an und fühlten sich geehrt, daran teilnehmen zu dürfen. Neben den Jubiläumsreden von polnischer Seite ergriff Kreisvertreterin Bärbel Wiesensee das Wort. Sie lobte die Arbeit der Deutschen Minderheit mit ihrer Vorsitzenden Irena Szubzda. Nach den Feierlichkeiten am Wasserturm stand die Besichtigung der Holzkirche in Scharfenrade auf dem Programm. Die Kirche wurde 1667 erbaut, ihre Orgel stammt aus dem Jahre 1799. Anschließend ging es zum Festessen in das Restaurant Zorza in Prostken. Die nächste Station war das etwa 180 Kilometer entfernte Neustadt [Kodirkos Naumiestis]. Maryte Simanaviciene bereitete den Teilnehmern einen sehr herzlichen Empfang in ihrem Hause. Maryte war im Jahre 2005 Betreuerin im Schloßberger Ferienlager und hat den Kontakt zur Kreisgemeinschaft nicht abreißen lassen. Es gab natürlich viel zu erzählen, denn in den vielen Jahren war natürlich so Manches passiert. Maryte hatte auch einen Besuch in der „Schirwindter Stube“ organisiert, wo Frau Spaneitis über die einst östlichste Stadt des Deutschen Reiches, Schirwindt, informierte.

Zum Schluss folgten die Teilnehmer der Einladung einer Frau in Neustadt. Durch Zufall waren sie sich beim Hilfstransport vor zwei Jahren begegnet Die Wiedersehensfreude war groß.

Übernachtet wurde in Jurbarkas. Am nächsten Tag stand ein wichtiges Ereignis auf dem Programm: das Treffen mit dem Mittelsmann, der die Spenden über die Grenze in den Kreis Schloßberg bringen würde. Es hat zum Glück alles sehr gut geklappt. Schon nach wenigen Stunden kam die Information, dass die meisten Sachen schon verteilt worden seien.

Der Kindergarten in Schloßberg nahm die Spenden mit großer Freude in Empfang, hier müssen wieder einige Investitionen getätigt werden. Das Gleiche gilt für den nur noch kleinen Kindergarten im Dorf Schillfelde. Seit vielen Jahren unterstützt die Kreisgemeinschaft Schloßberg auch die Sozialarbeiterin in Schloßberg. Sie kümmert sich um Senioren, die nur eine kleine Rente bekommen und damit kaum über die Runden kommen. Es werden Lebensmittel von den Geldspenden vor Ort gekauft und von „unserer Vera“ verteilt. Dann kann auch mal etwas auf den Tisch kommen, was man sich sonst nicht leisten kann. Auch mit mancher Jacke, Hose oder auch einem Paar Schuhe konnten die Senioren beglückt werden. Diese Dankbarkeit wird sogar über die Fotos von der Verteilung deutlich und lässt bei den Spendern und Überbringern die ein oder andere Träne kullern.

Unterstützt wurde auch die Diakonie in Gumbinnen und die Tanzgruppe „Tschebatucha“ in Lasdehnen, die die Kreisgemeinschaft vor einigen Jahren besucht hatte.

In Heydekrug, wo im Jahre 1942 die Sängerin Alexandra geboren wurde, wartete schon Gerlinda Strunguriene auf den Transporter. Sie ist die Vorsitzende des Deutschen Vereins „Heide“. Auch hier wurden die Teilnehmer sehr herzlich empfangen, die einige ihrer Hilfsgüter ausluden und für zwei Tage ihr Quartier bezogen.

Durch einen glücklichen Umstand lernten die Gäste aus der Bundesrepublik Deutschland in Ruß den promovierten Udo Lade kennen, der schon seit einiger Zeit Hilfsgüter in Containern mit seinem Verein in Beverstedt von Bremerhaven ins Memelland bringt. Er erzählte von interessanten Einzelheiten in seinem Ferienhaus in Ruß.

Mit von der Partie in dieser gemütlichen Kaffeerunde war auch die örtliche Bürgermeisterin. Eine sehr interessante, resolute Frau, die schon viel bewegt hat für ihren Ort. So hat sie einen langen Kampf mit den Behörden für die neue Brücke in Ruß ausgefochten. Lade berichtete von einer Fährverbindung aus der Nähe von Ruß nach Nidden. Diesem Tipp folgend machten sich die Teilnehmer gleich am nächsten Tag auf den Weg. Durch das Memeldelta, an der Windenburger Ecke vorbei ging es durch das Frische Haff in den Fischerort Nidden.

Bei einem Spaziergang auf der Strandpromenade bei herrlichem Spätsommerwetter konnte man noch einmal richtig entspannen. Fast am Ende der Promenade wartete das Thomas-Mann-Haus, das inzwischen zu einem Kulturzentrum ausgebaut wurde. Hier gab es Interessantes über den deutschen Nobelpreisträger zu erfahren, der hier von 1929 bis 1932 wirkte.

Auf der Rückreise schaute sich die Gruppe in Warpuhnen die frisch renovierte evangelische Kirche an. Daran beteiligt ist der Verein „Freunde Masurens“ mit der nimmermüden Vorsitzenden Kerstin Harms aus Bienenbüttel. Bei einem kurzen Besuch bei Familie Schmidt in Süßental fühlte man sich wieder wie zu Hause, aber es war nur wenig Zeit, denn der Weg in das Hadelner Land war noch weit. Eine überaus interessante und erlebnisreiche Ostpreußenreise ging zu Ende.

Bedanken möchte sich der Kreisvertreter der Kreisgemeinschaft Schloßberg bei den vielen Spendern, ohne die ein
solcher Hilfstransport nicht möglich gewesen wäre. Namentlich erwähnt seien Elfriede Beer, Klaus Paulat, Ulrich Sielmann, das Deutsche Rote Kreuz und die Kirchengemeinde Wanna.



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