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Die Wiedergeburt des Festsaals – Auch die Richter des Leipziger Bundesverwaltungsgerichts genießen repräsentativen Glanz
Erlebt der Festsaal eine Renaissance? Donald Trump hat den Neubau eines pompösen Ballsaals am Weißen Haus in Washington begonnen. Dazu greift der US-Präsident auf Zeiten zurück, als zum standesgemäßen Wohnen ein herrschaftlicher Festsaal gehörte.
Dabei waren „standesgemäß“ und „herrschaftlich“ schon im 19. Jahrhundert nicht auf den Adel beschränkt. Denn das aufstrebende Bürgertum versuchte, es dem Adel gleichzutun. Selbst öffentliche Bauten erhielten schlossartigen Charakter – und Festsäle, wo man sie eher nicht vermutet. So gehörte zur Wohnung des Gerichtspräsidenten im ehemaligen Reichs- und heutigen Bundesverwaltungsgericht in Leipzig wie selbstverständlich ein Festsaal.
Das Reichsgericht (entworfen von Ludwig Hoffmann) in Leipzig entstand gleichzeitig mit dem Berliner Reichstag (entworfen von Paul Wallot), heute Sitz des Bundestages, zwischen 1888 und 1895 im Stil des wilhelminischen Historismus. Ähnlich in ihrer monumentalen Architektur mit zwei Innenhöfen, Säulenportal und Kuppel sind sie die wichtigsten Repräsentationsgebäude der Reichsgründung. Während das Innere des Reichstags modernisiert wurde, hat man das Reichsgericht wieder weitestgehend in seinen ursprünglichen Zustand versetzt.
Kaiserzeit pur atmet seit Abschluss der Sanierungsarbeiten im Jahr 2002 besonders der Festsaal des Gerichtspräsidenten. Seine Wohnung lag im südlichen Teil des Gebäudes. Und obwohl der Bau außen wie innen von Symbolen der Gerichtsbarkeit durchdrungen ist, zeigt die Südfassade keine derartigen Darstellungen, sondern festliche, einladende Motive, die von der Figurengruppe der „Gastfreundschaft“ gekrönt werden.
Mit Noblesse geht es weiter: Hinter dem Eingang führt ein Marmortreppenhaus zu dem einst für gesellschaftliche Anlässe genutzten Teil der Wohnung des Präsidenten. Es ist nicht weniger als ein eigenes Gesamtkunstwerk, für das Geländer, Wand- und Deckenschmuck sowie Kandelaber entworfen wurden.
Ein Gesamtkunstwerk im Stil des Barock aber ist vor allem der Festsaal mit seinem reichen Bild-, Skulpturen- und Reliefschmuck. Die Darstellungen tanzender und musizierender Personen weisen auf seine Bestimmung hin. Nicht nur der Kongress tanzte einst in Wien, in Leipzig tat dies auch das Gericht. Dazu passend zeigt das Deckenfresko in der Mitte des Saals den „Einzug Apollos mit den Musen bei der Justiz“.
Heute spielt die Musik im Großen Sitzungssaal, in dem einst der Prozess zum Reichstagsbrand stattfand. Mit seiner reich verzierten und vergoldeten Holzvertäfelung an Wänden und Decke ist auch er ein kunsthistorisches Kleinod mit großer Symbolkraft. Die Wappen aller mit der Reichsverfassung von 1871 zum Deutschen Reich vereinigten deutschen Einzelstaaten zusammen mit denen der Königreiche Preußen, Sachsen, Bayern und Württemberg bezeugen den Anspruch, Recht für das ganze Reich zu sprechen. Die Wappen in den Fenstern stehen für 25 Städte, in denen sich seinerzeit Oberlandesgerichte befanden. Auf sie blicken von der Wand gegenüber die Porträts der Kaiser Wilhelm I. und Friedrich III. Die Stirnseiten schmücken Emporen.
Die hervorragende Akustik des Raumes führte Anfang 2004 zur Gründung des Vereins Kunst & Justiz im Bundesverwaltungsgericht e.V. Seitdem veranstaltet der Verein im Großen Sitzungssaal jährlich rund acht musikalische Konzerte.
Führungen: www.bverwg.de/gebaeude/besichtigung-des-gebaeudes